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Periodical volume 26. April 1884, Nr. 31

Full text: Der Bär Issue 10.1884

Line Chronik sür's Haus 
in 
Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Postanstalten für 2 Mark 50 Pf. 
X. Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Im Postzeitungs-Latalog eingetragen (14. Nachtrag) unter Nr. 2278. den 26. April 
ftr. 31. Herausgegeben von Emil Dominik. Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin 'W. 1884. 
Leonhard Thurneysser jnm Thurn. 
Roman in drei Büchern von ffislinr SifiroeStC. (Fortsetzung.) 
Nachdruck verbaten. 
Gesetz °. 11. VI. 70. 
IV. 
Der gute Engel scheidet. 
Trotz der inannigfachen Erregungen der letzten Tage 
fand der frühe Morgen den Doktor Thurneysser bereits wieder 
bei seinen wissenschaftlichen 
Beschäftigungen. Jene mehr 
oder minder tief gehenden 
Wallungen des Gemüthes 
waren ja doch zum weit 
aus größeren Theile freu 
diger Natur gewesen; und 
es ist eine alte Wahrheit, 
daß ein Uebermaß froher 
Eindrücke nur selten dem 
Gleichmaße menschlichen 
Befindens schädlich ist! 
Soeben verschwanden 
die letzten Sterne. Es war 
vielleicht die dritte Stunde 
des Tages. Thurneysser 
befand sich bereits völlig 
angekleidet in einem hoch 
gelegenen Gemache des 
grauen Klosters, welches 
er ausschließlich zu astrono 
mischen und astrologischen 
Zwecken bestimmt hatte. 
Dasselbe lag zieinlich frei 
nach Nordosten, man blickte 
von demselben auf das 
damals noch außerhalb 
der Mauern Berlins be 
findliche St- Jürgen-Hospi- Louise Henriette von Granien, erste 
lal und auf die Heerstraße 
nach der Uckermark und Pommern, sowie über die Wiesen 
flächen des Spreegrundes hin. 
Fahl brannten die Flammen der Kerzen. Offenbar wollte 
der Leibarzt ein Horoskop stellen; denn er hatte auf einer 
großen Tafel den augenblicklichen Stand der Gestirne ver 
zeichnet. Jetzt war er damit fertig; er verlöschte die Lichter. 
Von einem Gestelle nahm 
er mehrere, sehr umfang 
reiche Bücher, unter ihnen 
die „Tafeln der zwölf Him 
melshäuser," eine Art ur 
alter astronomischer Atlan 
ten, sowie die „Ephcmcri- 
den", die Angaben über 
den täglichen Standpunkt 
der Gestirne während des 
Jahres. Das Blättchen, 
ans tvelchem er sich Stunde, 
Tag und Jahr der Geburt 
jenes Fräuleins Marina 
von Eroaria notirt hatte 
lag vor ihm, daneben be 
fand sich ein Band in star 
kem Silber; derselbe ent 
hielt Thurneyffers eigene 
Nativität. 
Der Gelehrte rechnete 
und rechnete, — wie es 
Sitte der Zeit war, auf 
einer Schiefertafel, und no- 
tirte dann das Resultat 
niit einem Silberftift auf 
Pergament. 
„Der feurige Mars, 
Gemahlin des Große» Kurfürsten. — der kalte Saturn! — 
Immer und immer wieder! 
— Im siebenten Hause der Ehe den feurigen, heldenmüthigen 
Löwen? — Die Ehe ist ihr also bestimmt! — Ihr Gatte er
        
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