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Periodical volume 13. October 1883, Nr. 3

Full text: Der Bär Issue 10.1884

1 Scheune, 1 Holzpack und 5 Buden (S vor dem St. Jür 
genthor), und endlich 
ein Stück Land vor dem Spandower Thor, bei der Trift. 
Für dies Besitzthum wurden an Schoßgeldern jährlich 3 Thlr. 
6'/, Schilling entrichtet. 
Die Häuser, und auch dasjenige unseres Gastwirthes Doringk, 
standen damals nicht in geschlossener Reihe an der Baufluchtlinie, 
sondern waren vielfach von einem freien Raum umgeben, auf dem 
Scheunen, Hausbuden und Schweinekoben etablirt waren, welch' 
letztere bekanntlich erst zur Zeit des großen Kurfürsten vor die 
Thore der Stadt verlegt wurden. Dagegen entstanden schon in: 
16. Jahrhundert, nachdem durch Gesetze und energische Maßregeln 
die Sicherheit in den städtischen Umgebungen wieder hergestellt, die 
ersten Meiereien, Schäfereien und Weinberge, von denen unser 
Gasthos ein so bedeutendes Areal besaß. Die Kultur des Wein- 
„weiße Taube" in der Heiligegeiststraße trat, bestanden zwei rath 
häusliche Garküchen, welche Speise und Trank nicht nur für Fremde, 
sondern auch für Einheimische lieferten. Die eine derselben befand 
sich auf dem Hof des Berlinischen Rathhauses, die köllnische da 
gegen in dem Hause am Mühlendamm, Ecke der Fischerstraße. 
Die Vornehmheit des Gasthofes zum „goldenen Hirsch" wird 
geschichtlich dadurch zuerst dokumentirt, daß kein Geringerer als 
Phillip Hainhofer, einer der bedeutensten Handelsherren seiner 
Zeit und bei Gustav Adolf in hohem Ansehn stehend, daselbst ein 
kehrte. Er kam im Jahre 1617 von seiner Vaterstadt Augsburg 
und begab sich, einer Einladung des Herzogs Philip von Pommern 
folgend, nach Stettin. 
„Am 30. August", so berichtet Hainhofer in seinem Reisetage 
buch, „shn wir gen Drepin (Trebbin), auf den Abend zu Berlin 
oder Cölln an der Spree kommen, und bey Peter Kerschberg 
baues namentlich gelangte in jenen Zeiten, als man den Brannt 
wein noch nicht kannte, zu großer Bedeutung. In allen Urkunden 
und Briefen, die von Abgaben und Zehnten handeln, wird des 
märkischen Weines als eines Hauptproductes erwähnt, dessen Ver 
sendung bis nach Böhmen, Polen und Rußland erfolgte. Die 
Weintraube bildete nicht, wie heutzutage, eine gewöhnliche Obstart: 
ihr Genuß galt vielmehr als eine ungeziemende Verschwendung, 
gegen die selbst Verbote ergingen, Nur Kranken und Schwangeren 
war das Essen derselben, als stärkende Arznei, verstattet. 
Was nun die Berliner Gasthöfe der damaligen Zeit anbetrifft, 
so finden wir neben dem vorerwähnten mit seiner Firma „zum 
guldin Hirschen" in frühester Zeit nur noch die „alte Ruppiner 
Herberge", Nr. 79 in derselben Straße, vor. Letztere Herberge 
wurde von den minder günstig situirten Reisenden srequentirt, wäh 
rend hohe Herrschaften im Rathhause abstiegen und vom Rathe 
Bewirthung erhielten, bis der „goldene Hirsch" schon zu Ende des 
16. Jahrhundtrts in den Ruf eines vornehmen Gasthofes gelangte 
und als solcher längere Zeit sich allein behauptete. 
sieben diesen Gasthäusern, zu denen im 17. Jahrhundert die 
zum „guldin Hirschen", gegen dem Rathaus über, eingekehrt. Von 
Nürnberg bis hierher haben wir immer Kranke angetroffen; auch 
die Wirthin (Frau Kerschberg) eben schwerlich darniederliegt, weil 
die Leute etwas zu unordentlichen leben; daraus es denn heißt: 
Wenn der Mund will esien, was ihm gelüst. 
So muß der Bauch zahlen, was er ihm kust. 
Am 22. August habe ich lim Gasthose) den Frisch mann und 
Martin Schützen bey der Morgensuppe gehabt". 
Bekanntlich vertraten die Biersuppen damals noch den Kaffee, 
dessen Einführung erst unter König Friedrich Wilhelm I. erfolgte. 
Christoph Frischmann, welchen Hainhoier als kurfürstlich branden- 
burgischen Botenmeister bezeichnet, verwaltete seit 1613 das erste 
Berliner Post-Institut in der ehemaligen Dom-Dechanei, Brüder 
straße Nr. 4, bis 1685 das frühere v. Rochow'sche Grundstück, 
Poststraße Nr. 1, zum Posthause eingerichtet wurde. 
Am Vormittage des 22. August verließ Hainhofer den „guldin 
Hirschen," nachdem er Tags zuvor seine beiden, dort ebenfalls unter 
gebrachten Güterwagen vorausgeschickt hatte. 
Drei Jahre später, an einem Sonnabend im Mai 1620,
        
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