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Volume 15. December 1883, Nr. 12

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue10.1884 (Public Domain)

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der Schlacht am Bovnefluß auszeichnete und ihm das Patent eines ! 
Engeneer of (he Tower ertheilt wurde. Später wohnte Bodt mit ! 
der englischen Artillerie den Schlachten in Flandern bei und das 
Parlament sicherte ihm in Anerkennung seiner Verdienste jährlich 
100 Guineen auf Lebenszeit zu. Bei seiner Rückkehr nach London ! 
entwars er dann, auf Verlangen des Parlaments, den Bauplan 
zu dem schönen Schlosse von Whitehall. Im Jahre 1696 
vermählte er sich mit Miß Femmerley, einer natürlichen Tochter 
des Königs, doch wurde diese Ehe zwei Jahre später wieder gelöst. 
Kurfürst Friedrich III. hatte jenen Bauplan von Whitehall gesehen, 
er berief Johann de Bodt 1698 mit Genehmigung des Königs 
von England als Hofbaumeister in seine Dienste, ernannte ihn zum 
Kammerjunker, übergab ihm eine Kompagnie der Garde, die In 
spektion der Civil- und Militärgebäude und die Aufsicht über die 
Schlösier zu Potsdam, Kaput, Glinikc, Bornheim und Fahrland. 
Sein erstes Werk war die Vollendung des Zeughauses. 
Zunächst gab er dem Gebäude die quadrate Gestalt und änderte 
die Fapadc, indem er den Bogen des Hauptportals in die Linie 
des Obergeschosses einschneidcn ließ. Es ersetzte ferner die Attika 
durch eine Ballustrade mit darüber emporragenden Trophäen und 
erreichte damit einen ungleich wirkungsvolleren Abschluß. 
In den meisten Punkten bezeichnen die Abweichungen von 
Nerings Projekt eine Vereinfachung und Beschränkung dem ersten 
Plan gegenüber, jedoch nicht zum "Nachtheil des Ganzen, denn sie 
haben zu einer schärferen Ausprägung des Charakters geführt. Die 
vorwiegende Brcitenausdehnung bei einer Höhe von nur zwei Ge 
schossen — sagt Woldtmann — läßt das mächtige Viereck noch fester 
und gedrungener im Boden wurzeln. Die schweren Rundbogenfenstex 
des unteren, die stämmigen, strengeren dorischen Pilaster des oberen 
Stockwerks steigern den Ausdruck kriegerischen Ernstes und ge- 
schlostener Kraft. Vor allem aber hat der Umgestaltungsprozeß 
ein strengeres und gesetzmäßigeres Anschließen der Bildwerke an 
das Architektonische herbeigeführt und in diesem Punkte war ohne > 
Zweifel Schlüters Theilnahme von Wirkung. 
Reichthum ohne Ueberladung, Fülle der Pracht neben ge- I 
wichtiger Strenge, Mannigfaltigkeit ohne Willkür, Gcdankenkühn- , 
heit ohne Gespreiztheit bei der Anwendung der Allegorien zeichnen ! 
die plastische Dekoration des Zeughauses aus. Die vier allegorischen 
Fraucngestaitc» neben dem Hauptportal und das Brustbild des 
fürstlichen Erbauers über demselben wurde von dem Franzosen 
Hulot modcllirt, das letztere von Jacobi in Erz gegossen, die 
übrigen Bildwerke sind von Sandstein. Schlüters eigene Arbeit 
ist das Relief, welches im oberen Stockwerk die Mitte der Stirn 
seite dekorirt: Der ruhende Mars umgeben von Gefangenen und j 
Trophäen. Ueber den Fenstern Helm neben Helm, auf dem Dach- ! 
grländcr Trophäen an Trophäen in reicher Mannigfaltigkeit. Das 
Allee- wird aber übcrtroffen durch die Meisterwerke, mit welcher 
Schlüter im Hofe die Schlußsteine der unteren Fenster dekorirte: die z 
Schilde mit Köpfen sterbender Krieger. 
Es entsprach dem Geiste des preußischen Staates, daß die ! 
erste große Schöpfung monumentaler Architektur in seiner Hauptstadt 
eigentlich ein Nutzbau war und zwar ein solcher, der kriegerischer 
Rüstung diente. Die heute noch bestehende Form des Zeughauses 
stammt also im ersten Entwurf von Rering, in dem verbesserten 
Entwurf von de Bodt und in der Ausführung verschiedener künstle 
rischer Details von Schlüter. 
Bevor wir die weitere Baugeschichtc des Hauses erzählen, noch 
ein paar Worte über die späteren Schicksale seines Erbauers.*) sieben 
dem Zeughausbau vollendete Bodt 1701 den Schloßbau zu Pots- 
dam, dessen »ach dem Markt zu gelegenes Portal mit der Kuppel sein 
*) Es wäre uns lieb, wenn wir aus unserem Leserkreise ein Portrait 
dieses berühmten Baumeisters sowie dasjenige von Bodts nachgewiesen 
erhielten. 
eigentliches Werk ist. Im Jahre 1706 zum Chef der Artillerie ernannt, 
sandte*) ihn König Friedrich I. nach Wesel, um die dortigen 
Festungswerke in Stand zu setzen und machte ihn zum Comman 
danten der Citadelle. Um das Jahr 1707 mit dem großartigen 
Projekte zur Erweiterung der Festungswerke von Berlin beschäftigt, 
wurden im nächstfolgenden Jahre die Linien zur Fortification vor 
dem Spandauer Thore abgesteckt. Indessen kam das Unternehmen 
nicht zu Stande. Ebenso erging es ihm mit dem Entwürfe zu 
einem neuen Dom. 
Er sollte, wie der Monarch wörtlich anbefohlen, „seine ganze Ge 
schicklichkeit aufbieten, um den Plan zu dieser Kirche zu entwerfen, die 
ganz der Ehrfurcht angeniesten sei, welche er für das höchste Wesen 
hege. Maßen er sich schon längst den König Salomo zum Vor 
bilde eines solchen Tempelbaues genommen und seit mehreren 
Jahren 400 000 Dukaten dazu gesammelt habe". Die Riste waren 
bereits fertig, als durch des Königs Tod die Ausführung des 
Plans vereitelt wurde. 
Um diese Zeit vermählte von Bodt sich mit einem Fräulein 
von Perrode, welche gleichfalls mit ihrer Familie aus Paris 
geflüchtet war. Diese Ehe war eine langjährige und glückliche. Im 
Jahre 1715 zum Generalmajor und 1719 zum Commandanten der 
Stadt und Festung Wesel ernannt, nahm er am 14. September 1728 
— 58 Jahre alt — seinen Abschied, weil der aus holländischen 
in preußische Dienste getretene Oberst Wallrabe bei den An 
lagen zur Befestigung Magdeburgs mehr Gehör fand als Bodt. 
Er trat nun in kursächsischc Dienste, wurde Gcnerallieutenant 
und Chef des sächsisch-polnischen Jngenieurkorps, sowie Intendant 
sämmtlicher Dresdener Civil- und Militärgebäude. Dort erbaute 
er namentlich die Kasernen, die Ballustrade» der Elbbrücke 
und das Portal des japanischen Palais. Die Lindenallee 
in der Neustadt mit den Fontaine« neben der Statue Augusts des 
Starken sind ebenfalls sein Werk. 1741 zum General der Infanterie 
ernannt, starb der hochverdiente Mann am 4. Januar 1745. 
Er hinterließ drei Töchter. In Berlin, das möchten wir noch 
nachholen, baute er auch das Palais des Prinzen Friedrich Karl 
am Zietenplatz, das ehemalige „Johanniterpalais," das später von 
Schinkel seinen Umbau in die heutige Gestalt erfuhr. — 
(Fortsetzung folgt.) 
Miscellen. 
„Sobak! HovaK!" — eine alte Berliner Redensart — ruft man 
Sonntagsreitern nach. Woher stammt dieselbe? Ein Freund unseres 
Blattes, Herr Ingenieur G., schreibt uns, daß dieselbe aus einer Zeit 
stamme, wo in Berlin noch keine Tabakläden existirten und der „Tobak" 
von reitenden Händlern, die denselben in Rollen um den Leib ge 
wickelt hatten, verkauft wurde. 
Uns null diese Erklärung nicht recht glaubhaft erscheinen, wenn es ja 
auch vielleicht möglich ist, daß Tabak pflanzende Bauern aus Schwedt, 
Bierrad«n :c. ihr Landcsprodukt in dieser Weise verkauft habe». Vor 
hundert Jahren wenigstens — im Jahre 1787 — gabs in Berlin bereits 
Handlungen, welche den Tabak verkauften. Es waren dies „Tabaksmanu- 
fakturire", die ähnlich wie die östr. Tabakstraflken ihre Waare von 
der König!. Generalt'abaksadministratio» zum Verkauf erhielten. 
In jeder Provinz bestand ein Tabaksdirektorium, lvozu auch jedesmal ein 
„Tabaksrichter" gehörte. Besonders angestellte Tabaks-Inspektoren 
mußten auf Tabakskontraventionen vigiliren. Vielleicht rief man 
diesen berittenen Vigilanten zuerst das „Tobak! Tobak!" 
nach? — 
Nach Anderen soll der „Tobaksreitcr" von einem Tabaksetiguctte 
(von Nathusius in Magdeburgs herstammen, das eine» in Karriere rei 
tenden, auf einem Posthorn blasende» Postillon darstellte. — 
Es wäre jedenfalls nicht nur für die verehrten Sonntagsreiter, son 
dern auch für die übrigeu Berliner interestant, hierüber etwas Zuver 
lässiges zu hören. 
Wer weiß also Genaues? 
Vom Veilinachtsbücherlilch. Zu den anmuthigstcn Gaben des 
diesjährigen Weihnachtstisches gehören zwei Jngcndschristen, welche 
Julius Loh m eher bei Karl Flcmming in Gloga» erscheinen ließ 
*) Wir folgen der Biographie des Baumeisters von Ferd. Meyer.
	        
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