Path:
Periodical volume 21. Juni 1884, Nr. 39

Full text: Der Bär Issue 10.1884

544 
Prinz Friedrich Larl im Jagdschloß „Dreilinden". 
(Mit der Illustration S. 541). 
lltiet vorup!" so nannten 
unsere Braven in Schleswig- 
Holstein den Fürsten, der sie 
von Sieg zu Sieg führte, und 
„Prinz alltiet vorup" ist der 
Feld- und Lagername dieses eminenten Heerführers auch im öster 
reichischen und französischen Kriege geblieben. 
Will man nach dem Körperbau den Soldaten klassifiziren, 
dann muß man den Prinzen einen geborenen Kavalleristen nennm. 
Seine Gestalt hat nicht die lange, steif gereckte Linie, welche den 
Jnfanterieoffizier kennzeichnet; die majestätische Höhe seines kaiser 
lichen Oheims geht ihm ab. Mittleren Mannesmaßes, untersetzt 
und breitschulterig, ist hochgewölbt seine Brust. Sein Antlitz hat 
den rothen, leicht angebräunten Teint, der den Mann der Schlachten, 
den Kämpfer gegen alle Uebel der Witterung und Strapazen kenn 
zeichnet. Seine Haltung, ob auch straff und gemeffen, bleibt doch 
fern von allem ordonnanzmäßig Steifen, ist leicht beweglich und 
elegant; die knappe Husarenuniform läßt die stets grazieuse Frei 
heit seiner Bewegungen leicht erkennen. Kurz, er ist das Muster 
bild eines schneidigen Reiters. 
Den Lebensgang des Fürsten haben wir an früherer Stelle 
bereits geschildert. Wie Roon sein militärischer Präzeptor wurde 
und wie er in Bonn studirte, dann als junger Hauptmann an den 
ersten Kämpfen in Schleswig Theil nahm; wie er den Orden 
pour le merite erwarb und 1849 in Baden in dem Gefechte bei 
Wiesenthal an der Spitze einer Schwadron kämpfte und schwer 
verwundet wurde. 1850 Kommandeur der 3. Division und bald 
darauf des 3. Armeekorps, sind seine weiteren Thaten so bekannt, 
wie eben die letzte große zwanzigjährige Ruhmeszeit Preußens und 
Deutschlands überhaupt. 
Der bevorzugte Aufenthalt des Prinzen ist sein Gut „Drei 
linden" bei Zehlendorf. Als Besitz ist es ziemlich werthlos, und 
er erwarb es nur, um ländlichen Berhältniffen praktisch näher zu 
treten. Richt nur den Sommer über, fast zu jeder Jahreszeit ist 
er dort, oft einzelne Tage nur, oft wochenweise. Ein Diener, 
höchstens ein Adjutant begleiten ihn; er vergißt dann den Prinzen 
und Soldaten völlig, um seine Bäume zu beschneiden, nach seiner 
Wirthschaft zu sehen; kurz, Landmann zu sein. Ein anderer 
Eincinnatus. 
„Ich wünschte, daß jeder Staatsmann auch zugleich Grund 
besitzer wäre", äußerte der Prinz einmal im Kreise seiner Freunde, 
„denn nur wer das Land und das Landleben genau kennt, vermag 
die wahren Bedürfniffe des Volkes zu beurtheilen." 
Auf dem Rasenplatz unter den drei Lindenbäumen grüßt den 
Ankömmling ein Hünengrabstein von Düppel. Er hat im Jahre 
1864 aus den wieder befteiten Nordmarken die Wanderung hierher 
gemacht und steht nun so fest auf deutschem Boden, wie das Volk 
seiner Heimath. D. 
Geheimer Rcgierungsrath Professor Dr. Loch. 
(Mit dem Portrait S. 533.) 
Es war im Hochsommer des Jahres 1876 — so schreibt 
Dr. O. Laffar in der Leipz. Jll. Ztg. — als ein jüngerer Arzt 
(er hatte wohl erst vor kurzem die Dreißig überschritten), der 
Kreisphysikus des kleinen posen'schen Ortes Wöllstein, einige her 
vorragende und durch ihre exakte Forschungsmethode rühmlich be 
kannte Profefforen der Breslauer Universität um die Erlaubniß er 
suchte, ihnen einige Präparate vorzulegen. Es handelte sich um 
die Untersuchungen über die Naturgeschichte des Milzbrandgiftes, 
welche der fleißige Mann in den wenigen, der anstrengenden Land 
praxis abgerungenen Freistunden angestellt hatte. Alsbald er 
regte die Arbeit des Wollsteiner Physikus allgemeine Aufmerksamkeit 
in den medizinischen und botanischen Laboratorien der Wratis- 
lavischen Hochschule. In der That war diese Untersuchung eine 
grundlegende für die weitere bahnbrechende Thätigkeit des jungen 
Landarztes; sie enthielt die Prinzipien einer neuen biologischen 
Forschungsmethode und war der erste erfolgreiche Schritt Dr. Robert 
Koch's auf seinem nunmehr weltbekannten Wege zur Entdeckung 
des Schwindsuchtpilzes und der Cholerabaccillen. Ueber alle diese 
Forschungen, ihre Bedeutung für Wiffenschaft und Praxis, ihre 
Ausnutzungsfähigkeit zu Gunsten der leidenden Menschheit sind so 
viele halbverstandene, vorzeitig popularisirte Mittheilungen in das 
größere gebildete Publikum gedrungen, daß es sich verlohnen würde, 
Wahrheit und Sage zu sondern und klarzustellen, was bislang auf 
dem Gebiete der Aetiologie oder der Lehre von den Krankheits 
ursachen durch Robert Koch erreicht und angebahnt worden ist. 
Wir folgen auch im weiteren dem überaus intereffanten Ar 
tikel des Herrn Dr. Lassar. 
Bleiben wir zunächst bei dem Milzbrand. Wenn man das 
Blut von milzbrandkranken Thieren vor oder nach dem Tode 
untersucht, so findet man mit größter Regelmäßigkeit mikroskopisch 
kleine, stäbchenförmige Gebilde. Diese Milzbrandstäbchen, die 
schon seit geraumer Zeit bekannt sind, unterscheiden sich durch Form 
und Verhalten von allen anderen Gebilden, die man sonst im 
Blut gesunder oder kranker Thiere findet. Sie kommen eben nur 
im Blute milzbrandkranker Thiere und Menschen vor. Der Schluß 
nun, daß diese Stäbchen die Ursache des Milzbrandes seien, lag 
sehr nahe, blieb aber unbewiesen für jeden, der in denselben nur 
eine Begleiterscheinung des Krankheitsvorganges erblicken wollte. 
Auch war es denkbar, diese Milzbrandstäbchen nicht als organisirtc 
Gebilde, sondern als leblose, krystallinische Beimengsel des erkrankten 
Blutes zu deuten. Diese Frage wurde von Robert Koch in fol 
gender, ebenso sinnreicher wie schlagender Weise erledigt. Er sagte 
sich, daß die Milzbrandstäbchen nur dann als greifbare Ursache des 
bestimmten Krankheitsbildes gelten dürften, wenn es gelänge, mit 
ihnen selbst, und zwar mit ihnen allein, ohne jedwede ftemde Bei 
mischung, bei anderen gesunden Thieren den Milzbrand beliebig 
hervorzurufen. Zunächst überzeugte er sich von der Thatsache, daß 
das stäbchenhaltige Blut eines an Milzbrand verstorbenen Thieres, 
wenn daffelbe auf ein anderes Threr überimpft wird, bei diesem 
regelmäßig Milzbrand und das Auftreten der geschilderten Stäbchen 
hervorruft. Sodann wurde zur Jsolirung des Krankheftsgiftes 
geschritten. Unter denjenigen Lebensbedingungen, welche sich für
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.