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Volume 22. März 1884, Nr. 26

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue10.1884 (Public Domain)

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lich von Dix-Core, und schließlich auch Butrie oder Boutry, öst 
lich von Bussra, in den Besitz der Brandenburger. In demselben 
Jahre wurde ferner von den unterworfenen Eingeborenen ein unter 
ihnen angesehener Man», namens Janckc, nach Berlin gesandt, 
um im Flamen der verschiedenen Völkerschaften die Unterwerfungs- 
urkunde dem Schutzherrn zu überreichen. Sie bestätigten darin 
alte früher eingegangenen Verträge. Mit großer Pracht aufge 
nommen und mit Geschenken überhäuft, um seinen Landsleuten 
einen Begriff von der Größe und Macht ihres neuen Herrn beizu 
bringen, kehrte der Gesandte nach Afrika zurück. 
Um diese Zeit geschah cs, daß der Große Kurfürst von den 
Ostsriesen gegen ihre eigene Regierung um Schutz angegangen 
wurde, demzufolge Ostfriesland mit brandcnburgischen Truppen 
besetzt ward. Jni Jahre 1684 schlossen die Ostfriesen außerdem 
mit Friedrich Wilhelm einen Handelsvertrag, nach welchem 
cs jenen gestattet war, unter brandcnburgischcr Flagge Schiff 
fahrt und Handel zu treiben. Da nun die Stadt Emden einen 
vorzüglichen Hafen besaß, so schlug Raule vor, den Sitz der Afri 
kanischen Handelsgesellschaft dorthin zu verlegen, was denn auch 
geschah. Alsbald traten die Stadt Emden und die oststiesischen 
Stände der Kompagnie mit einem Beitrage von 28 000 Thalern bei, 
auch der Kurfürst von Köln betheiligte sich mit 24 000 Thalern 
an de» Unternehmungen der Gesellschaft und seit dieser Zeit wurde 
der ganze Handel derselben nur von Emden aus betrieben; zum 
Präsidenten wurde von Seiten des Kurfürsten der kurbrandenbur- 
gische Hofrath und Resident im westfälischen Kreise, Johann von 
Dankelmann ernannt, und zum Beisitzer der ostfriesische Freiherr von 
Knhphauscn, der in die Gesellschaft mit einem nicht unbeträchtlichen 
Beitrage und als brandenburgischer Rath in kurfürstlichen Dienst 
getreten war. Den meisten Gewinn versprachen sich die Mitglieder 
der Kompagnie vom Sklavenhandel und cs wurden deshalb Verhand 
lungen mit Frankreich und Dänemark betreffs eines Sklavenmarktes 
angeknüpft, die schließlich dahin führten, daß Dänemark durch Ver 
trag vom November 1685 gestattete, auf der zur Gruppe der 
kleinen Antillen gehörigen Insel St. Thomas einen solchen zu 
unterhalten. Doch entsprach der Gewinn nicht den Erwartungen; 
die Festungsanlagen hatte» große Summen verschlungen, die Ver 
waltung und Instandhaltung verursachte beträchtliche Kosten, und 
als insolgedcffen neue Einlagen von den Theilnehmern verlangt 
wurden, traten viele, namentlich von den Ostfriescn, zurück, so daß 
der Bestand der Kompagnie gefährdet war. Da übernahm Fried 
rich Wilhelm, durch die Vorstellungen Raule's bewogen, im Jahre 
1686 das Unternehmen für eigene Rechnung, versprach die Theil- 
nehmer innerhalb vier Jahren ohne Zinsen abfinden zu wollen, 
und setzte Raule als Generaldirektor an die Spitze des Ganzen. 
Die Geschäfte bcffcrten sich nun, namentlich dadurch, daß es ge 
lang, noch einen Platz an der afrikanischen Küste, in dem König 
reich Arguin zwischen den Kanarischen Inseln und dem Senegal, 
zu gewinnen. Bereits im Jahre 1685 hatte der Schiffshauptmann 
Reers mit dem Könige dieses Landes, Heddh, einen vorläu 
figen Vertrag abgeschloffcn und dieser wurde nun 1687 erneut. 
König Heddh begab sich in den Schutz des Kurfürsten und über 
ließ ihm eine 1520 von den Portugiesen erbaute, später aber von 
ihnen wieder verlassene und 1672 durch die Franzosen zerstörte 
Befestigung, welche mit 30 Kanonen besetzt ward. Die Handels 
geschäfte gingen gut und beträchtliche Ucbcrfchüsfe wurden erzielt. 
Auf diese Weise hielt Raule beständig den Blick seines Fürsten 
auf das Meer und den überseeischen Handel gerichtet, und war 
selbst in dieser Richtung unermüdlich thätig. Je ernstere und 
gründlichere Maßregeln aber von Seiten Brandenburgs ergriffen 
tvurdcn, den afrikanischen Handel in die Höhe zu bringen, um so 
eifersüchtiger wurde darüber die holländische Kompagnie, die dadurch 
für ihren Handel nach Afrika Schaden und Nachtheil befürchtete. 
Obwohl die Gcneralstaaten bereits 1685 di« Rechtmäßigkcit der 
brandcnburgischen Niederlassungen in Afrika anerkannt hatten, 
wagte es die holländische Kompagnie, vielleicht unter heimlichen 
Mitwissen der Regierung, zu Anfang des Jahres 1688 die bran- 
denburgischen Festen auf der Küste von Guinea mit bewaffneter 
Macht angreifen zu laffen. Der holländische Oberbefehlshaber von 
Mina überrumpelte die Schanzen bei Accoda und Tacrama, nahm 
die Besatzungen gefangen und bemächtigte sich der Waarenlager. 
Der Hafen von Groß-Friedrichsburg aber tvurdc eingeschlossen ge 
halten, das brandeichurgische Schiff „Berlin" ausgebracht. Auf 
die energischen Vorstellungen und Beschwerden, die der Kurfürst 
wegen dieser Gewaltthaten im Haag erhob, wußte inan die Ge 
nugthuung so lange zu verzögern, bis Friedrich Wilhelm starb 
(29. April 1688). Mit ihm verloren die brandcnburgischen Be 
sitzungen in Aftika ihren Schöpfer und Beschützer, mit dessen Tode 
ihr Untergang begann. Friedrich Wilhelm's Nachfolger, Fried 
rich III., hatte nicht den Sinn für seines Vaters großgcplantes 
Werk überkommen, und wenn er cs auch seiner Würde nicht an- 
gcmeffcn hielt, die von dem Vater über See aufgesteckten brandcn 
burgischen Flaggen sogleich nach dessen Tode einzuziehen, so ver 
anlaßte ihn doch nur äußere Ehrbegierde, die Besitzungen zu er 
halten. Gegen Raule aber brach gleich nach dem Antritt der Re 
gierung des Kurfürsten Friedrich 111. ein Sturm los und die 
mannigfachsten Anklagen wurden gegen ihn erhoben. Er wurde 
verhaftet und nach Spandau abgeführt und erst im Jahre 1702 
endete die Untersuchung gegen den nunmehr siebzigjährigen Mann 
damit, daß man ihn von jeder Schuld freisprach. Man be 
rief ihn nun noch einmal an die Spitze des Unternehmens, aber 
auch er vermochte dem Ruin nicht mehr Einhalt zu thun, und als 
er 1707 starb, erblich mit ihm der letzte Stern, der dem preußi 
schen Seehandel und den preußischen Kolonien geleuchtet hat. 
Noch blieben sie ihrem bisherigen Besitzer, als aber auch Fried 
rich I. gestorben und der sparsame Friedrich Wilhelm I. zur Re 
gierung gelangt war, da hörten die brandenburgisch-preußischen 
Versuche, am damaligen Welthandel Theil zu nehmen, gänzlich auf. 
Der König bot seine Niederlassungen in Guinea für 150000 Thlr. an 
deren Mächten zum Kauf an, doch fand sich Niemand, der den gefor 
derten Preis zahlen wollte, und so überließ er die Besitzungen 
denn am 13. August 1720 für einen Kaufpreis von 7200 Du 
katen und zwölf Mohren*) an die holländisch-westindische Kom 
pagnie in Amsterdam. In Aftika erlosch jedoch das Andenken der 
brandcnburgischen Herrschaft nicht so bald, und der Negerfürst Jean 
Cunnh, der unter preußischem Schutz stand und an die Abtretung 
nicht glauben wollte, vertheidigte die Festen noch bis 1725, wo 
er endlich weichen mußte. Die Holländer nannten das Fort 
Brandenburg nun Hollandia, gaben den Besitz aber auch bald auf, 
so daß es längst zerfallen ist. Die von den Brandenburgern er 
zogenen Neger jener Gegend sollen aber nach den Berichten spä 
terer (englischer) Reisenden noch nach jener Zeit durch eine be 
wunderungswürdige Betriebsamkeit und großen Fleiß sich ausge 
zeichnet haben. 
Aus diese Weise endete das viel versprechende Unternehmen, 
der erste und einzige Versuch, staatlicherseits deutsche 
Kolonien zu erwerben und zu unterhalten. Das Andenken 
an den ersten Urheber und die Seele dieser Unternehmung, Benja 
min Raule, lebt in Berlin aber noch heute fort in dem Namen 
„Raule's Hof," wie noch jetzt der Gebäudecomplex in der Alten 
Leipzigerstraße 1 und 1» genannt wird. Im Jahre 1661 war 
hier ein kurfürstliches Ballhaus erbaut worden, welches Friedrich 
Wilhelm der Große dem Raule nach deffen Eintritt in seine Dienste 
1679 schenkte. Raule ließ dasselbe ausbauen und machte es znn> 
*) Nach ihnen soll die Mohrenstraße ihren Namen führen, indem sie 
in einem Hause dieser Straße einquartiert waren, um von hier aus dm 
einzelnen Regimentern als Janitscharentrager überwiesen zu werden.
	        
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