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Volume 14. Juni 1884, Nr. 38

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue10.1884 (Public Domain)

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Warum trägt Ajekdmarschast Atücher aus seinem Denkmake am 
Spernftause kein Oorte-epöe an seinem Säbel? Meister Rauch, der 
das Denkmal schuf, das am Schlachttage von Bellealliance, am 18. Juni 
1826 enthüllt wurde, stellte den alten Marschall Vorwärts mit einem 
Husarensäbel dar, mit der ersten Waffe, welche Blücher überhaupt 
trug. Bekanntlich stand dieser anfänglich als Junker bei einem schwe 
dischen Husarenregiment, wurde gefangen und trat dann in das 
von Belling geführte preußische Hufarenregiment ein. Der erste Säbel 
aber, den der spätere preußische Feldmarschall trug, war der eines 
„Junkers ohne Porte-öpöe"; und mit diesem ist der Marschall dar 
gestellt. 
Oder giebts andere Gründe für das Weglassen der Quaste? 
Das Volk hat sich eine ganze Geschickte zusammen gereimt, warum 
dem alten Blücher das Porte-öpve vom Könige genommen worden wäre. 
Danach habe Blücher bei seinem ersten Einzuge in Paris drei Tage lang 
plündern lassen wollen, weil er dies seinen deuten versprochen. Und als 
der König Friedrich Wilhelm III. sich dem widersetzte, da habe der Alte 
sein Porte-öpöe vom Säbel gelöst und es dem Könige mit den Worten vor 
die Füße geworfen: „Dann will ick keen Offizier mehr sind!" und als 
Strafe dafür fei ihm das Porte-öpöe genommen worden. 
An der ganzen Geschichte ist bekanntlich nur das eine wahr, daß 
Blücher unzufrieden mit den Kapitulationsbedingungen, die den Franzosen 
von den Verbündeten gemacht waren, sich „grollend auf die verfluchten 
Federfuchser" von dem Einzüge in Paris ausschloß, und Abends 
in aller Stille sein Quartier bezog. Und daß er sich ferner bei j 
der zweite» Einnahme von Paris nachdrücklich dem zuerst beliebten 
Schonungsprinzip widersetzte und damals, gegen Lord Castlereagh, den 
englischen Minister der Auswärtigen gewandt, den berühmt gewordenen 
Toast ausbrachte: „Was die Schwerter uns erwerben, laßt die Federn 
nicht verderben!" 
Daß aber der alte Marschall, eine der liebenswürdigsten preußischen 
Soldatcngestalten, einst als junger Husarenrittmeister vom alten Fritz 
wirklich „zum Teufel gejagt ist," das dürste mancher unserer Leser 
nicht wissen. Diese Geschichte ging so zu. 
Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges stand Blücher als 
Stabsrittmeister an der polnischen Grenze, als ihm auf Antrag des 
Generals von Lossow ein Herr von Jägersfeld im Avancement vorgezogen 
wurde. Blücher, in seinem sehr empfindlichen Ehrgefühle dadurch verletzt, 
schrieb an König Friedrich II.: „Der von Jägersfeld, der kein anderes 
Verdienst hat, als der Sohn des Markgrafen von Schwedt zu sein, ist 
mir vorgezogen; ich bitte Ew. Majestät um meinen Abschied." Der alte 
Fritz, welcher weder seinen Rittmeister verlieren noch sich von ihm Trotz 
bieten lassen wollte, reskribirte in seiner Weise, Blücher soll« so lange 
in Verhaft gesetzt werden, bis er sich eines Besseren besinne. Dies 
blieb aber aus, und als der Rittmeister von Blücher nach neun 
monatlicher Haft noch immer ans seinen Abschied beharrte, wurde ihm 
derselbe durch folgende Ordre bewilligt: „Der Rittmeister von Blücher 
ist aus dem Dienst entlassen, und kann sich zum Teufel 
scheeren! Friedrich." 
Blücher ging und erwarb sich ein kleines Landgut in Pommern, aus 
dem ihn der König, wenn er zur Revue kam, alles Vorgefallene vergessend, 
zu besuchen pflegte. Aber zu einer Wiederanstellung kam es nicht. 
Erst als Friedrich gestorben, trat Blücher 1787 in das danials 
schwarze, jetzt rothe Husarenregiment ein, dessen Oberst er schon 1760 
wurde. — 
Inhalt. 
Ihr Kismet, Erzählung von A. v. Seilten (Fortsetzung); Wiege 
unseres Kaisers (Illustration); Preußisches Kriegswesen aus vier Jahr 
hunderten (Illustration); Graf Götter, ein Lebensbild aus der Zeit 
Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs des Großen (Fortsetzung); Der 
Friesenhügcl in der Hasenhaide von Robert Springer; Von Apotheken 
und Apothekern in Alt-Berlin, eine Studie von Oskar Schwebe!; 
Alte Spielkarten (Illustrationen); Die Inschrift der königlichen Bibliothek 
in Berlin; Die Eisenbahnen im Norden Berlins; Die erste Telegraphen 
verbindung zwischen Berlin und Potsdam; Waruni trägt Feldmarschall 
Blücher auf seinem Denkmal am Opernhause kein Porte-opöe an seinem 
Säbel. Inserate. — 
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