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Periodical volume 12. April 1884, Nr. 29

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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So lagen die Verhältnisse im Lande, günstig genug für ein ' 
Geschlecht wie das der Quitzows, welches Muth und Geschick im 
vollen Maße besaß, sie zu ihrem Vortheile auszubeuten. Zu- 
nächst sehen wir sie im Kamps gegen die Mark. 
Als man das Jahr 1400 unserer Zeitrechnung schrieb, seufzte 
die Mark unter schwerer Last des Krieges. Magdeburgische Edel 
leute bedrängten die Städte Brandenburg hart, und nur mit 
Mühe konnten diese sich ihrer erwehren. Die Grafen von Lindow 
zu Ruppin, ihrer Vasallenpflicht uneingedenk, waren Feinde des 
Landes geworden und verheerten im Bunde mit Kuno von Quitzow 
das Land bis zur Spree. Die Fehde wurde in diesem Jahre nicht 
beendet, Wohl aber glückte es den Quitzows, in den Besitz von 
Plaue zu kommen, einer der wichtigsten Havelburgen. Es ging I 
dies so zu. 
Unter den Hauptleuten, welche nach einander von Jobst zur 
Verwaltung der Mittelmark eingesetzt wurden, war LipPold von 
Bredow einer der ersten gewesen. Die Zeit seines Amtes war 
durch beständigen Zwist mit dem Erzbischof Albrecht von Magde- 
bürg ausgefüllt worden; hauptsächlich drehte es sich bei diesen 
Kämpfen um den Besitz von Plaue. 
Freilich hatte Jobst in einem Friedensschlüsse Plaue dem Erz 
stift zugesprochen; Lippold aber lieferte den Ort nicht aus, so we 
nig galt ihm die Autorität des Luxemburgers. Vielleicht haben 
ihn hierbei patriotische Erwägungen geleitet; es sollte eine so be 
deutende Grenzfeste nicht in den Besitz eines Hauptfeindes der 
Mark übergehen. Gewiß ist, daß er Plaue als Unterpfand für 
die Auslagen inne behielt, zu welchen er im Jnteresie der Mark 
genöthigt gewesen war, und die Jobst nicht zurück zahlte. 1400 
legte Lippold die Hauptmannschaft nieder; kurz vorher, am Weih 
nachtsheiligabend 1399, hatte er selbstständig zu Calbe an der 
Saale mit dem Erzbischof einen Vertrag abgeschlosien, nach wel 
chem er Plaue gegen eine Zahlung von 1200 Schock böhmischer 
Groschen* *) zu übergeben versprach. Dieser Vertrag, welcher nur 
sein persönliches Interesse berücksichtigte, wurde als unpatriotisch 
hart getadelt, ist aber niemals zur Ausführung gekommen. Denn 
Erzbischof Albrecht zahlte weder die am 2. Februar 1400 fällige 
erste Rate von 800 Schock, noch später irgend etwas. „Da hat 
Lippold seine Tochter Agnes," erzählt Wusterwitz, „in diesem Jahr 
dem Johann von Quitzow zur Ehe gegeben und ihm 800 Schock 
böhmischer Groschen zum Brautschatz versprochen, und dafür im 
folgenden Jahr ihm das Schloß Plaue abgetreten und übergeben." 
So wurde Johann von Quitzow Herr in Plaue; ein Krieg mit 
Magdeburg hätte die natürliche Folge solchen Erwerbes sein müsien, 
doch geschah gerade das Gegentheil. Der Erzbischof, obwohl mit 
der Mark in Frieden, verbündete sich mit dm Quitzows, welche sie eben 
bekriegten, aus Schutz und Trutz und verpfändete ihnen noch 1401 
Stadt und Burg Sandow an der Elbe für 1100 Schock Groschen. 
Johann von Quitzow aber ist gleich darauf mit seinen Nachkam, 
Gegner der Quitzows, war Kleriker in Brandenburg, dann Syndikus 
der Stadt Magdeburg. Er starb 1433. Er erzählt, was er selbst erlebte 
(von 1388—1423), doch besitzen wir sein Werk selbst nur noch in Aus 
zügen. Wo er hier citirt wird, geschieht es nach Riedel: Sammlung der 
Urkunden u. s. w. Das Buch von Klöden: „Die Quitzows und ihre Zeit" 
kann leider nicht ohne beständige Kontrolle benutzt werden. Eine zuver 
lässige und treffliche Darstellung der Zeit giebt Julius Heidemann: Die 
Mark Brandenburg unter Jobst von Mährm". Berlin, 81, Weber. 
Heidemann hat auch den Wusterwitz edirt. Hübsch erzählt und für einen 
iveiteren Leserkreis bestimmt ist: Kurfürst Friedrich I., von Ferd. Schmidt, 
II. Auflage. 
*) Ursprünglich hatte ein Schock böhmischer Groschen (60 Stück) den 
Werth von 14 Thalem, nach 1375 nur noch von 10'/, Thaler, und sank 
unter Wenzel noch tiefer im Werthe. Man wird ziemlich richtig rechnen, 
wenn man für unsere Angabe ein Schock b. Gr. — 10 Thaler annimmt. 
den Städten Brandenburg, in Fehde gerathen, wahrscheinlich wegen 
Grenzstreitigkeiten. Im Vereine mit Magdeburgischen Vasallen 
blockirte er die Städte und schnitt ihnen alle Zufuhr ab. Am 
St. Margarethentage 1401 hat er, nach Wusterwitz, denen von 
der Neustadt 300 Schweine weggetrieben. „Die Märker hatten 
erhofft," klagt der Chronist, „Johann von Quitzow sollte in Ab 
wesenheit des Markgrafen Jobst zum Glücke der Mark zu ihnen 
kommen sein, so haben sie es doch viel anders befunden, (nämlich 
also,) daß er dem Vater aus angeborener Natur in allen Sitten 
nicht allein nachgeahmt, sondern noch weit übertroffen." Es muß 
übrigens Kuno von Quitzow in dieser Zeit gestorben sein; Dietrich 
vermählte sich mit Elisabeth, der Tochter des angesehenen Apitz 
Schenk von Sydow in Teupitz. 
1401, im Mai, wurde der Streit mit den Grafen von Lindow 
durch einen Frieden beigelegt; aber schon 1402 mußte die Mark 
abermals die Leiden einer schweren Fehde erdulden. Gleich hungrigen 
Wölfen stürmten die Feinde von allen Seiten heran. Es hatten 
sich nämlich die Herzoge von Pommern, die Grafen von Lindow 
mit den Quitzows und der Erzbischof von Magdeburg zu gemein 
samer Kriegsfahrt vereinigt. Der neue Landeshauptmann der 
Mittelmark, der Bischof von Lebus, Johann von Borschnitz, hatte 
gegen sie einen schlimmen Stand. Die Pommern nahmen Zehdenick 
und im Juli Bötzow. Nach kurzem Waffenstillstände sind sie 
dann „mit Dietrich von Quitzow, auf St. Matthäi Tag (am 21. 
Septbr.), recht am Mittage, vor das Städtlein Straußberg gerückt, 
haben feurige Pfeile hinein geschossen, und es nachmals eingenommen, 
und dem Lande auf dem Barnim, um die Stadt Bernau, großen 
Schaden zugefüget." Straußberg und Bötzow blieben in den Händen 
der Pommern; ein zweimaliger Angriff der Märker auf Straußberg 
wurde von der Besatzung tapfer zurückgeschlagen. Der Bischof von 
Lebus, den Aufgaben seines Amtes wohl nicht gewachsen, trat von 
der Hauptmannschaft zurück; die Grafen von Lindow und die 
Quitzows hatten ihm noch kurz vorher bei Fehrbellin eine empfind 
liche Niederlage bereitet. In solcher höchsten Bedrängniß des 
Landes ließ Jobst sich in der Mark nicht sehen; Helfer in der Noth 
wurden die Herzoge von Mecklenburg-Stargard, Johann und Ul 
rich. Bis 1401 hatten sie mit Jobst wegen der Uckermark in Fehde 
gelegen und sich in dem Frieden gegen ein Jahrgeld zur Vertheidi 
gung der Priegnitz verpflichtet. Jetzt eilten sie herbei, auch der 
Mittelmark Hülfe zu bringen. Johann, ein ritterlicher und tüchtiger 
Herr, trat vor allem den unheilvollen Streifereien der Quitzows 
energisch entgegen; unterstützt von Spandauer Bürgern, besiegte er 
den Dietrich am Thürberge bei Trebbin und nahm ihn gefangen. 
„Er hatte muthig dm Stier bei den Hörnem gepackt," sagt treffend 
Heidemann. 
Für die Quitzows und ihre Anhänger war dieses Ereigniß ein 
böser Schlag; Johann von Mecklenburg hat später für seinen Sieg 
hart büßen müffen. Die Quitzows faßtm den kühnen Plan, Dietrich, 
der wahrscheinlich in Spandau gefangen gehalten wurde, zu be- 
sreim. Johann von Quitzow, obgleich wohl die Seele des Unter 
nehmens, scheint nicht mit im Zuge gewesen zu sein. Magdeburger 
Vasallen, seine Verbündeten, fielen ins Havelland ein und streiften 
bis zum Dorfe Tremmen, halbwegs zwischen Brandenburg und 
Spandau. Hier aber, bei dem Wernitzwalde, griff sie Heinrich 
Manteuffel, der Marschall des Herzogs Johann, mit mecklen 
burgischem und märkischem Kriegsvolke, unter dem viele Bürger der 
Städte Brandenburg waren, tapfer an und schlug sie gründlich 
aufs Haupt. Es war ein herrlicher Sieg; über 60 vornehme Ge 
fangene wurden nach Neustadt-Brandenburg gebracht. Unter ihnen 
befand sich Buffe von Alvensleben, den haben die Brandenburger 
„aus hitzigem, zornigem Gemüthe" erschlagen, ungeachtet er 1000 
Schock böhmischer Groschen geboten, so man seines Lebms schonen wollte. 
Johann von Quitzow kränkte diese neue Niederlage und der 
schmähliche Tod des Waffengefährten tief. Den Herzog Johann
        
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