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Volume 24. Mai 1884, Nr. 35

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue10.1884 (Public Domain)

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berichtet er, ist nichts erhalten und ihm selbst der Ort auf dem ! 
es stand, nicht bekannt. Die beiden noch vorhandenen Gebäude 
sind die Klosterkirche und das Brauhaus der Mönche. Letzteres ist ! 
ein einfacher, langgestreckter, viereckiger und zweistöckiger Bau, mit 1 
einem gewöhnlichen Giebeldache, an den Längswänden mit sehr : 
kleinen, eisenvergitterten und durch Bretter verschlossenen Spitz- 
senstern versehen — heute Kornspeicher und Scheune der Himmel- 
psorter Wassermühle. Der andere Bau ist der für uns wichtigere: 
ein längliches Bauwerk mit 3 geraden Wänden, die vierte, die 
vordere Schmalwand zeigt sich als Rundung. Die vordere Hälfte 
des Baues ist wenig sorgfältig mit Kalkputz überworien, spitz über 
dacht und mit gothischen Fenstern; die andere Hälfte im Backstein 
bau erhalten, die Längsseiten, aus je vier bis auf den Boden 
reichenden Rundbogen bestehend, ohne Ueberdachung; beide Theile 
sind getrennt durch eine dazwischengefügte Mauerwand; der vordere 
dient den Himmelpsortcrn zur Kirche, der hintere diente ihnen bis 
vor einiger Zeit als Scheune. Die heutige Himmelpsorter Dorf- 
kirche bildet sicher nur einen kleinen Theil der früheren Klosterkirche. 
Es ist indessen schwierig, wenigstens für den Laien, sich eine Bor- 
stellung von derselben zu machen, da die Barbarei der letzten Jahr 
hunderte ihr möglichstes gethan hat sie verschwinden zu lassen. 
Der heute als Ruine stehende Bau ist vielleicht nur das Mittel 
schiff gewesen, die Nebenschiffe aber sind abgetragen worden, ebenso wie 
die Seitenschiffe der Kreuzkirche, denn eine solche war es, deren 
Fundamente noch deutlich vorhanden sind. Als man den vorderen 
Theil des Baus zur Dorfkirche einrichtete, brach man die Mauern 
des hinteren bis auf gleiche Höhe ab und gestaltete ihn durch 
Strohüberdachung zum Viehstall und zur Scheune um, welchem 
Zweck er lange gedient haben mag, bis eine andere Anschauung 
sich darin gefiel, durch Wegnahme des Daches und des Bodens 
sowie der Rundbogenausfüllungen, der Ruine ihre jetzige Gestalt 
zu geben. Auch einen wahrscheinlich von der Klosterkirche über 
nommenen Thurm hat die Kirche besessen, der indeffen, nach Aus 
sage des Herrn Pfarrers, auf merkwürdige Weise abhanden ge 
kommen ist. Da nämlich der unter dem Thurm gelegene Raum 
als Viehstall, der Thurm selbst als Heustall Verwendung gefunden 
hatte, so hatte es eines Tages ein Ochse möglich gemacht sich au» 
den Thurm, die Stiege entlang, hinauszufressen. Um das Thier 
wieder auf die Erde zu bringen erweiterte man das Schallloch 
derartig, daß der Thurm am nächsten Tage einstürzte. Bei dieser 
Gelegenheit kamen auch die Kirchglocken zur Erde und haben es, 
wie uns unser Cicerone berichtet, die Leute lange möglich gemacht, 
die aus dem Boden liegenden das zum Kirchenbcsuch einladende 
Geläute ertönen zu lassen. Der Klöppelschwinger mußte sich natür 
lich zu dem Zweck auf die Erde legen. Später hat man den 
hölzernen Glockenstuhl errichtet und die Glocken darin aufgehängt. 
Die größere goß im Jahre 1589 jochim grotemacker (Grützmacher) 
von neigen timigen (Neu Thymen), sie zeigt die Inschrift: also hefth 
goth de weltd gelewet, dadt he seinen einigen sonen gas np 
dadt al em ein ; die andere aus dem Jahre 1673 
zeigt das von Trottesche Familicnwappen. 
Der Herr Pfarrer geleitet uns jetzt in die Kirche — die ganz 
und gar das Bild eines ländlichen Gotteshauses gewährt. An 
die Mönchszeit erinnert nichts: das Dach ist neu, die Decke flach 
und sauber geweißt, in der vorderen Rundung steht die hübsch 
geschnitzte Kanzel, die dem daran befindlichen Wappen nach aus 
dem 17. Jahrhundert stammen mag. An der hinteren Schmal 
wand führt eine Treppe zum Sängerchor mit dem verstimmten 
Harmonium. Im Schiff zwei Reihen Holzbänke, an den 
Wänden Gedenktafeln gefallener Krieger »nd Kränze mit Bändern 
— wie es jede Dorskirche zeigt. Die auf die Mönchszcit folgende 
Periode hat indeffen Erinneruugen hinterlaffen — sie bestehen in 4 
vor dem Altar liegenden und eine Särge bergende Gruft deckenden 
Grabsteinen. Ihnen gemäß fanden hier Botho von Trotte zwischen 
2 Gattinnen aus den Geschlechtern von Schulenburg und von Buech, 
und im Jahre 1727 Friedrich von Trotte, der letzte seines Geschlechts, 
ihre Ruhestätte. Dem Andenken an das ausgestorbene adelige 
Geschlecht dient eine Gedenktafel mit der Inschrift: 
A Trotte 
Stirpi Marchico equestri deleto 
Dominus 
Feudis in his Regius successor. 
Restauratum MDCCCXL. 
Sonst befinden sich in der Kirche noch am hölzernen Chor 
das Trottesche Wappen, auf einem Fenstersims zwei Speere, ein 
Paar Ritterhandschuhe und ein Helm und endlich ein in Holz ge 
schnitztes die Abendmahleinsetzung darstellendes alterthümliches 
Bild — alles in neu unb sauber ausgewischten Farben, sieben 
der Kirche ist der Kirchhof, neben diesem sind Kartoffelfelder und 
Kiefernwald. Da es sonst absolut nichts bemerkenswerthes mehr 
giebt, verabschieden wir uns dankend vom Herrn Pfarrer und 
haben wir aus dem Rückweg zur Stadt Zeit genug darüber nach 
zudenken, wie es doch möglich gewesen ist, die Spuren einer meh 
rere Jahrhunderte umfassenden glänzenden Periode bis auf einige 
Mauerreste zu vertilgen. 
Markgraf Albrecht überwies 1299 dem Kloster Lehnin das 
Gut Thymen in der Uckermark in der Absicht zum Geschenk, um 
daselbst ein neues Kloster anzulegen, das jedoch eine gute halbe 
Meile von dort, zwischen dem Sydow-, Moderfitz-, und Haussee, 
am User des Stolpsee zu stehen kam und den Namen Himmelpfort 
erhielt. Am Tage der Reinigung der glorreichen Jungfrau Maria 
din i. N. M. ausgefertigten Urkunde ein weites Gebiet, welches 
das gesammte Land Lychen mit allen darin befindlichen Seen, 
Mühlen und Wäldern u>n»'aßte. Unter Otto IV. und desseit Nach 
folger Waldemar werden die Besitzungen erweitert; die bayrischen 
und luxemburgischen Kurfürsten sind ebenfalls lebhaft für das Kloster 
interessirt und beschenken es derart reichlich, daß es während der 
Herrschaft der letzteren zur selbstständigen Abtei erhoben wird. 
Der mannigfachen Streitigkeiten der hungrigen Mönche mit 
der Stadt Lychen haben wir bereits gedacht, eben solche aber 
hatte das Kloster mit Templin, wie eine Urkunde des Raths 
letzterer Stadt vom Jahre 1394 beweist, nach welcher sie eine Ber- 
geffcnhcit aller Zwietracht und gute Freundschaft mit dem Kloster 
angelobt. Auch mit den Brandenburger Hohenzollern in Freund 
schaft zu leben bestrebt, ließ der Abt Peter 1421, trotzdem das 
Kloster unter meklenburgischer Hoheit stand, alle Güter seines Con 
vents vom Kurfürsten Friedrich 1. bestätigen und „in seinen Schirm 
und Frieden aufnehmen, damit sie nicht Schaden litten." 
Himmelpfort war eines der reichsten Klöster der Mark ge 
worden, als es unter der Regierung Joachims H. einging, in ein 
Kammergut verwandelt wurde und nebst Badingen an Adam von 
Trotte 1557 zu Lehen gegeben wurde „wegen vorgeschossener Haupt 
summe, vieler getreuen und nutzbaren Diensten, sonderlich daß er 
ungeachtet seines Leibes höchsten Ungelegenheit (er war sehr ver 
wachsen) sich in Ungarn begeben und zum Feldmarschallamt gebrauche 
laffen." Uneingelöst wurde es zum erblichen Ritterlehen,'bis es 
1727 nach dem Aussterben der Trotteschen Familie, die übrigens 
auf die Erhaltung der Klostergebäude bedacht gewesen zu sein scheint, 
an den Landcsherrn zurückfiel. Mit dem Rittergut Badingeil und 
dem Dorf Kastaven vereinigt, bildete es das Amt Badingen, wurde 
1764 vererbpachtet, 1845 indessen zurückgekauft. Einst ein Central 
punkt geistlichen Lebens war Himmelpfort lange Zeit Tochterkirche 
des Dorfs Ruthenberg, bis cs neuerdings, nachdem der Acker theils 
zur Forst gelegt theils der Pfarre gegen einen Zins übertragen 
theils in Erbpacht übergeben, einen eigenen Pfarrherrn erhielt und 
jetzt einen eigenen Amtsbezirk bildet. 
Im strömenden Regen gelangen wir, aus dem Rückweg zur
	        
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