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Periodical volume 1. April 1884, Nr. 27

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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Unter Friedrich dem Großen gewann, nachdem Knobelsdorf 
in seinem Opernhaus zuerst die reinen Formen griechischer 
Architektur in Berlin einzuführen bemüht gewesen war, der hollän- 
disirende und italienisircnde Geschmack des Königs mit Zuthaten 
französischen Roccocos in seinen zahlreichen Bauten die Oberhand. 
Es war ein Prunken im äußerlichen Ausbau, ein reicher Schmuck 
von Statuen, gekuppelten Säulen mit Ornamenten und üppig 
geschwungenen Linien — überhaupt ein blendender Schein, 
welcher sich als das Schöne geltend zu machen suchte. Und diese 
Kuppeln und mächtigen Kirchthürme, welche — wie auf dem Gens- 
darmenmarlt — nicht über Kirchen, sondern lediglich des schönen 
point de vue wegen sich erhoben, wurden mit allegorischen, aus 
Kupfer getriebenen 
Kolvssalsiguren geschmückt. 
Noch unter Friedrich 
Wilhelm II. behauptete sich 
diese allerdings schwierigere 
Technik der Bildnerei ge 
genüber dem Kunstguß, 
und feierte in der Scha- 
dow'schen Quadriga aus 
dem Brandenburger Thor, 
mit deren Ausführung die 
Meister Jury, Köhler 
und Gebrüder Möhler 
betraut wurden, den 
schönsten Triumph. Auf 
ihrem Stairdpunkt erfor 
derten diese Statuen und 
Gruppen eben eine mindere 
Schwere, als solche die 
Kunstgießerei ihnen zu 
geben vermocht hätte. 
Als die letzten der 
getriebenen Kolossal 
figuren können Wohl die, 
nach F. Tiecks Modellen 
in der damals berühmten, 
jetzt eingegangenen Bronze- 
>abrik von Werner und 
Neffen im Jahre 1817 
ausgeführten, beflügelten 
Engel in den Nischen des 
Domes — Symbole des 
Glaubens und der Religion 
—' gelten. 
Ein gleichzeitiges Werk 
der wieder in Aufnahme 
gekommenen Kunstgieße- 
rei ist das metallene Gitter 
mit den zwölf Apostelfiguren im Innern dieses Gotteshauses. 
Letztere wurden, nach Peter Lischers Originalen in der 
St. Sebalduskirche zu Nürnberg von Tieck neu modellirt. 
Zwei Jahre später schmückte die Spitze des oberen Frontispiz 
unseres, nach dem Brande wiedererbauten, Schauspielhauses die 
Apollo-Gruppe, während seitwärts, und nach der Charlottenstraße 
zu, der Pegasus und die neun Musen ausgestellt wurden. Sämmt 
liche Figuren entstanden, nach den Modellen von Rauch und Tieck, 
in der Werner'schen Bronzegießerei. 
Zwei Jahre später erfolgte die reiche Ausschmückung des nach 
dem Brande wieder erstandenen Schauspielhauses mit Bildwerken 
der edelsten Art. Zunächst erhebt sich auf der Spitze der oberen 
Frontispiz die nach Schinkels Zeichnung in Kupfer getriebene Apollo 
gestalt auf seinem von vier Greifen gezogenen Wagen. Der be 
flügelte Pegasus auf der entgegengesetzten Seite und die Musen 
sind dagegen nach Tieck's Modellen aus der Fisch er'schen 
Bronzegießerei hervorgegangen. Ebenso die beiden Gruppen 
auf den Treppenwangcn. 
Das zweitgrößte Erzeugniß plastischer Kunst nach der Reiter- 
statue des großen Kurfürsten, und gleich dieser in der Gießerei 
beim Zeughause entstanden, war die Blücher-Statue in Rostock, 
welche von den Mecklenburgischen Ständen dem Helden in seiner 
Vaterstadt errichtet wurde. 'Nach G o ethe's Angaben von Schadow 
modellirt, wurde die9 Fuß hohe Bronze-Bildsäule im August 1818 
von Leguine gegossen und von Coue ciselirt. Unter der Leitung Bei 
der bestand eine besondere Schule für Bronze-Gießerei und Ciselirung. 
Gleichzeitig ging aus 
Schadow's Werkstatt das 
Modell zu dem Luther- 
Denkmal in Wittenberg 
hervor, das im Jahre 1819 
ebenfalls von Lequine 
in Erz gegossen und von 
Coue ciselirt wurde. Der 
gothische Baldachin dage 
gen, welcher das Denk 
mal überragt, ist nach 
Schinkels Entwurf in 
der königlichen Eisen 
gießerei entstanden. 
Diese war im Jahre 
1804 durch den Minister 
v. Reden aus der soge 
nannten „Schleifmühle" 
geschaffen, deren schon im 
Jahre 1650 Erwähnung 
geschieht; sie war kurfürst 
liches Eigenthum und diente 
zur Herstellung der Schleif- 
resp. Polirarbeiten in der 
Rüstkammer, den Arsenalen 
und bei der Artillerie. 
Als die Administraturen 
und späteren Eigenthümer 
die Anlage nicht mehr er 
halten konnten, kaufte die 
königliche Bergwerks- und 
Hütten-Administration das 
über 5>/, Morgen um- 
iaffende Etablissement im 
Jahre 1803 für 16 125 
Thlr. nach sich. Im fol 
genden Jahre wurde der 
Betrieb der neuen Eisen 
gießerei mit einer Produktion von 8 Centnern Gußwaaren be 
gonnen, das im Jahre 1805 schon auf 1500, und im Jahre 1806 
aus über 3000 Centner sich erhöhte. Anfänglich war die Gießerei 
nur aui dem Felde der Bijouterien thätig, bis sie es zu einer 
großen Vollkommenheit in monumentalen Darstellungen brachte. 
Das erste dieser Denkmäler ist das in Gransee errichtete, wo 
selbst der Zug mit der Leiche der Königin Luise übernachtete. 
Auch das herrlichste unserer monumentalen Denkmäler, welches 
aus dem Kreuzberg an die großen Thaten der Befreiungskriege 
erinnert, ging bekanntlich aus jener Anstalt hervor. Nach Schinkels 
Entwurf aus dem Metall gegoffen, mit welchem der Feind be 
zwungen worden, erforderte das am 31. März 1821 eingeweihte 
Monument 2297 Zentner 81 Pfund Gußeisen, deffen Werth man 
auf 19 043 Thlr. schätzte. Das Denkmal würde, einschließlich der 
In Gtadenbeck's tlunstgicßrrri. 
Theile der „Reiterstatue König Friedrich Wilhelms IV.", welch- sür die Freitreppe der 
NaUvnalgallerie bestimmt ist.
        
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