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Periodical volume 19. April 1884, Nr. 30

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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trotzten dem Gebote des Landesherrn und räumten das Schloß 
nicht, und als das Drängen der Berliner ihm lästig wurde, rückte 
Dietrich mit seiner Forderung des Lösegeldes der Straußbergischen 
Gefangenen wieder vor. Herzog Suantibor hatte für seine 1404 
in Siraußberg gefangenen Mannen damals ein hohes Lösegcld 
gezahlt, und Berlin dieses Geld als gemeinsamen Besitz der krieg 
führenden Stände zum Zwecke einstiger Vertheilung aufbewahrt 
und gewissenhaft verwaltet. Nun betonte Dietrich, der doch nur 
Heerführer im Solde der Städte gewesen, seine bereits vordem 
einige Male vorgebrachten Ansprüche auf die gesammte Summe 
(1300 Schock b. Gr.) als sein alleiniges Eigenthum, und da Berlin 
solche Forderung, wie natürlich, zurückwies, brach der schon lange 
verborgen brütende Groll zu hellem Zanke aus. Heftig wurde hin 
und her gestritten; Berlin verlangte die Herausgabe von Köpenick, 
Dietrich die des Geldes. Da, im September 1410, sammelte Die 
trich in der Nähe von Berlin eine starke Reiterschaar; alles glaubte, 
er wolle gen Preußen, dem deutschen Orden zu Hilfe, der noch im 
Kriege mit Polen lag. Plötzlich überfiel er, ohne Fehde angesagt 
zu haben, die Heerden, welche vor den Thoren Berlins unter der 
Obhut argloser Hirten weideten, und ließ sie gen Bötzow treiben. 
Schnell bewaffneten sich die Bürger und setzten ihm nach; es kam 
zum Gefecht, „er aber hat etliche tödtlich verwundet und sechszehn 
Angesehene mit Pferd und Waffen hinweggeführet, darunter ein 
vornehmer Mann mit Namen Nikolaus Wyns gewesen, welchen er 
mit den Füßen in harte eiserne Fesseln jämmerlich und schändlich 
setzen lassen, als den ärgsten Dieb und Räuber, der doch ein ehr 
licher Mann war." So gab der Quitzow seinen Worten einen 
fühlbaren Nachdruck, und so mußte die Stadt, welche doch nur ihr 
gutes Recht vertheidigte, seine Faust merken, Nun war der Friede 
mit einem Male vorüber; für Berlin lag die Sache schlimm ge 
nug, denn allein schien es den Quitzows nicht gewachsen, und die 
andern Städte zeigten nicht Muth genug, ihm beizustehen und 
also die heißblütigen Edelleute zu reizen. Zu einer großar- ! 
tigcn blutigen Entscheidung ist es auch wirklich nicht gekommen; 
der Streit wurde in zahlreichen Briefen und Anschreiben, auch 
einigen Zusammenkünften hart und böse geführt, von Jobst ver 
geblich beizulegen versucht, zum Ueberfluffe auch vor den Statt 
halter Suantibor gebracht, der gar nicht helfen konnte. Berlin ! 
wehrte sich muthig und vergab seiner Würde nichts; Dietrich war 
aufbrausend und drohend, auch falsch und hinterlistig — so ver- j 
suchte er, die Zünfte gegen den Rath zu hetzen; aber seine Worte i 
überzeugten niemanden. Das Recht lag auch wirklich ganz bei 
Berlin, sowohl wegen Köpenick, als auch des Geldes halber. Immer . 
hitziger wurden die Parteien, da starb Jobst (1411, 18. Januar). 
Die Mark ging wieder auf Sigismund über, und die allgemeine 
Situation nahm hiermit eine ganz andere Färbung an. 
Denn Sigismund zeigte sich eifrig bemüht, dem heruntcrge- ! 
kommenen Lande aufzuhelfen; es war vor allem eine Kräftigung 
der landesherrlichen Autorität, und hierzu die Einlösung der ver- 
gebencn Pfandschaften nothwendig. Der neue Kurfürst beschloß 
solche, wenigstens im Prinzip, und ordnete zunächst, schon um dem 
ärgerlichen Streite zwischen Berlin und Dietrich von Quitzow ein 
Ende zu machen, die Einlösung von Köpenick an. Durch diesen 
Befehl sahen sich die Berliner plötzlich um die Frucht eines jahre 
langen Strebens gebracht und fuhren heftig auf; die Quitzows 
jedoch bewiesen sich gerade in Bezug auf Köpenick nachgiebig. Ihr 
"Anrecht auf dieses Schloß muß wohl ein sehr lockeres gewesen sein, 
und außerdem stand mehr für sie auf dem Spiele. Hatte doch 
Sigismund noch 1411 zu Gunsten des neuen Hauptmannes und 
Pfandinhabers der Mark, Burggrafen Friedrich, oder genauer für 
deffen Sohn Johann, über Saarmund und Plaue, Potsdam und 
andere Burgen und Orte verfügt, ohne der zeitigen Inhaber mit 
einem Worte zu gedenken. Die adligen Herren mochten daraus 
erkennen, in welcher" Tonart man mit ihnen zu spielen gedachte. ! 
Finsterer Unmuth empfing deshalb Friedrich, als er im Juni 14121 
in der Mark erschien. Wohl huldigten ihm die Städte, Branden-! 
bürg und Berlin voran, auch die Bischöfe und andere hohe Geist 
liche des Landes; die Altmark und Priegnitz aber verweigerten die 
Huldigung durch den Mund des edlen Herrn zu Putlitz, der von 
Sigismund selbst als ihr Hauptmann bestätigt war, und die Edel 
leute unter Führung der Quitzows blieben trotzig und auf Wider 
stand sinnend ganz fern. „Sie haben sich der Huldigung geweigert 
und verächtlich gesprochen: Es ist ein Tand von Nürnberg." „Ich 
gebe kein Schloß heraus, auch wenn es ein ganzes Jahr hindurch 
Burggrafen von Nürnberg regnete," prahlte Johann von Quitzow. 
Eifrig ließ es sich der gute Abt von Lehnin, Heinrich Stich, ange 
legen sein, zum Frieden und zur Unterwerfung zu mahnen, und sein 
Verdienst war es, daß wenigstens ein Theil des havelländischen 
Adels bald von der Opposition zurücktrat und Friedrich anerkannte. 
Doch drohte diesem nun Gefahr durch einen auswärtigen Feind. 
Herzog Suantibor nämlich sah sich durch den Burggrafen aus seinem 
Amte als Landeshauptmann gedrängt, für die Unkosten desselben 
noch nicht entschädigt und in zahlreichen Pfandschaften ernstlich be 
droht. Die Quitzows reizten zum Kriege, und so zogen denn die 
Pommern unter Führung der jungen Herzöge Otto und Kasimir 
gegen die Mittelmark heran, und ihr Erscheinen wäre das Signal 
zum allgemeinen Aufstande der Ritterschaft gegen Friedrich gewesen. 
Mit seinen ftänkischen Vasallen und dem Aufgebote der Städte warf 
sich ihnen der Burggraf am Kremmer-Damme entgegen und zwang 
sie in erbittertem, mehrtägigen Kampfe (24.-28. Oktober 1412) — 
es fiel Graf Hohenlohe — zum Rückzüge. Solches energische Auftreten 
wandte in dem Lande vieles zu seinen Gunsten; die Leutseligkeit 
seines Wesens hatte ihm schon manches Herz gewonnen, seine offen 
bare Tüchtigkeit verschaffte ihm nun das allgemeine Vertrauen. 
Jetzt huldigten ihm die Städte der Altmark und Priegnitz, aber auch 
viele vom Adel beugten sich, und so bald wuchs sein Anhang, daß 
auch die Putlitz und Quitzows schließlich in Unterhandlungen traten 
und sich unterwarfen. Gegen Entschädigung mußten die Quitzows 
Bötzow, Straußberg und Saarmund, wahrscheinlich auch Sandow 
herausgeben; Beuthen, Rathenow, Friesack und auch Plaue ließ 
ihnen noch Friedrich, Plaue, „sofern sie es dem Burggrafen in 
allen Nöthen, Kriegen und Geschäften offen hielten". Es sollte 
ihnen nur gegen Zahlung von 2700 Schock b. Gr. abgenommen 
werden können. Trebbin, welches drei Brüder Maltitz, Anhänger 
der Quitzows, als Pfandbesitz inne hatten, gewann Friedrich erst 
nach einer Belagerung (1413.) „Die Maltitz haben sich auf die 
Quitzows verlassen", sagt Wusterwitz. Diese aber leisteten dem 
Burggrafen bei dieser Gelegenheit gegen ihre einstigen Verbündeten 
bereits Heeresfolge. 
Nach dem eben Erzählten könnte es scheinen, als ob Friedrich 
nun ganz Herr der Situation, und der Widerstand vollkommen 
gebrochen gewesen wäre. Dem war aber nicht so. Die Geldmittel 
des Burggrafen reichten nicht aus, um die Einlösung aller Pfand 
schaften durchzuführen; im Gegentheil, die eingelösten Burgen 
mußten schnell wieder fortgegeben werden, um Geld für die großen 
Aufgaben der Regierung flüssig zu machen. Freilich überließ Friedrich 
die wichtigsten Orte nur den als treu erkannten Anhängern, aber 
sein Verfahren sah immerhin dem des Markgrafen Jobst so ähn 
lich, daß man leichtlich eine Wiederholung des damaligen Zustandes 
zu sehen meinte. Die feindliche Stimmung der Nachbarfürsten 
zwang den Burggrafen, im Lande selbst möglichst behutsam vor 
zugehen; auf allen Seiten sah er seinen Willen durch ungünstige 
Verhältniffe eingeschränkt, hierdurch sein Ansehen geschmälert. Nur 
so ist es zu erklären, daß er das jetzt wieder frech hervortretende 
zuchtlose Treiben des Adels ein ganzes Jahr hindurch dulden 
konnte; denn an sein 1412 erlassenes Gebot des Landfriedens 
kehrten sich die Quitzows mit ihrem Anhange (unter diesem Putlitz und 
deffen Eidam Wichard von Rochow auf Goltzow, Erbe des früher ge-
        
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