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Volume 7. Juni 1884, Nr. 37

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue10.1884 (Public Domain)

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toren und großen Männern der Kirche nicht allein, sondem auch ! 
allen alten und neuen Vätern der katholischen und apostolischen 
Kirche vorziehe.* *) 
Als Passionei den Kardinalshut erlangt hatte, wünschte Götter 
ihm Glück dazu und sprach die Hoffnung aus, daß er eines Tages 
den Cardinalshut mit der dreifachen päpstlichen Krone vertauschen 
möchte, welche ihm dem Würdigsten gebühre. Er, Götter, werde 
dann nach Nom eilen, um ihm den Pantoffel zu küffen. „Ich 
fürchte sehr," erwiderte darauf Passionei, „daß Ihre Reise unter 
bleiben wird, und ich auf die Ehre verzichten muß. Sie in Rom 
zu sehen; denn ich bin ein viel zu rechtschaffener Mann (un trop 
honnete komme), um jemals Papst werden zu können."**) 
Den Einfluß, welchen Götter in kurzer Zeit durch so vor 
nehme Verbindungen gewann, war ein sehr bedeutender. Die 
Angelegenheiten des herzoglich gothaischen Hauses wurden von 
jetzt an nicht wenig gefördert. Mehrere der am kaiserlichen Hofe 
anhängigen Prozesse wurden ihrem Ende schnell zugeführt, und 
die rückständigen Geldsorderungen gingen ein. Herzog Friedrich II. 
erkannte dies auch dankbar dadurch an, daß er den jungen Mann 
durch Titel und andere Belohnungen auszeichnete. 
Es war begreiflich, daß der einflußreiche Günstling auch von 
Seiten anderer fürstlichen Höfe gesucht wurde. Man wollte durch ihn 
am kaiserlichen Hofe erlangen, was man wünschte. Es war bekannt, 
daß Götter außerordentlich gefällig und zuvorkommend war, und 
daß seine Fürsprache fast immer von glücklichem Erfolg war. Wer 
sich an Götter wendete und von ihm die Zusicherung seines Für 
worts erhielt, durfte auch des günstigen Erfolges ziemlich ge 
wiß sein. 
Bereits am 22. Oktober 1716 erhielt Götter vom Herzoge 
Friedrich II. seine Ernennung zum Legationssekretäre, „nachdem 
er anderthalb Jahre seinem Vater zu Wien in dem ihm kommit- 
tirten Negotiis vergnüglich an die Hand gegangen und am kaiser 
lichen Hofe nutzbaren Acceß erworben, wie auch in solcher Kon- 
sideration und Erwartung weiterer treuester Dienste." 
Nicht lange darauf, zu Anfang des Jahres 1717, wurde 
Gotter's Vater von Wien abberufen, und die alleinige Weiterfüh 
rung der gothaischen Angelegenheiten am kaiserlichen Hofe dem 
jungen Legationssekretäre anvertraut. Von nun stieg der unge 
wöhnliche Günstling des Glücks und der Damen schnell von 
Stufe zu Stufe bis zum Grafen empor. Mit seinem Steigen 
aber mehrten sich auch seine Verdienste und sein Einfluß. Bald 
war er in alle Geheimniffe und Intriguen des Kaiserhofes einge 
weiht, und einmal im Besitze derselben verstand er es, sie geschickt 
zu seinem Vortheile auszubeuten. 
Im Jahre 1720 wurde Götter herzoglicher Rath und außer 
ordentlicher Gesandter am kaiserlichen Hose. Schon damals machte 
er einen ganz ungewöhnlichen Aufwand. Darin wurde er von 
dem Fürsten, welchem er diente, bestärkt. Herzog Friedrich II. 
liebte Pracht und Ansehen und glaubte durch äußeren Glanz seine 
fürstliche Würde zu wahren und die Rechte seines Hauses zu ver 
größern. Götter benutzte deshalb jede, auch die geringfügigste 
Veranlassung, um sich durch Glanz vor Anderen hervorzuthun. 
Sein Haus war eines der glänzendsten in Wien. Mit üppiger 
Verschwendung waren seine Zimmer ausgestattet. Prachtvolle 
Wagen und Pferde standen zu seinem Befehle, und eine Menge 
reich galonirter Lakaien und Läufer harrten seines Winkes. Mit 
einem Worte, seine Hofhaltung glich nahezu einer fürstlichen. 
Nichts aber verursachte größeren Aufwand als seine reich besetzte 
*) Brief« an Schläger vom 17. Okt. 1755, 18. Mai 1758 und 
Ü. März 1760 im Cod. Chart. B. 1510 aus der herzoglichen Bibliothe! 
zu Gotha. 
**) Eloge in der Historie de l’Acad., p. 554. Vergl. Brief an 
Schläger vom 31. Jan. 1754 im Cod. Chart. B 1510. 
Tafel; denn er liebte nur zu sehr die Tafelfteuden und zahlreich.- 
Tischgenossen um sich. Dabei war er ein Gourmand ersten Grads 
und fröhnte den raffinirtesten Lebensgenüffen. Die feinsten und 
seltensten Gerichte mußten geschafft werden, um seinen Appetit zu 
beftiedigen. Was sie kosteten galt ihm gleich. So wird erzählt, 
daß er einst zu einer großen Gasterei als Hauptgericht sein Leib 
essen, grüne Erbsen, bestellt und für jede einzelne einen Groschen 
bezahlt habe. Seine wahrhaft lukullischen Gastmähler galten 
als die ausgezeichnetsten in Wien. Auch die Gotter'schen Weine 
erlangten Berühmtheit und dursten an der Tafel der vor 
nehmen Wiener nicht fehlen. Durch einen ansehnlichen Handel 
mit feinen Weinen, welche er seinen Gönnern und Freunden ver 
kaufte, und welche er selbst aus italienischen und ungarischen Wein 
lagern bezogen hatte, verstand er es, seine Einkünfte um ein Be 
trächtliches zu vermehren. 
Trotz alle dem vergaß Götter niemals seine Geschäfte, und cs 
wird erzählt, daß, als man den Prinzen Eugen einst auf dessen 
verschwenderischen Aufwand aufmerksam machte, derselbe erwiderte: 
„Es ist wahr, daß der Baron von Götter einen großen Aufwand 
macht; ich weiß, daß man bei ihm gut ißt und noch bester trinkt, 
aber ich weiß auch gewiß, daß er dabei nie seine Geschäfte ver 
nachlässigt."*) 
Der Glanz, welchen Götter um sich verbreitete, und welcher 
nicht selten den Reichthum der angesehensten Gesandten zu Wien 
überstrahlte, war nicht immer eine bloße Wirkung seiner Pracht 
liebe; gar oft geschah es aus politischen Gründen, um Einfluß zu 
gewinnen und sein Ziel zu erreichen, und nur selten verfehlte er 
dieses. 
Schon damals zeigen sich die ersten Spuren und nachthei 
ligen Folgen seiner üppigen und wüsten Lebensweise. Im Ja 
nuar 1721 mußte er zur Ader lasten und „eine förmliche Kur für 
die Brust gebrauchen." Der russische Gesandte am Wiener Hose, 
welcher Gotrer'n besonders lieb gewonnen hatte und auf ein paar 
Wochen zu seinem Vergnügen nach Venedig reisen wollte, lud 
Gotter'n, welchem „sonderlich die Motion und Veränderung der 
Lust zuträglich sei," ein, ihn auf seine Unkosten dorthin zu be 
gleiten und ihm Gesellschaft zu leisten. Dieser Antrag scheint zu 
gleich daraus hinzudeuten, daß Gotter's finanzielle Lage eben nicht 
sehr glänzend war. Freilich hatte er seit dem Jahre 1717 von 
der herzoglichen Kammer zu Gotha nur 300 Gulden oder 200 
Thaler monatlichen Gehalt bezogen. Das genügte natürlich nicht, 
um seinen immmsen Aufwand zu bestreiten. 
In der Absicht, seine finanziellen Verhältniffe zu ordnen und 
mit der herzoglichen Kammer zu Gotha Abrechnung halten zu 
können, bat er den Herzog Friedrich II., ihm die Erlaubniß zu 
einer Reise in die Heimath zu ertheilen. Er erhielt sie, und im 
Juni 1721 finden wir Gotter'n in Gotha, wo es eine seiner ersten 
Arbeiten war, in einem Memoriale von 23. Juni darzulegen, daß 
zur Bestreitung der herrschaftlichen Ausgaben und eigenen Sub 
sistenzmittel in Wim 100 Gulden wöchentlich genügen würden. 
Gleiche Summen brauchten auch die ohne öffentlichen Charakter 
j sich aushaltenden fürstlichen Räthe von geringeren Höfen, wie z. B. 
Anspach, Ostsriesland. 
Die verlangte Summe scheint vom Herzoge nicht zu hoch be- 
fundm worden zu sein; dmn es wurden vom 1. Februar 1717 an 
100 Gulden wöchentlich bewilligt „zu seiner Subsistenz, Kleidung, 
Bedienung, Reisen, Tractament und andern dergleichen extraordi 
nären Aufwendungen" **). 
Nach dieser Feststellung wurde von der herzoglichen Kammer 
Abrechnung mit Götter gehalten und die gleiche Summe auch für 
! 
*) Eloge in der Historie de l’Acad., p. 555. 
**) Ml. VIl b 34 im herzoglichen Haus- und Staatsarchive zu Gotha 
i (Friedenstein, 29. Juni 1721).
	        
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