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Volume 26. Januar 1884, Nr. 18

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue10.1884 (Public Domain)

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Misrcllen. 
Aus dem ersten Jahrgang des Werkiner Lntelkigenzbkatls*) 1727. 
Wir geben im Nachstehenden für die Kenntniß der Zeit interessante In 
serate ohne jeden Kommentar. Nur wo es sich um Neubenennung einer 
Straße, eines Hauses handeln sollte, werden wir einige Notizen hinzufügen. 
Wir drucken diese Auszüge ganz in der ursprünglichen Schreibweise des 
Blattes ab. 
Ein holländischer Capitain von Capo di bnona Speranza hat zum 
Verkauf 6 zusammen genährte Decken von Tieger- und Castorfellen, deren 
sich die Printzen in der Caffrerie bedienen, welche in einer Campagne vor 
6 Pferde oder Maulthiere bey der Equipage gebrauchet werden können. 
Jngleichen auserlesene Spanische Röhre von Fürstl. und andere vornehme 
Personen, auch von den besten Cafi'e-Bohnen, Orientalischen Ambre-gris, 
seine Thee Bon und aufrichtigen Canaster-Toback. 
Die Drudensche ehedessen Kachlerische in der Friedrichs - Stadt und 
der Bärenstraße (Behrenstraße) belegene Baustelle sambt dem dabei befind 
lichen kleinen Seiten-Gebäude und Garten, so mit vielen Weinlauben ver 
sehen, welches alles auf 606 Rthlr. taxirt, soll den 11. Februar 1727 in 
der Berlinischen Gerichtsstube, Vormittags um 11 Uhr verkauffet werden. 
Eine sehr propre fast noch gantz neue Kutsche a deux fonds mit 
rothem Scharlach und breiten goldenen Tressen ausgeschlagen, mit 7 
Spiegel-Gläsern, schöner Mahlerey und Bildhauer-Zierrath, alles stark 
vergoldet, und nach der neuesten Fa?on. 
Bei den Kauffleuten Buyrette & Gotzkowsky (der Letztere war der 
ältere Bruder des patriotischen Kaufmanns) in hiesiger Königsstraßen, sind 
zu bekommen allerhand goldene und silberne Galanterien, in speciele Ta- 
battieres von Jaspis und ein von weiß Carniol mit Gold garnirt, Nesseltuch, 
Cattun, Kanaster englisch Tabak, Cleracß-Tbee und Thee-Bon, fein Tuch, 
Ungarische Weine, Spanische Rohre und seidene Mützen, wie auch ein 
gantz neues Bette mit Vorhängen von blauen Zeuge, mit gelb seidenen 
Schnüren wohl besetzet; ingleichen auch allerhand laquirte Arbeit als 
Spinde, Tische, Theebretter, allerlei englische Wolle, Gingan und Baum- 
Baste, seidene Manns- und Frauenstrümpfe, wie auch seidene Degen-Ge- 
hänke und allerley Comtailles. 
Bei der Wittwe Godofroy in der Brüderstraße neben dem Kammer 
gericht in dem le Conti'schen Hause ist zu bekommen: Feiner Zucker der 
Centn« 25 Thlr. 12 gr., Raffinade 23 Thlr. 12 gr., Melis 21 Thlr. 
12 gr., schlecht Melis 19 Thlr. 12 gr., Zimmet 1 Thlr. 12 gr., dito fein 
1 Thlr. 16 gr., Nelcken 2 Thlr. 3 gr., Muskaten-Nüsse 2 Thlr. 3 gr., 
Portugisische Choeolade mit Vanille 1 Thlr. 2 gr. das Pfund, ohne 
Vanille und Zucker 14 gr. das Pfund, von den besten Caffe — Bohnen 
a Pfund 20 gr. 3 Pf., Englisch Saltz mit kleinen krystallenen Fläschchen 
12 gr., Englisch Band zu Schuhe ä Stück 13 gr., aufrichtiger Spanischer 
Schnupf-Taback a 1 Thlr. 4 gr., Frantzbrandtwein ä Quart 8 gr., 
Sect, Picardan, Rhein- und Mosel« Wein, unter dem ordinären Preis, 
allerley Krahm-Waaren, auch sonst alles vor billigen Preis, wovon man 
in obbemeldtem Laden Nachricht haben kann. 
Peter Meyen in der Dorotheenstadt in der Wallstrassen belegenes 
Eckhaus, bestehend aus 2 Stockwerk, 15 Stuben, 14 Kammern, 3 Kellern 
und Hosfraum ist auf 2021 Rthlr. taxiret worden, und soll den 11. Fe 
bruar 1727 »«kauft w«den. 
Sachen zu verspiehlen: Bey Jean 8aunie in der Brüderstraße 
im Winterstädtschen Hause, soll nächster Tage verspiehlet werden Ein wohl 
beritten Pferd nebst Sattel, Pistohlen und dazu gehörigen Zeug, ingleichen 
eine starck silberne gravirte Tabattiere, in und auswendig vergoldet mit 
einem feinen Portrait. Die Liebhaber fetzen nur 2 Fl. ein, und wird das 
Pferd und die Tabattiere besonders verspiehlet, daß w« im ersten ver- 
li«t, im andern gewinnen kann; der Gewinner vom Pf«de giebt zum 
Schmauß 6 Rthlr., der von der Tabattiere 3 Rthlr. und der Verspiel« 
6 Rthlr. Das Pf«d ist 45 Rthlr. und die Tabattiere 15 Rthlr. taxiret. 
Erstlich ein groß Hamburger weiß Zeug-Spünde von Zuckertonnen- 
Holtz, nebst einem großen porzellanenen Aussatz, 2) ein schön« Schreib 
tisch mit vielen Schub-Laden und Schlössern, 3) allerley schöne Gewehr, 
nemlich Flinten und Büchsen, worunt« auch eine Windbüchse und 4) ein 
Instrument-Flügel von dem berühmten Instrnrnent-Mach« Mietseben, ist 
schön lacquirt und beim König!. Addreßkomptoir zu erfragen. 
Eraneisens Nicolaus von Vielle, Medailliste, Graveur, oder sonst der 
berühmte Stecher genandt, machet dem Publico hindurch bekandt, daß er 
in allen Metallen auf eine cnrieuse Art zu stechen, graviren, und zu ci- 
seliren weiß, als so leicht nicht gesehen worden, in dem die Figuren von 
ihm so lebhaft und natürlich vorgestellet und experirnentirt w«den, als 
*) Anm. Wie ich bereits in meiner Berliner Zeitungsgeschichie schrieb, führten die ersten 
Jahrgänge einen anberen Titel. Das Berliner Jnlelligenzblatt hieß „Wöchentliche Ber 
linische Frag- und Anzeigungs-Nachrichten, von allerhand inn- und außerhalb der 
Stadt zu lausen K.“ Und es unterschied sich ferner dadurch von dem jetzigen Blatt, daß es 
für die ganze Monarchie und aus allen Landestheilen derselben Anzeige» brachte. Dieses 
heute noch bestehend« zweitälteste Berliner Blatt bietet für die Kenntniß der Zeit eine uner- 
schöpsitche Fundgrube. 
mm« d« beste Mahler nicht andeuten kann; ist auf hiesiger Stech-Bahn 
zu erfragen. 
Wann jemand eines Cammer- oder allenfalls ordinairen Laquayen 
benöthigt, welcher nebst der Schneiderey auch der Französischen Sprache 
kundig und seiner guten Dienste halber beglaubte Atlesta von seiner 
letzten He«schast aufweisen kan, der wird von seinem Aufenthalte beim 
König!. Addreß-Comptoir berichtet werden. 
1 Angekommene Fremde: Thierg. Brück: He« Hoff- und Oberge 
richtsrath Hermes aus Stendal, logirt bei Michael in der Span- 
dauischen Straße. Herr Amtshauptmann von Jagow, kommt von 
Stendal, logirt bei Kochs in der Königsstraße. 
Prenzlauer Thor: He« Kapitain Hellendorff außer Dienst, kommt 
von Blanckenburg, logirt bei Wallmachers in der Probstgasse. 
Bartholdi Garten: Herr Kapitain von Holtzendorf, vom Gers- 
dorfschen Regiment, kommt von Köpenick, logirt bei Bodenburgs in 
der Jüdenstraße. 
Ricksdorfer Damm: He« Amtmann Müll« aus Waltersdorf, log. 
bei Römers in der Fischerstrahe. H«r von Stutterheim kommt von 
Neuendorf, logirt bei Kraulens auf dem Hundemarkt (bei derPetrikirche). 
Oranienburger Thor: Herr Rittmeister von Seidelitz kommt aus 
dem Holfteinschen, logirt bei Nieolay am Wasser. 
Steinbrücke: Zwei Kammerjunk« vom Zerbstischen Hofe, Herr von 
Schlägel und Herr von Kahlitz, logiren bei Nieolay am Wasser. 
Schaafbrücke: H«r von Elsnitz, kommt von Potsdam, logirt bei 
Boneffens auf dem Werder. Ein Sekretarius von des Printz von 
Dorenburg durchlaucht Nahmens Herr Schaumburg, log. im weissen 
Schwan in der Jüdenstraße. Der Rektor aus Brandenburg Herr 
Pistorius, log. bei dem He«n Doktor Fischer auf dem Werder. 
(Fortsetzung solgt.) 
Allgemeines historisches I'orträtmerk. Eine Sammlung von 600 
Porträts der berühmtesten Personen aller Völker und Stände seit 1300. 
Mit biographischen Daten. Unter Leitung von Dr. Woldemar von 
Seid litz, Direktorialassistent am Kupferstichkabinet der königlichen Museen 
zu Berlin. München, Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft. *) Von 
diesem hervorragenden Prachtwerke sind fünf Lieferungen erschienen, welche 
die nachstehenden Porträts brachten: Papst Julius II., Gustav Adolf II. 
von Schweden, Maria Stuart, Ludwig XIV., Maria Theresia, Königin 
von Ungarn, Heinrich VIII. von England, Heinrich IV. von Frankreich, 
Karl I. von England, Friedrich der Große, Joseph II., Karl V., Anna von 
Oeste«eich, Mutter Ludwigs XIV., Leopold von Anhalt-Dessau, Ludwig XV. 
von Frankreich, Georg III. von England, Ferdinand I., deutscher Kaiser, 
Maria von Medici, Jakob II. von England, Karl XIl. von Schweden, 
Papst Clemens XIV., Johann Friedrich I. Kurfürst von Sachsen, Karl II. 
König von England, August III. König von Polen, Friedrich Wilhelm II. 
1 von Preußen, Ludwig I. König von Bayern. Die Porträts sind in 
Phototypien nach den besten gleichzeitigen Originalen hergestellt und er 
setzen voll und ganz — was die Materie anlangt — die kostbaren Porträt 
schätze, welche deutsche und außerdeutsche Kupferstichkabinets als ein werth 
volles Erbtheil früher« Jahrhund«te bewahren. 
Zum 400 jährigen Bestehen der Jerusalemer Airckr wird der 
Voss. Ztg. mitgetheilt: In einer Urkunde d. d Frankfurt a. Oder, den 
! 18. Oktober 1484, verhießen d« Bischof Arnold von Brandenburg und vi« 
j andere Bischöfe allen Denjenigen, welche bei dem damaligen allgemeinen Ver 
fall der Kirche die von dem Grafen „Jtelfritz" von Zollern — Eitelfritz, ein 
Vetter des Kurfürsten und dessen Geh. Rath, verweilte damals in Köln 
a. d. Spree — vor dem Thore dieser Stadt erbaute Kapelle fördern 
würden, einen 40tägigen Ablaß. Des Weiteren enthielt die Urkunde, daß 
jene Kapelle zu Ehren des allmächtigen Gottes und der heil. Jungfrau 
Maria, des heil. Kreuzes, St. Fabians und Sebastians gestiftet sei, denen 
sie im Frieden und in der Einigkeit des Glaubens möge «halten bleiben. 
Schon Probst Reinbeck an St. Petri vermuthete in dieser Kapelle die 
spätere Jerusalems-Kirche, und seine Vermuthung dürste eine zutreffende 
sein. Zwar bezeichnet Küster als den Stifter der „Hi«usalems"-Kapelle 
einen Berliner Patrizier Namens Müll«. Dieser hätte Anno 1454 (in 
; welchem eine Feuersbrunst zum zweiten Male einen großen Theil der 
Stadt einäsch«te) eine Wallfahrt nach dem gelobten Lande unternommen 
und nach seiner glücklichen Rückkehr mit Beihülfe der obengenannten fünf 
Bischöfe zu Ehren d« erwähnten Heiligen die Kapelle errichtet. Er hätte 
dieselbe f«ner mit den Holzstatuen der Schutzpattone und mit einer Nach- 
j bildung des Grabes Christi ausschmücken lassen. Die Kapelle soll auch 
von dem damaligen Gerttaudtenthore (an der gleichnamigen Brücke) in 
derselben Entfernung gelegen haben, als eine solche aus der „via dolo 
rosa" oder Schmerzensstätte in Jerusalem vom Richthause des Pilatus 
bis nach Golgatha angenommen wird. Nach Toblers Messungen bettägt 
diese Entfernung 850 Schritte und wäre sonach bei unser« Kapelle auch 
innegehalten worden. In beiden Aufzeichnungen ist das Stiftungsjahr 
daffelbe, ebenso stimmen dieselben bezüglich der Schutzheiligen und Bi 
schöfe üb«ein, divergiren also nur in Betreff des Sttft«s. Da jedoch 
über den Orientbesuch Müllers, resp. dessen Stiftung keine weit«en No 
tizen vorliegen, so muß d« unkundlichen des Zollerngrafen Eitelstitz das 
Vo«echt eingeräumt wttden. Ausgeschlossen bleibt darum nicht, daß die 
*) In Lieferungen zu 2 Mark. Jede Lieferung enthält 5 Porträts. Das ganze Werk 
; wird in 12 Serien ä io Lieferungen erscheinen. Jede Serie wird einzeln abgegeben.
	        
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