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Volume 22. März 1884, Nr. 26

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue10.1884 (Public Domain)

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Geschäftslokal der brandenburgischen Marine und der afrikanischen 
Handelsgesellschaft. Als man seine Güter mit Beschlag belegte, 
wurde auch dieses Haus nebst seinem Gut Friedrichsfelde bei 
Berlin, damals Rosenfelde genannt, confiscirt. Nach Raules Tode 
1702 auf dem Gut Wittenberge wurde das Grundstück von einem 
späteren Besitzer, dem Hofrath Cölsch, zu größeren Baulichkeiten 
verwerthet und kam 1774 an den durch seine gleichnamigen Pulver 
bekannten Arzt Or. Kurella, später an den Kaufmann Andraea, 
unter dessen Besitz die Räume im Erdgeschoß 1» an das König 
liche Postbureau und das Einwohner-Meldeamt vermiethet waren. 
Am 27. März 1847 kaufte darauf der bekannte Industrielle Jo 
hann Adolf Heese „Raule'sHof" und errichtete darin sein großes 
Sammet- und Seidenwaarengeschäst, das erst in neuester Zeit in 
den Prachtbau Leipzigerstraße 87 verlegt worden ist. Der um die 
deutsche Seiden-Jndustrie hoch verdiente Mann starb am 25. Mürz 
1862 auf seiner Filanda zu Steglitz bei Berlin; Nachfolger sind 
seine beiden Söhne Karl Gustav und 
Julius Eduard Heese. So hat 
„Raules Hof" ein stetes Interesse 
behalten seit den Kolonisationsver 
suchen des Großen Kurfürsten in 
Afrika. 
Das Berliner Zeughaus. 
(Fortsetzung.*) 
Mit der Illustration S. 361. 
Schöning hat nach dem von 
dem trefflichen General v. Peuker 
ihm übergebenen Aktenstücke ein Ver 
zeichniß derjenigen Geschütze aufge- 
iührt, welche zur Zeit Friedrich Wil 
helms I. in dem Berliner Zeughause 
vorhanden waren. Jenes Verzeichniß 
thut zur Genüge dar, daß von Kunst 
geschützen der schönsten Art der mei 
sterhaftesten Ausführung eine große 
Anzahl in dem Berliner Zeughause 
zu einer Sammlung vereinigt gewesen 
ist, wie sie glänzender wohl kaum ein 
zweites Arsenal ausweisen konnte. Da wir beabsichtigen, eine Dar 
stellung der in neuester Zeit noch vorhandenen und neu hinzugekom- 
incnen Schätze zu geben, so dürfte dem Waffen- und Kunstfreunde 
eine Wiedergabe dieser Spezifikation nicht unwillkommen sein. Man 
wird allerdings nicht ohne Bedauern die Wahrnehmung machen, daß 
viel — sehr viel abhanden gekommen und wahrscheinlich vernichtet 
worden oder zum großen Theil in fremde Hände gelangt ist. 
„Spezifikation 
aller metallnen Kanonen, Mortiers und Haubitzen, nebst deren Jn- 
icription und Devisen, welche sich in dem großen Arsenal zu Berlin 
befinden. September 1713. 
Ein lOOpfündiges Kanon, genannt „Asia", gegossen zu Berlin, 
wiegt 370 Centner. 
Zwei 64psündige Kanons, vom Markgrafen Hans zu Brandenburg, 
gegoffen in Stuttgardt 1583. Eine von diesen ist 1681 in 
Lübeck wieder umgegoffen, werden genannt: „die scharfen Metzen", 
auf dem Langfelde steht: „Vivit post, sunera virtus!“ 
Zwei 64 pfündige Kanons, vom Herzog Julius von Braunschweig ge 
schenkt ; die eine 1570, die andere 1573 in Stuttgardt gegossen, 
darauf steht: 
Die scharfe Metze bin ich genannt, 
Vom Herzog Julius hierhergesandt. 
*) Siehe die ersten Artikel in Bär Nr. 12 und 19. 
! Zwei 4 8 pfündige Kanons, von George Wilhelm, Kurfürst zu Bran 
denburg, gegossen in Küstrin, eins 1624, das andere 1625, 
ä 88 Centner. 
Vier 40pfündige Kanons, vom Markgrafen Hans, darauf ein 
doppelter Adler; gegossen 1553. Eins von diesen ist 1681 
umgegossen. 
Zwei 40 pfündige Kanons, von Friedrich Wilhelm, gegossen in Berlin 
1652. Eins ca. 76 Centner, das andere 75 Centner 40 Pfund. 
Ein 40piündiges Kanon, von Friedrich Wilhelm, gegoffen 1652; 
wiegt 74-/., Centner. ' 
Ein 24 Pfund. Kanon, Brandenburgisch, gegossen 1562 von 
Joachim 11. 
Zwei 24 pfündige Kanons, Sächsische, von Johann George II., 
Kurfürst zu Sachsen. 
Vier 24 pfündige Kanons, Brandenburgische, gegossen 1660—61. 
Drei 24 pfündige Kanons, Brandcnburgische, gegoffen 1671, ge 
nannt: „Europa", „Asia", 
„Afrika". 
Zwei 24 pfündige Kanons, auf dem 
Bodenstück das kurfürstliche, auf 
dem langen Felde das Magde 
burger Wappen; gegossen 1660, 
ii 44 Ctr. 54 Psd., mit folgen 
der Inskription: 
„Als Friedrich Wilhelm, Dir Dein 
Magdeburg that schwören. 
Da that es auch darauff uns Beide 
Dir verehren; 
Wir waren Beide zwar zum Streite 
nur gemacht. 
Doch hat uns Lieb und Treu in 
dieses Haus gebracht." 
Es solgen nun in dem Verzeich 
nisse eine Anzahl minder hervorra 
gender Erzeugnisse der Gießerkunst, 
ehe wieder interessantere Exemplare 
erscheinen; von diesen sind besonders 
hervorzuheben die — leider nicht 
mehr in unserm Besitze befindlichen 
12 Apostel, von denen nur ein 
Stück noch im Geschützraum des 
Wir kommen an geeigneter Stelle noch 
8ic Ueichsdruckrrei in der (Oranirnstraßr. 
(S. Seite 354.) 
Zeughauses sich vorfindet, 
aus diesen großen Verlust zurück. 
Die Notiz in der Spezifikation lautet: 
„Zwölf 24 pfündige Kanons: die „Kurfürsten" genannt, wiegen 
zusammen 784 Ctr. 24 Psd., welche Ihre Höchstseel. Majestät 
Friedericus haben gießen lassen, und folgen solche in der 
Ordnung vom 1. Kurfürsten zu Brandenburg bis auf den 
12. Kurfürsten und 1. König in Preußen, als: 
Nr 
1. Friedericus I. 
natus 
1373, wiegt 65 Ctr. 85 Psd. 
2. Friedericus II. 
1418, 
„ 
64 
„ 
85 
„ 
3. Albertus 
1414, 
„ 
63 
„ 
(3 
4. Johannes 
1455, 
„ 
66 
„ 
85 
n 
5. Jacobinus 
1484, 
„ 
66 
„ 
61 
ii 
6. Joachimus II. 
1505, 
„ 
65 
„ 
95 
tt 
7. Johann George 
1525, 
n 
64 
„ 
91 
ii 
8. Johann Friedericus 
1572, 
11 
65 
„ 
51 
ii 
9. Johann Sigismundus 1572, 
n 
75 
„ 
72 
ii 
10. George Wilhelm 
1595, 
tt 
67 
„ 
25 
ii 
11. Friedrich Wilhelm 
1620, 
11 
63 
„ 
95 
ti 
12. Friedericus III. 
1657, 
11 
65 
„ 
44 
ii <3 
(Magdeburg.) 
,, (Magdeburg.) 
Ein 24 psündiges Kanon, genannt „der erste König von Preußen," 
gegossen 1708, wiegt 65 Ctr. 44 Psd."
	        
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