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Volume 19. Januar 1884, Nr. 17

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue10.1884 (Public Domain)

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Wruge und sollen besichtigt werden durch den Schulzen und drei 
Nachbarn. 
Es soll auch keiner die Wache hüten, er könne denn drei 
Scheffel Roggen tragen, es soll auch keiner die Stund hüten, er 
könne denn zwei Scheffel Roggen tragen. 
Wenn die Burg-Glocke geläut wird, soll Jedermann sich stendes 
Fußes aufmachen und sich zur Stelle finden bei einer Wruge, die 
unweigerlich soll gegeben werden und sollen keine Kinder dahin 
schicken bei Strafe einer halben Tonne Bier. Es soll keiner durch 
feine Kinder lassen Feuer holen, sondern sie sollen durch sich selbst 
beschaffen und Jedermann gut aufsehen haben aus sein eigen Feuer 
und auf die Heerdtösen bei Strafe einer Buß. 
Es soll auch ein Jeder seinen Mittelzaun halten und machen 
bei Strafe einer halben Tonne Bier, die in vierzehn Tagen nach 
Ansetzung eines Tages sollen gemacht werden. 
Es sollen auch, so zwei oder vier zusammen decken, dem Bäcker 
man ein Brot geben und einen Kuchen sämmtlich. Es soll auch 
ein Jedermann decken, da er hingehört und von Alters gebacken hat 
bei der Herrn Strafe den Freien unschädlich. 
Es soll auch ein Jeder sein Haus in werden und wesentlich 
gebäu halten und bringen zwischen hier und Ostern, oder räumen 
des Dorfs. Die Wruge noch schuldig sein, sollen sie geben zwischen 
Ostern. Es soll auch die Fahrt wiederum aufgegraben werden und 
soll ausgekabelt werden nach Ruthenzahl. 
Es soll auch Niemands sein Korn und Heu auf die Dornsen 
Bohne oder im Hause niederlegen oder lassen dem Feuer zu nahe 
und soll der Schulze alle Jahr mit zweien Nachbarn umgehen und 
solches besichtigen und sie darum strafen, welcher muthwillig be 
funden wird. 
Es soll auch keiner von den Bauern oder Kossäthen einen 
Steig oder Weg hinten aushaben oder einen bei der Wruge, son 
dern sein Gehege aufs Höchste halten. 
Die Jungen oder Alten, so die Flechte auf die Dämme oder 
Weiden behauen, sollen zur Strafe 3 Schillinge geben. 
Es sollen auch die Bauern einen Wächter miethen, demselben 
soll man nach Verlang zwei Knechte zugeben, die helfen hüten aufs 
Fleißigste. 
So aber Schade darunter kähme oder sich zutrüge, daß ein 
Pferd oder zween gewürget oder gebissen würde, so es durch den 
Mithelfer oder Wächter beschreien würde oder angezeiget, sollen sie 
nichts davon geben, so es aber nicht beschrieen oder angezeiget 
würde, sollen sie den halben Schaden tragen als Wächter und 
Mithelfer. So die Mithelfer nicht mithelfen würden, sollen sie 
drei Schillinge geben und soll bis am Galli gehüt werden. 
Die Knechte sollen auf Ostern 2 Tonnen Bier, am Pfingsten 
4 Tonnen Bier, auf unsers Herrn Himmelfahrtstage 1 Tonne, 
am Fastelabend 5 Tonnen Bier. So der Wirth mehr Bier holen 
oder zunehmen würden, soll der Herrschaft 1 Mispel Hafer geben. 
Klage des Pfarrers anno 1860. 
(Original in der Registratur des Tominiums Bredow.) 
1. Daß die Nachbahren begehret er sollte liebsten ihnen die 
Oänse umgehends hüten wenn es an ihn käme und weil er solches 
wcht hat wollen thun, haben sie dieselben nicht allein außen ge 
legt, sondern auch ihren Kindern verboten, mitzuhüten, da doch die 
Pintationsordnung anders besagt. 
2. Daß die Nachbahrn wider die Eursürstliche Kriegsversassung 
bem Psarrherrn und Küster Soldaten einquartieren und viel un 
bescheidener sein als die Soldaten, welche die Quartier nicht haben 
wollen annehmen und zum Psarrherrn gesagt, sie wüßten Wohl, 
ban die Psarrherrn befreit wären, wenn ers nicht wolle thun, so 
wußten sie anderswo ihr Quartier haben. 
3. Daß die Nachbarn bei allen Kirchgehn sich immer thäten 
Zanken und schlagen. j 
4. Daß die Nachbarn an den Schränken des Kirchhofs sollten 
Hecken machen, damit das Biehe nicht auf den Kirchhofe könnte 
kommen und sollte ein Jeder sein Biehe wol in Acht nehmen. 
5. Daß die 'Nachbarn dem Psarrherrn, Küster und Hirten un 
reine Korne thäten geben, auch sie es nicht von ihnen könnten mächtig 
werden, wenn sie es verdient hätten, sondern weiseten sie mit höh 
nischen Worten ab, sie sollten das ihrige erstlich ausdröschen, hätten 
sie doch noch nicht aufgeladen. 
6. So seiend die 'Nachbarn Verächter des Wortes und wenn 
sie sollen zur Kirchen gehen, machen sie sich eine Reise anders wo 
hin, endwedcr fahren sie zur Mühlen oder nehmen andere Rei 
sen für. 
7. Wenn sie nach geendigter Predigt aus der Kirchen gehen, 
sollen sie nicht vor der Kirchenthüer bestehen bleiben und sich allda 
zanken und schreien, sondern vor dem Kirchhof da die Bauerbänke 
gewesen, sich bereden und die Sache mit guten Bedacht anordnen 
und sich nicht zanken, sondern wie der Schulze befiehlt, so soll es 
gehalten werden. Wer dawider thut, soll gestraft werden. 
Abschied. 
1. Weil der Psarrherr sich beklaget, daß die Gemeine im 
Dorfe sehr schläfrig sei zum Gehöre des Wortes Gottes und sie des 
Sonntags gemeiniglichen ihre Geschäfte pflegen zu verrichten und 
vorzunehmen, daß sie Korn zu Markte oder zur Mühlen fahren, 
welches nicht will gebühren, der sonsten ohne erhebliche Ursache aus 
der Kirche bleibet und es dem Schulzen nicht anzeigen wird, der 
soll allemal 3 Groschen geben davon die Hälfte in der Nachbar 
schaft und die andere Hälfte der Kirche verfallen sein. 
2. Soll Keiner vor gehaltener Predigt im Sommer Korn oder 
ander Getreide einführen oder sein Korn abbringen, er sei Knecht 
oder Hausmann bei Strafe 3 Groschen der Kirche. Nach gehaltener 
Predigt, Wenns die Noth erfordert, sei es erlaubt, doch, daß er sich 
mit den Seinigen christlich und gottseelig verhalte. 
3. Wer da nothwendige Geschäfte zu verrichten hat und nicht 
zur Predigt kann kommen, der soll solches dem Schulzen anmelden. 
Ist die Ursach wichtig, soll ihm solches erlaubt werden, wenn sie 
aber nicht wichtig ist und er ohne Erlaubniß des Schulzen aus der 
Kirchen bleibet, der soll geben 1'/- Groschen der Kirchen und 
1 '/i Groschen der 'Nachbarschaft, welches der Küster soll verzeichnen 
und der Schulze in seinen Stock schneiden und allerzeit wenn die 
Gottesrechnung wird gehalten, von den Vorstehern eingefordert 
werden. 
4. Sollen sich die Unterthann gegen Ihre Obrigkeit gehor- 
samlich und willig mit Ihren Diensten, Pächten und Zehenden 
zu geben, wie üblich und gebräuchlichen gewesen, erzeigen und 
leisten, damit die Obrigkeit nicht die Strafe darf gebrauchen, sondern 
sie Hinwider liebe. 
5. Wenn sie beim Bier sein oder sonsten zusammen kommen, 
sollen sie sich alles Fluchen, Lästern, Zanken und schlagen enthalten, 
und wo einer etwas mit dem andern Nachbar zu thun hat, soll 
ers dem Schulzen klagen und berichten, kann der sie nicht vertragen, 
sollen sie sich zum Gerichts-Junker verfügen, der die Sache wird 
gebührlicher maßen Verabscheiden, damit keinem Theil Zwank 
oder zuviel geschehe, wer zuwider wird handeln, soll dem Junker 
12 Schffl. Haber zur Strafe geben. 
6. Wenn auch die Weiber sich werden mit einander zanken 
und den Namen Gottes mit Fluchen und Lästern mißbrauchen 
oder sich schlagen, sollen sie allemahl achtzehn Ellen zweierbreit 
grob Leinewandt zu Säcken geben. 
7. Weil Hausleute sich bei Ihnen sich begeben und Biehe 
haben, so sollen sie von jeder Kuh 12 gr., von jedem Schwein 
6 gr. und von jedem Pferd 1 Thaler Weidegeld geben, daffelbe 
durch den Küster lassen aufzeichnen und davor die Gebäude als 
Küsterei, Hirtenhaus, Schmiede und Psarrgebäude im baulichen
	        
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