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Periodical volume 14. Juni 1884, Nr. 38

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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die herzogliche Kammer glaubte, vielmehr berechtigt zu sein, an ! 
Götter noch Ansprüche zu machen. Dennoch schrieb ihm der Kanzler 
und Gehcimrath von Geismar, der Herzog habe aus einem Ueber- 
flusse von Gnade und Großmuth beschlossen, Gotter'n für sämmt 
liche noch habende Forderungen 2000 Thaler auszahlen zu lassen. 
Die einseitige Verurtheilung, ohne ihn auch nur gehört zu 
haben, setzte Gotter'n „in nicht geringes Erstaunen," und er er- ! 
klärte, er wolle mit einem Eide erhärten, daß seine bisherigen Aus- ! 
lagen und Kosten in der Lehensempfängniß noch weit mehr be 
trügen, als er berechnet habe. Um die fatale Sache zu beseitigen, 
erklärte er sich zuletzt mit 3667 Thalern für befriedigt und ver 
zichtete aus alle und jede weiteren Ansprüche. 
Götter verließ Regensburg im Anfange des Monats Ok 
tober 1732 und begab sich aus seinen neum Posten nach Wien. 
Er war zum preußischen bevollmächtigten Minister am 
kaiserlichen Hofe ernannt worden und erhielt als solcher einen ! 
Gehalt von 15 000 Gulden jährlich. Außerdem hatte er die Er 
laubniß, die Angelegenheiten des Herzogs von Würtemberg mit 
besorgen zu dürfen; eine Erlaubniß, welche ihm auch noch ein 
Bedeutendes einbrachte. 
Es nahete jetzt die Zeit, wo Götter sich nach Ruhe sehnte 
und vom lärmenden Geräusche der Oeffentlichkeit sich zurückzuziehen 
wünschte. Je mehr er die Welt und ihr Treiben kennen lernte, 
desto klarer wurde es ihm, daß alles in der Welt eitel und nichtig 
sei, und je mehr er den sinnlichen Genüssen und Lüsten jeglicher - 
Art gesrvhnt hatte, desto größer wurde der Ueberdruß und Ekel 
und die körperliche Abspannung, und desto mehr strebte er darnach, 
einen Hasen zu finden, welcher ihn vor den Unbequemlichkeiten und 
Stürmen der äußeren Welt schützte, und in welchen er sein späteres 
Lebensalter in Ungebundenheit und Behaglichkeit, nur den stillen 
Freuden der einfachen ländlichen Natur ergeben, zubringen könnte. 
Die Gelegenheit, dieses ersehnte Ziel zu erreichen, sich einen 
solchen Zufluchtsort zu sichern, und ein kleines irdisches Paradies 
sich zu schaffen, bot sich dar, als im Jahre 1733 das Rittergut 
Molsdvrs in dem anmuthigen und fruchtbaren Thale der Gera, 
etwa zwei Stunden von Erfurt, ein und eine halbe Stunde von 
Arnstadt und vier Stunden von Gotha lehenfrei wurde. 
Der Kaufkontrakt ward im September 1734 ausgefertigt und 
von Herrn v. Bünau als Bevollmächtigtem der Prinzen und Prin 
zessinnen von Gotha unterzeichnet. 
Rach der Besitznahme des Gutes ließ Götter eine Reihe 
Häuser der Apselstedt entlang bauen und zog fleißige Arbeiter aus 
dem Auslande herbei, um Wollenzeugsabriken zu gründen. Diese 
schienen jedoch nicht gedeihen zu wollen, denn die Ausländer zogen 
zum größeren Theile wieder fort. Dian nannte das neu entstehende 
Dörfchen Neugottern. Die später hieher eingewanderten mährischen ; 
Brüder wählten den Namen Gnadenthal; aber die herzogliche Re 
gierung zu Gotha ließ den letzteren Namen nicht zu und nannte 
den Ort Neu-Dietendorf. 
Nach diesen Ankäufen mußte Gotter'n der längere Aufenthalt 
in Wien lästig werden. Entfernt von seinen schönen Besitzungen, 
sehnte er sich darnach, dieselben nach seinem Geschmacke umzuschaffen 
und unter seinen Augen zu einem geschmackvollen Landsitze zu er 
heben. Seine glänzende und einflußreiche Stellung hatte allen 
Reiz für ihn verloren. Sie mit den Beschäftigungen eines stillen 
Landlebens zu vertauschen, wurde jetzt das Ziel seiner eifrigsten 
Wünsche. 
Einen Vorwand, sich aus dem öffentlichen Leben zurückzu 
ziehen, fand er leicht in seiner wankenden Gesundheit. Wohl 
hauptsächlich zur Erlangung seines Urlaubs reiste er im August 1735 
nach Berlin, von wo er erst am 3. November nach Wien zurück- ! 
kehrte. Der König von Preußen war nur schwer zu bewegen, 
Gotter's Wünsche zu erfüllen; doch konnte er seinem fortgesetzten 
Drängen zuletzt nicht widerstehen und erlaubte Gotter'n in gnädigen 
Ausdrücken, sich auf sein Gut Molsdorf zurückzuziehen. Auch bei 
dieser Gelegenheit gab ihm der König einen neuen Beweis seiner 
Huld. Durch Decret vom 6. März 1736 ernannte er ihn zum 
Gesandten und bevollmächtigten Minister beim obersächsischen Kreise, 
eine Stellung, welche ihm keinerlei Mühe und Beschwerde verur 
sachte, wohl aber einen ansehnlichen Gehalt verschaffte. 
Sobald Götter seinen Wohnsitz in Molsdorf auigeschlagen 
hatte, begann dort ein munteres, bewegtes Treiben. Er, der an 
ununterbrochene Thätigkeit gewöhnt war, konnte sich uatürlich auch 
in der Zurückgezogenheit einer trägen Ruhe nicht hingeben. Er 
baute zunächst ein Schloß im Rococostile jener Zeit, legte einen 
Garten nach großartigem Plane im Versailler Geschniacke an, und 
schuf seine Besitzungen zu einem wahren Tusculanum um. 
Arbeiter aus der Nähe und Ferne wurden herbei gezogen, 
um die großartigen Ideen des Grafen so schnell wie möglich zur 
Ausführung zu bringen. Alles wurde aus das reichste und präch 
tigste eingerichtet, und mit verschwenderischer Hand theilte der Graf 
ungeheure Summen aus, um seinem seinen Kunstsinne und üppigen 
Geschmacke Rechnung zu tragen. 
Das Innere des Schloffes zeugt von dem Kunst und Wissen 
schaft liebenden, aber auch wollüstigen Geschmacke des Grafen. 
Gleich beim Eintritte in das Schloß von der Gartenseite her be 
fand sich ein Weinhahn, von welchem aus ein Schlauch hinab in 
den Keller führte. Ein Druckwerk bewirkte, daß, wenn man ihn 
öffnete, ein köstlicher Wein herausfloß, mit welchem'sich die an 
kommenden Gäste erfrischen konnten. 
Die Zimmer des Schlosses waren mit Luxusgegenständcn aller 
Art ausgeschmückt, namentlich warm und sind noch die Wände 
mit einigm hundert Oelgemälden von Auerbach, Beck, Johann 
Kupetzky, Martin von Meytens, Rigaud, Pesne, Peter Steudel 
und anderen verziert. Fast alle stellen ausgezeichnete Personen 
jener Zeit dar. Wir nennen folgende: 
Friedrich Wilhelm I., König von Preußen, in Lebensgröße (geb. 1688, 
-ß 1740). Original von Pesne. 
August Wilhelm, Prinz von Preußen (-ß 1758), Bruder Friedrichs 
des Großen und Vater des nachmaligen Königs Friedrich Wil- 
helm's II. Kopie von G. von Bem nach Pesne. 
General von Wreech, Schwiegervater der schönen und geistvollen 
Eleonora Luise von Wreech, geb. von Schöning, Jugendgeliebten 
Friedrichs des Großen. Original von Beschecky. 
Leopold, Fürst von Anhalt-Dessau (der alte Deffauer, geb. 1676, 
ch 1747). Original von Beck. 
Friedrich Wilhelm von Grumbkow, preußischer Feldmarschall (geb. 
1668, ch 1739). Original von Beschecky. 
Christoph, Graf von Schwerin (geb. 1684, geblieben vor Prag 1757). 
Original von Beschecky. 
Karl, Herzog von Braunschweig (geb. 1713, f 1780), Schwager 
Friedrichs des Großen. Kopie. 
Friedrich der Große als Kronprinz, Brustbild. Kopie nach Pesne 
von G. von Bem. 
Luise Dorothea, Herzogin von Sachsen-Gotha, (f 1769) in der 
Tracht des Eremitenordens mit dessen Wahlspruche „Vive la joie“ 
auf der Busenschleife. 
Gräfin von Hartig. 
Gräfin von Bredow. 
Gräfin von Dönhof. 
Die Oberhosmeisterin von Brand. 
Katharina II., Kaiserin von Rußland (geb. 1729, f 1796); kurz 
nach ihrer Vermählung mit Peter Hl. im Jahre 1745 gemalt. 
Eleonore Louise von Wreech, Jugmdgeliebte Friedrich's des 
Großm. 
Anna Amalia, Prinzessin von Preußen, Friedrich von Trenk's 
Geliebte (geb. 1723, f 1787 als Aebtissin von Quedlinburg). 
Die Generalin von Pannewitz.
        
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