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Periodical volume 15. März 1884, Nr. 25

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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Antrag beim Kultusministerium eingereicht worden. Auf das Gesuch ist 
jetzt dem Vernehmen nach eine abschlägige Antwort des Kultusministers I 
erfolgt, worin erklärt wird, daß der Plan an Allerhöchster Stelle keine 
Genehmigung gefunden habe. Da jetzt der Akademie für einen Neubau 
nur noch das Bauterrain in der Nähe des Polytechnikums zu Charlotten 
burg verbleibt und gegen die Verlegung nach Charlottenburg die größte 
Abneigung herrscht, so richten sich die Blicke der Betheiligten, wie verlautet, 
bereits auf das dem Abgeordnetenhause zum Neubau eines Geschäftshauses 
angebotene Terrain zwischen Sommer- und Dorotheenstraße, falls das Ab 
geordnetenhaus von diesem Bauplatze absieht. Andernfalls gehen die Wünsche 
dahin, die Akademie in ihrem bisherigen Domizil zu belassen. 
3m Verein für die Geschichte Merlins wurde der Vorstand neu- 
gewählt. Stadtrath Friede! wurde zum ersten, Schulvorsteher Bud- 
g ies zum zweiten und der städtische Archivar Dr. Clauswitz zum dritten 
Vorsitzenden erküret. Zum Hauptschriftwart wurde Ferdinand Meyer, 
zum Schriftführer vr. jur. Böringuier wiedergewählt, ebenso Bankier 
Ritter zum Schatzmeister und Geheimsekretair Brose zum, Archivar. 
Neugewählt wurde Herr Amtsgerichtssekretair Guiard zum Bibliothekar. 
Zu Ehrenmitgliedern des Vereins wurde Herr von Forckenbeck, Herr 
von Madai und der frühere Oberpostdirektor von Berlin, Herr Geh. 
Reg. Rth. Sachße ausersehen. 
K. Ilinhart, Novellen. (Berlin 1884.) Verlag der Vossischen Buch 
handlung (Strikter.) Unsere Leser erinnern sich noch der prächtigen Er 
zählung „Was wird sie thun?" welche wir vor zwei Jahren im „Bär" 
publizirten. Die Novelle war einem Ereigniß nacherzählt, das sich in 
einer unserer Ostseehandelsstädte thatsächlich begeben hatte, und hat durch 
die glänzende Darstellung, den frischen Ton, wie durch die rasch sich ent 
wickelnde, lebendige Handlung ganz allgemein gefallen, wie uns dies zahl 
reiche Zuschriften aus unseremLeserkreise bewiesen haben. Von demselben 
Verfasser liegt nun ein eben erschienener Band Novellen vor, der u. A. 
„Auf der Eisenbahn", „die zweite Novelle", „Pallas Athene" enthält. 
Unsere Leser werden es uns Dank wissen, wenn wir sie auf diese vor 
trefflichen Erzählungen aufmerksam machen. — 
Aagbvikder aus der Marli. (S. Seite 345.) Der Wald ist kahl, 
die Wiesen sind gelb gefärbt und noch fehlt ihnen alle Lebensspur. Da 
hebt sich ein zartes Spitzchen des jungen Grünes und wieder eins hervor, 
und sanfter Schimmer breitet sich über die Wiesengründe. Dann steht 
der Kiebitz am Moor der Haiden, dann ruft aus hoher heiterer Lust der 
wilden Gänse rauh Geschnatter, die keilförmig und langgedehnt in 
Wechselordnung ziehen. Im Forste aber streicht die schwere Schnepfe, und 
„pischt" und „murkst" im dicksten Strauch, bis ihr Duft, vom Winde ge 
tragen, dem treuen Hunde zugeht, der sie festmacht. Und mit rasselndem 
Geflatter erhebt sich das leckere Wild, bis das böse Schrot ihr Schicksal 
besiegelt. — 
Georg Milchmann. Am 25. Februar starb Hierselbst der Professor 
vr. Georg Büchmann, früher Oberlehrer an der Friedrich - Werder'schen 
Gewerbeschule, der Autor des bekannten Werkes „Geflügelte Worte", das 
seinem Namen eine weittragende Berühmtheit verschafft hat und das durch 
zahlreiche Auflagen in vielen Tausenden von Exemplaren überall ver 
breitet ist. Ursprünglich hatte dies Buch eine sehr bescheidene Aus 
dehnung ; es war der Abdruck eines öffentlichen Vortrages, den vr. Büch 
mann damals gehalten hatte. Der außerordentliche Erfolg, den das 
Büchlein fand, gab dem Autor desselben Veranlassung zu Ergänzungen und 
Erweiterungen, denen es seine gegenwärtige Ausdehnung verdankt. Pro 
fessor Büchmann war seit längerer Zeit erkrankt, und schon seit Jahr 
und Tag machte sich eine Abnahme seiner Geisteskräfte bemerkbar, die 
seinen nun erfolgten Tod als eine Erlösung von schweren Leiden be 
trachten läßt. B. B. C. 
Aas niederländische Malais ist in seinem nach- den Linden belege- 
nen Theile im Umbau und der Renovirung vollständig fertiggestellt. Die 
Parterreräume, welche, wie seiner Zeit gemeldet ist, zur Wohnung für die 
großherzoglich badischen Herrschaften bei ihrer Anwesenheit in Berlin be 
stimmt sind, sind auf das prächtigste ausgestattet und möblirt und sollen 
nach einer Mittheilung des „D. Tgl." zum Geburtstage des Kaisers zum 
ersten Male benutzt werden. Die übrigen Räumlichkeiten dieses Gebäudes, 
welche den in der Behrenstreße 41. wohnenden Palastdamen Gräfinnen 
v. Hacke und v. Oriola Unterkunft gewähren sollen, dürften wahrscheinlich 
Anfangs April bezogen werden. Das Haus in der Behrenstraße Nr. 41 
wird alsdann, wie bereits früher gemeldet, für die Zwecke der könig 
lichen Bibliothek einem Umbau unterworfen und im Herbst von dieser 
bezogen werden. 
Hisiinport. Der Import von Eis nach Berlin scheint infolge der 
wieder eingetretenen milden Witterung größere Dimensionen anzunehmen. 
So sind — schreibt die SS. Z. -— trotz der hohen Preise größere Abschlüsse 
für norwegisches Eis gemacht worden. Gegenwärtig ‘ist nach Stettin 
unterwegs ein Segelschiff init 9000 Ctrn., ein anderes wird Anfang März 
mit 7000, und ein drittes Mitte März mit 16 000 Ctr. er 
wartet, während ani 8. — 10. März ein Dampfer ca. 14 00» 
Ctr. überbringen soll. Per Juni und Juli wird bei sofortigen 
Abschlüssen bis zu 1,40 Mark pro Centner franco Stettiner Hafen gefor 
dert. Die Eisblöcke haben eine Stärke von 12 bis 16 Zoll. Abschlüsse 
vermittelt ebenso wie für Eistransporte aus dem Erzgebirge die hiesige 
Firma F. Kamberger. Gneisenaustraße 98. Gebirgseis wurde zn 
182—185 Mk. pro 200 Ctr. franco Berlin offerirt. Was die Eisversor 
gung der Berliner Brauereien anlangt, so haben — wie der B. B. C. 
schreibt — die wenigen kalten Tage des Februar hingereicht, um aus den 
überschwemmten Wiesen und flachen Teichen Eis von ca. 3 Zoll Stärke 
hervorzubringen und die Brauereien zögerten nicht, sich dieses unerwar 
teten Geschenkes zu versichern. In welchem Umfange dies geschah, kann 
man danach beurtheilen, daß Tivoli allein am Dienstag den 19. zwischen 
24—25 000 Centner Eis eingefahren hat. Tiefere Teiche und fließendes 
Wasser war bedeutend weniger geftoren, so daß beispielsweise die Nord 
deutschen Eiswerke in Rummelsburg von dem Frost nur geringen stützen 
zogen. Die Brauereien fuhren jetzt zum zweiten Male, zuerst geschah es 
im Dezember, und wenn auch noch keineswegs der ganze Bedarf gedeckt 
ist, sind sie doch gegen das Schlimmste geschützt. Tivoli, welches in sei 
nem Berliner Etablissement allein ca. 200 000 Etr. Eis jährlich verbraucht, 
hatte vor einem Jahre sehr starken Vorrath gefahren und einen Theil da 
von bis jetzt erhalten. Es fuhr in diesem Winter mit aller Kraft und 
dürfte 150 000 Ctr., vielleicht sogar etwas' darüber eingebracht und so 
fast seinen ganzen Bedarf gedeckt haben. Königstadt ist gut bis zrim 
Mai versorgt, alsdann muß contractlich die Eismaschine, an welcher fleißig 
gearbeitet wird, fertig sein und sie wird das weitere besorgen. Die 
Bockbrauerei ist ebenfalls bis zum Sommer durch Vorräthe gedeckt; sie 
hat einen bereits vor Jahren geschlossenen Vertrag mit den Norddeutschen 
Eiswerken, wonach diese die Versorgung im schlimmsten Vierteljahr zu 
einem civilen Preise übernehmen. In ähnlicher Lage befinden sich die 
meisten Brauereien und wenige werden Norwegisches Eis, welches mit 
cira 80 Pfennige pro Centner zu bekommen ist, in größeren Quantitäten 
benöthigen. Auf alle Fälle läßt sich für die Norddeutschen Eiswerke ein 
guter Absatz voraussagen, dem leider der geringe Vorrath sehr bindernd 
im Wege steht. Es mögen etwa 300 000 Centner im Köpeniker Reserve 
schuppen liegen; was in Rummelsburg eingefahren wurde, ist bei dem 
beständigen Bedürfe bereits ziemlich verkauft. 1883 wurden insgesanrmt 
680 000 Centner abgesetzt, 1884 ist auf bedeutend mehr zu rechnen und 
will die Gesellschaft dies, theils durch Aufstellung einer Eismaschine, die 
1200 Centner täglich leisten kann, theils durch Zukauf von Eis beschaffen. 
Der Gesammtbedarf Berlins kann ungefähr auf 4 Millionen Centner 
p. a. angenommen werden, verringert sich jedoch bei hohen Preisen. Selbst die 
Brauereien vermögen sich in ihrem Bedarfs dadurch einzuschränken, daß 
sie in den heißen Tagen das Brauen gänzlich einstellen; nur müssen sie 
dafür zur jetzigen Zeit etwas stärkeren Biervorrath schaffen. Unter diesen 
Umständen wird knappes oder theures Eis voraussichtlich keinen beson 
ders nachtheiligen Einfluß auf die diesjährigen Dividenden ausüben. 
Inhalt. 
Leonhard Thurneysser zum Thurn, Roman in drei Büchern von 
Oskar Schwebe! (Fortsetzung); Ein Gang durch die Reichsdruckerei, 
von E. D. (mit der Illustration: Das Drucken der Hundertmarkscheine); 
Der Staatskanzler Fürst Hardenberg, eine historische Skizze von Friedrich 
Weither (mit Portrait); Die Kolonisationsversuche des großen Kur 
fürsten in Afrika, von Hans Sundelin; Aufruf zur Gründung einer 
Berliner Philharmonischen Gesellschaft; Akademische Kunstausstellung-. 
Die Einnahmen der Großen Berliner Pferdeeisenbahn-Gesellschaft; 
H. Rinhart, Novellen; Jagdbilder aus der Mark (mit Illustrationen); 
Georg Büchmann; Eisimport. Inserate. 
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