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Periodical volume 5. Januar 1884, Nr. 15

Full text: Der Bär Issue 10.1884

Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitung-speditionen und postanstaltcn für 2 Mark 58 Pf. 
X, Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. — Im Postzeitungs-Latalog eingetragen (14. Nachtrag) unter Nr. 2278. den §. Januar 
Nr. IS. Herausgegeben von Emil Dominik. Verlag von Gebrüder Pactel in Berlin W. 1884. 
Der Günstling des Prinzen. 
Historischer Roman von G. 1>. u. Dfrfmrofsi. (Fortsetzung.) 
Nachdruck verboten. 
Gesetz v. 11. VI. 7v. 
Nachdem wir im vorigen einen Ueberblick der großen Er 
eignisse gegeben, suchen wir die Personen unserer Erzählung 
wieder auf. 
Wir verließen Georg, als er mehrfach verwundet und 
zu Tode erschöpft, von den Soldaten, 
die er zum Kampfe geführt, in Sicher 
heit gebracht wurde. Es glückte den 
selben, ein abgelegenes Dorf zu er 
reichen, welches die vormarschirendcn 
französischen Colonnen nicht berührten, 
ein menschenfreundlicher patriotischer 
Pfarrer nahm den verwundeten Offi 
zier bei sich auf, ließ ihm die beste 
Pflege angedeihen, so daß Georg, 
dessen Wunden nur leichte waren, 
schon nach Verlanf von einigen 
Wochen daran denken konnte, sich 
wieder zur Armee zu begeben. Er 
legte zu diesem Behuf bürgerliche 
Kleidung an, er mußte den Weg mit 
größter Vorsicht wählen, um nicht in 
die Hände französischer Streifparteien 
zu fallen und als ein Deserteur aus 
der Kriegsgefangenschaft betrachtet zu 
werden. Aber welches Ziel sollte er 
wählen? Wo er hin kam, hörte er 
von neuen Erfolgen der Franzosen, 
bald war dieser Platz, bald jener ge 
fallen, man wußte kaum, wo sich 
die preußische Armee befand. An 
eine Rückkehr zu seinem Regiment 
war nicht zu denken, das war mit 
dem Hohenlohc'schen Corps nach 
Prenzlau verschlagen und hatte vielleicht schon capitulirt. 
büstrin war in Händen der Franzosen, er mußte jenseit der 
sider preußische Truppen suchen und so gelangte er denn nach 
wochenlangen Kreuz- und Querfahrten zum Corps des General 
v. Lestocq, das in der Nähe von Königsberg sich formirte. 
I Er meldete sich bei dem General und wurde mit Wohlwollen 
ausgenommen, erhielt auch sofort die gewünschte Anstellung 
bei einem Regiment. Abgesehen da 
von, daß er Ordonnanzoffizier beim 
Prinzen Louis Ferdinand gewesen, 
sprach es für ihn, daß er, kaum von 
seinen Wunden genesen, sich wieder 
zum Dienste gemeldet und dies in 
einer Zeit, wo man die mllthvollen 
Männer zählen konnte. 
In der Ordre des Prinzen, die 
ihn zum Ordonnanzoffizier coinman- 
dirt, war er Georg Albert, Vicomte 
d'Alibert genannt, als solcher wurde 
er in die Register des Regiments ein 
getragen, so nannten ihn seine neuen 
Kameraden, in deren Kreisen er sich 
bald wohl und heimisch fühlte. Da 
ward er eines Tages plötzlich 
seinem Commandeur beschiedcn. Man 
sagt inir, begann der Oberst, Sie 
hätten sich einen falschen Namen bei 
gelegt, es wird die Echtheit der Pa 
piere bezweifelt, die Sie mir ein 
gereicht! 
Ist es wahr, fuhr der Oberst 
fort, als Georgs heftiges Erröthen 
bei diesen Worten ihm verdächtig er 
schien, daß Sie ftühcr als Offizier 
im Regiment Hohenlohe nur den 
bürgerlichen Namen Georg Albert ge 
führt, daß Sic wegen Verdachts des Landesvcrraths in Unter 
suchung gewesen? 
Es ist Beides wahr, versetzte Georg, der Prinz Louis
        
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