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Periodical volume 6. October 1883, Nr. 2

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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vor den Kopf, der ihn betäubte, seine Kugel hatte den Gegner 
gefehlt. Als er wieder zur Besinnung kam, sah er sich in 
einem Bauerhause, aber nicht sein Kopf war Verbunden, sondern 
er hatte eine tiefe Wunde in der Brust. Man erzählte ihm, 
daß man ihn im Walde gefunden und für todt gehalten, daß 
der Arzt aus der nächsten Stadt ihm eine Kugel aus der Brust 
gezogen, daß er Viele Wochen in heftigem Fieber gelegen. Die 
Verletzung am Kopfe, deren sich der Kranke erinnerte, war da, 
aber war geheilt. Der Arzt sagte ihm, daß die Kugel, die 
ihn am Kopfe getroffen, durch einen seltsamen Glückszufall von 
täubten Gegner einen zweiten Schuß gefeuert hat, so war er 
in seinem Recht, das Duell war auf Tod und Leben verab 
redet. Aber wer beweist es, daß er den zweiten Schuß ge 
than? Man darf ihm also auch nicht den Vorwurf machen, 
daß er seinen Vortheil beim Duell unedel und grausam aus 
gebeutet, er könnte es schon als eine Beleidigung ansehen, 
wenn man ihin dergleichen zutraut. 
Es entstand eine Pause, als Edgar geredet- Wenn aber 
das, was er Georg erzählt, das Blut des jungen Mannes 
empörte und ihn mit Grauen vor Rittling erfüllte, so mußte 
Stil der Ärrtmrr „Grheimerattzs - Kneipe". Originalzeichnung von E. Höppner. 
(S. Seite 31.) 
dem Schädelknochen abgeprallt sei. Man hatte den Verwun 
deten nicht beraubt gefunden, wer ihn aber berauben gewollt, 
hätte nicht nöthig gehabt, ihm eine Kugel in die Brust zu 
schießen, da er vollständig betäubt und wehrlos gewesen, die 
zweite Kugel verdankte der Veiwundcte also wahrscheinlich 
Jemand, der daran zweifelte, ob die erste Kugel ihm den Tod 
gegeben. 
Entsetzlich! rief Georg — und Sie fordern den Mörder 
nicht vor Gericht?! 
Von wem reden Sie? lächelte Edgar trübe. Haben 
Sie es errathen, daß ich jener Student war, so nannte ich 
nicht meinen Gegner, das verbieten die Gesetze der Ehre. 
Das arme betrogene Mädchen stürzte sich ins Waffer, also 
hat sie sich selbst getödtet, der Mann, der sie betrogen, ist 
nicht ihr Mörder und wenn er beim Duell auf einen be- 
sich Georg doch andererseits sagen, daß Edgar Recht habe, 
wenn er darauf Gewicht lege, daß man Rittling nicht an 
klagen könne, daß es Gefühlssache sei, ob man ihn der In 
famie fähig halte oder nicht. 
Ich kenne zwar meine Hausgenoffen sehr wenig, begann 
Edgar plötzlich, aber Sie werden es jetzt erklärlich finden, 
daß Ihre Mittheilung mich lebhaft beschäftigt. Meine Wirths- 
leute halten auf ein solides Publikum, das ruhig lebt und 
des Abends früh zu Hause ist, ich wüßte aber auch nicht, daß 
sich ein schönes Mädchen im Hause befindet, deffen Reize den 
Gensdarm anlocken könnten. Er mußte zufällig Verwandle 
hier entdeckt haben und wenn das der Fall ist, ziehe ich lieber 
aus, als daß ich mich der Unannehmlichkeit aussetze, ihm öfter 
zu begegnen. 
Edgar zog die Klingel und beauftragte den eintretenden
        
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