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Periodical volume 24. Mai 1884, Nr. 35

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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der Dominikaner-Kirche zu einem Angriffspunkt gedient haben. 
Hätte der Markgraf seinen Hochbau nicht an die Spree, sondern 
dicht an die Dominikaner-Kirche verlegt, so würde ein solches Ver 
theidigungsmittel gegen die feste Steinmasse der Kirche nicht nöthig 
gewesen sein. Ihm mußte aber vor allen Dingen daran liegen, 
die lange Brücke mit dem darauf liegenden Rathhause für beide 
Städte zu beherrschen, daher gehörte sein Hochbau mit dem Bar- 
bacan an die Brücke und der Vertheidigungsthurm an die Kirche. 
Allerdings ist durch Hinzufügung des „Hauses der Herzogin" an 
der Wasserseite, der Anblick des ältesten festen Hochbaues verändert 
worden; im Großen und Ganzen aber wird er doch, von 1451 
bis 1533, so ziemlich derselbe gewesen sein, wie jetzt! Einer der 
Vertheidigungsthürme des Hochbaues — der grüne Hut — ist 
auch jetzt noch, allerdings durch der Herzogin Haus halb in die 
Waffen eingebaut, zu erkennen. Der früher vor der Stadtmauer 
im Norden liegende Graben der Cöllner Befestigung wurde nun zu 
einem Graben im Süden der Zingel-Mauer des Schlosses, und 
nur der runde Thurm und der viereckige — vielleicht Berchfried — j 
lagen außerhalb des Zingels. Durch diese Disposition konnte 
das Schloß denjenigen Theil Berlins, deffen Mittelpunkt die Ma 
rienkirche bildet, die Heiligegeist-Straße, das Rathhaus, die Hohe- 
Straße, die Brüder-Straße und das schwarze Kloster von seinen 
Mauern und Thürmen, besonders aber von seinem Hochbau aus 
beschießen, beherrschte den Spreelauf von dem Augenblicke an, wo 
er aus den Häusern heraus in die Niederung trat, hielt sich, wenn 
der Eingang von Cölln aus verhindert wurde, nach der jetzigen 
Lustgarten- und Schloßsreiheit-Seite Zugang und Ausgang offen, 
konnte sich zu Waffer und zu Lande verProviantiren, stand in fried 
licher Zeit in bequemster Verbindung mit beiden Städten und lag 
in kriegerischer Zeit wie ein schwerer Alp zwischen und auf beiden 
Städten. 
Da auch die städtischen Befestigungen zu jener Zeit von sach 
verständigen Baumeistern geleitet wurden, überhaupt das Kriegs 
handwerk und das Kriegsverständniß nicht blos Eigenthum des 
ritterlichen und adeligen Standes war, so werden die Räthe wohl 
bald genug bemerkt haben, daß ihr neuer Landesherr die Sache 
beim rechten Ende angefaßt hatte. War daher der Versuch, sich 
durch Wiederaufrichtung jenes Blockzauns noch während des Baues 
dem Anlegen des Kappzaums zu entziehen, ganz begreiflich, so er- ! 
klärt sich auch die Unterwürfigkeit, welche dem Schluß des Mauer- 
Zingels folgte: Zugbrücke, Graben, Seitenfeuer vom Barbacan 
und von jenem viereckigen Thurme, sowie von dem Waichhause 
über dem Thore, machten den Eriolg eines Angriffs von der Cöllner 
Seite her nahezu unmöglich, eine Sappe der Mauern des Hoch- j 
baues von der östlichen Wafferseite verbot sich von selbst. Ein 
Angriff von der West- und Nordseite konnte im Sumpf keinen festen 
Fuß fassen; so lag denn das neue landesherrliche Schloß ganz im 
Charakter und mit der Wirksamkeit einer modernen Citadelle vor 
der Bürgerschaft Cöllns und Berlins, deren kostspielige Befestigungen 
nun, wenn sic gegen den Landesherrn dienen sollten, jede Bedeu- ! 
tung verloren hatten und nur noch in Verbindung mit der Herr 
schaft der Hohenzollcrn zu denken waren; aus den Fenstern seines 
Hochbaues konnte der Markgraf seinen getreuen Räthen beider 
Städte in die Fenster ihres Rathhauscs sehen, die Abgaben wurden 
sehr viel coulanter als früher durch Schloßdienerschast eingehoben; 
das oberste Gericht saß im Schlöffe, und die Dekrete der Räthe 
hatten sich ihr landesherrliches Placet, erst vis-ä-vis des Rath 
hauses einzuholen. — 
Diese interessanten Mittheilungen zur Geschichte des Berliner 
Schloßbaues stammen noch aus der Feder des verstorbenen Geheimen 
Hofraths Louis Schneider. Wir fügen denselben die älteste vorhandene 
Abbildung vom Jahre 1592 zu, auf der unter anderm rechts 
an dem Rande des Bildes der runde Thurm abgebildet ist, 
den wir für den Rest der ehemaligen älteren Schloßverthei 
digung gegen Cölln halten und welcher nach- Nicolai erst im 
Jahre 1682 abgetragen wurde. Anknüpfend daran wollen wir 
auch bemerken, daß wir die starken Mauerfundamente, welche 
vor einigen Jahren beim Umgraben des Schloßplatzes längs der 
Front des Schloffes aufgefunden wurden, nicht für die alte Ber 
liner Stadtmauer hielten, sondern für den Rest der allen Schloß 
vertheidigung gegen Cölln. 
Die Illustration selbst, welche einer alten illustrirten Zeitung 
vom Jahre 1592 entstammt, zeigt das Schloß, wie es seit 1538, 
seitdem Joachim U. durch Kaspar Theiß den ersten Umbau an 
geordnet hatte, ausschaute. „Ein hölzerner bedeckter Gang, 
auf steinernen Pfeilern ruhend, ging vom Schloß in den Dom, 
der auf dem Schloßplätze stand, und der so ausschaute, wie die beige 
fügten Illustrationen S. 484 und 485 angeben. Die Fundamente 
dieser Kirche wurden vor wenigen Jahren beim Aufgraben 
des Schloßplatzes blosgelegt. Die Gebäulichkeiten des Schloß 
bildes erklären sich von selbst. Ein Blockzaun führt von der 
Westecke des Schlosses (die damals der Breitenstraße gegenüber 
lag, denn die zweite Schloßhälfte wurde erst unter Schlüter gebaut) 
nach der Schloßfreiheit, wo das 1586 errichtete Prinzengebäudc 
(auf der Illustration oben links) ebenfalls umzäunt lag. 
Die Figuren im Vordergründe stellen ein Ringelrennen zu 
Ehren einer Kindtaufe des Kurfürsten von Brandenburg „in der 
Stechbahn" vor dem Schlöffe dar. „Der Kurfürst" — so lautet 
der alte Bericht „lag in einem Schlafspelz und Hirschhäutenmützen 
(das Fest fand im Dezember statt) samt vielen fürstlichen Personen 
oben in einem Erker. Im Verlaufe des Feuerwerks fuhr ein Ra- 
ketlein ihrer Churfürstlichen Gnaden über das Haupt und als man 
die Mörser löste, da erzitterte der Erdboden, viel Fenster im Schloß 
zersprangen und der Schnee fiel von den Dächern herab, also daß 
die Heerbaucker und Drommeter, so im obersten Erker standen, ihr 
Amt vor dem Schnee nicht wohl verrichten konnten." Doch" — 
schließt der Festbcricht — „ist durch Gottes Gnaden Alles ohne 
Schaden und mit sonderlichem Kurtzweil abgegangen." 
Lychen und Kloster Himmelpfort. 
Eine Erinnerung aus den letzten Herbstfcrien. 
(Schluß.) 
Nachdem die Cisterzienscrmönche im Jahre 1299 in Nähe 
der Stadt das Kloster Himmelpforte, eocli porta, gegründet 
hatten, waren sofort Streitigkeiten mit den Bürgern ent 
standen, zumeist wegen der Fischereigerechtsame der letzteren au» 
den dem Kloster zu eigen gehörenden Seen bei der Stadt. 1472 
schlichtete der Kurfürst einen Streit dahin, daß das Kloster in der 
Stadt einen Garnmeister halten solle um die Seen zu befischen. 
Dem Abt stehen die gefangenen Herrenfischc (die großen Bleie, 
Hechte und andere delikate Arten) zu, die anderen Fische sollen in 
der Stadt verkauft werden. Kurze Zeit nachher haben Kloster und 
Stadt wiederum Streit wegen des Grasungs- und Holzungsrechts,^ 
welches der Abt bisher nur der Herzogin von Mecklenburg - Star- 
gard, der die Stadt als Wittwensitz aus Lebenszeit ausgemacht 
war, aus gutem Willen zugestanden hatte und das nun auch die 
Stadt für sich in Anspruch nahm. .Der Schreiber der Herzogin 
bestätigte daher dem Abt 1474, daß die Herzogin jene Rechte nur 
für ihre Person ausgebeten und bewilligt erhalten habe. 1483 
entsandte der Kurprinz-Statthalter eine Kommission, bestehend aus 
dem Probst zu Berlin Erasmus von Brandenburg, Hans von 
Bredow, Hauptmann in der Uckermark und Hennig von Arnim au! 
Gerswalde, um neue Uneinigkeit zu schlichten. Diese entschied, 
welche Seen der Lychcnsche Garnmeister des Abts befischen sollte. 
1504 bestimmt der Kurfürst, daß die Bürger ihr Korn und Mal; 
allein auf. der Klostermühle und nirgend anders mahlen lasten
        
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