Path:
Periodical volume 14. Juni 1884, Nr. 38

Full text: Der Bär Issue 10.1884

Graf Götter. 
(Sin Lebensbild aus der Zeit Friedrich Wilhelms I. 
und Friedrichs des Großen. 
(Fortsetzung.) 
Vielleicht eine Folge der Ernennung zum königlich preußischen 
Staatsrathe war es, daß Herzog Friedrich, um Gotter'n desto 
fester an sich und sein herzogliches Haus zu fesseln, ihm ein Ex- 
pectanzdecret für den Fall ausstellen ließ, daß der hochbejahrte 
Komitialgesandte Heinrich Richard von Hagen zu Regensburg mit 
Tode abgehen sollte (20. August 1728). Er habe, so hieß es in 
diesem Dekrete, in seiner Funktion als Geheimer Legationsrath und 
Gesandter am kaiserlichen Hofe „mit aller Devotion, Treue und 
Dexterität sich dergestalt erwiesen, daß Alles zu gnädigster Gefällig 
keit gereiche"*). 
’• (Kaiser Wilhelms Zeit.) 
des Grafen Moltke. 
Der Baron von Hagen starb am 9. Dezember 1729, und 
Götter nahm alsbald seine Stelle und seine Besoldung im Betrage 
von 1249 Thalern ein, behielt aber zugleich seine Stellung als 
Gesandter in Wien. Am 2. Januar 1730 verließ Götter Wien, 
um seinen neuen Posten als Comitialgesandter in Regensburg an- 
wtreten. 
Die Angelegenheiten zu Wien erforderten jedoch bald wieder 
seine dortige Anwesenheit, und am 25. Februar 1730 kam er 
nach nur dreitägiger Reise von Regensburg nach Wien. 
Von jetzt an befand sich Götter abwechselnd bald in Regens- 
durg, bald in Wien, so wie die Umstände es gerade erforderten. 
Im April 1730 besuchte er auf kurze Zeit Berlin. Mitte Juli 
*) Regensburger Reichstagsakten, A I, 34 im Haus- und Staat 
archive zu Gotha. Vergleiche vr. Aug. Beck, Graf Götter. 
kam er nach Regensburg, und da er sich nicht ganz wohl befand, 
so machten ihm die sächsischen, brandenburgischen, braunschweigischen, 
französischen und holländischen Gesandten zuerst ihren Besuch, in 
jener zopfsteifen Zeit ein unzweideutiger Beweis, wie beliebt und 
in welchem hohen Ansehen bei seinen Standesgenossen er stand. 
In Betreff seines Gehalts sollte Götter, so lange er sich in 
Regensburg aushielt, monatlich nur 100 Thaler erhalten; auf die 
von ihm gemachte Vorstellung aber wurde er zunächst aus das 
Doppelte erhöht. Wie hätte aber Götter mit einer solchen Ver 
ringerung seines Gehaltes sich zufrieden erklären können, und wie 
hätte er mit einer so unbedeutenden Summe seinen äußern Glanz 
fortzuführen vermocht! 
In einem motivirten Schreiben setzte er dem Herzoge Friedrich II. 
(Regensburg, 11. Januar 1731) auseinander, wie er mit einem 
so geringen Gehalte unmöglich aus 
kommen könne. Die vorigen frugalen 
Zeiten seien vorüber, und der Luxus 
habe dermaßen überhand genommen, 
daß er in den Ausgaben — Quar 
tier und Holz etwa ausgenommen — 
keinen Unterschied zwischen Regens 
burg und Wien finden könne. Un 
möglich könne man mit weniger als 
8 bis 9 000 Gulden jährlich aus 
kommen. Auch müsse er öfters zur 
Ehre des herzoglichen Hauses Auf 
wand machen, auf welchen er nicht 
gerechnet habe. So habe er, als 
der Erbprinz Friedrich in Wien ge 
wesen sei, es nicht vermeiden können, 
täglich — wenn er nicht anderswo 
eingeladen war — eine Tafel von 
„15 bis 18 Personen von der aller 
ersten Nobleffe und Generale" zu 
halten. Dadurch sei er aber so in 
Schulden gerathen, daß zu deren 
Tilgung, wenn er sie hätte auf ein 
mal bezahlen muffen, der Verkauf 
aller seiner Möbeln' und seines Sil 
berwerks kaum hinreichend gewesen 
sein würde, dieselben zu decken. Er 
schmeichele sich, dem Herzoge nach 
allem Vermögen gedient zu haben, 
wie es seine obliegende Schuldigkeit 
erfordere, und da des Herzogs Gnade 
und billige Gesinnung bekannt sei, 
daß er nie einen treuen Diener un- 
belohnt und Mangel leiden lasse, so 
lebe er der Zuversicht, der Herzog 
werde die neue Kammerverfügung dergestalt ändern, daß er so 
wohl bestehen als seine höchste Person als Comitialgesandter in 
Anstand repräsentiren könne. 
Götter erreichte, was er wollte. Er erhielt zugesichert, was 
er in Wien hatte, nämlich wöchentlich 100 Thaler (4. Januar 1731). 
Das beständige Hin- und Herreisen von Wien nach Regens 
burg konnte auf die Länge der Zeit nicht dauern. Inzwischen 
trat auch der Tod des Herzogs Friedrich II. von Gotha ein. Es 
war darum nicht zu verwundern, daß Götter den fortdauernden 
glänzenden Anerbietungen des preußischen „Sparkönigs" endlich 
Gehör gab und seinen Gothaischen Posten verließ. 
Vor seiner Entlassung hatte Götter der herzoglichen Kammer 
in Gotha eine Rechnung ausgestellt, welche eine Forderung von 
11 982 Thalern nachwies. Die Rechnung wurde geprüft, aber 
„dergestalt enorm, bodenlos und schlecht beschaffen befunden," daß
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.