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Periodical volume 15. December 1883, Nr. 12

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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und Nacht, als ob ich eine Druckerei in meinem Hause hätte und 
nach meinem Belieben sie befriedigen könnte re. Schließen Sie 
daher mit dem Buchhändler den Akkord re. Ihre Klugheit und 
Wolf stehen mir für den günstigen Erfolg Ihres Unternehmens." 
Suhm verschaffte diese Summe durch ein Anlehen beim Herzog 
Biron von Kurland. 
„Vierzehn Tage später und ich war verloren" — schrieb 
Friedrich, als das Geld gekommen war. 
Als Friedrich den Thron bestieg, berief er Suhm sofort in 
seine Dienste. Aber aus der Reise von Petersburg starb Suhm 
am 8. November 1740 in Warschau. Friedrich ließ die Kinder 
seines Freundes erziehen und gab ihnen bis zu ihrer Versorgung 
eine Pension. Damals schrieb der junge König: „Ich möchte 
lieber Millionen verloren haben. Man findet schwer einen Mann 
wieder, der so viel Geist mit so viel Gefühl und Aufrichtigkeit ver 
band. Mein Herz wird trauern, tiefer als man für die meisten 
Verwandten trauert. Suhm's Andenken wird so lange in mir 
währen, als ein Tropfen Bluts in meinen Adern rinnt und seine 
Familie wird die meinige sein." 
Die Korrespondenz der Beiden wurde später unter dem Titel 
edirt: „Lorrespondence t'arniliere et amicale de Frederic II. avec 
U. F. de Suhm, Berlin 2 vols.“ Suhm führte den Bundes 
namen Diaphane, der Offenherzige; Jordan die 'Namen Hephästion 
und Tindal. D. 
Das Äcrlinrr Zeughaus. 
(Mit den Illustrationen S. 164, 165 und 169.) 
Das alte Berliner Zeughaus, welches ungefähr*) an der Stelle 
des heutigen Opernhauses stand, wie aus Schultz bekanntem Plan 
ersichtlich, erfreute sich bereits zur Regierungszeit des großen Kur- ! 
iürsten eines guten Rufes. In den Beschreibungen, welche der 
Italiener Leti von unserer Stadt hinterlaffen hat, der zu eben 
dieser Zeit Berlin besuchte, heißt es nach längeren Auslassungen 
über die musterhafte Ordnung und effektvolle Aufstellung der im 
alten Arsenale befindlichen Waffen: „Dieses Zeughaus ist werth, 
daß man es genau betrachte und bewundere, es verdient auch nicht 
unbillig den Namen eines Heiligthums der Armee." 
Auf dem Plan von Schultz präsentirt sich dieses Gebäude als ein 
einstöckiger großer Schuppen von 10 Fenstern Front; die Bewun 
derung Letis wird also wohl mehr dem Inhalt des Gebäudes gegolten 
haben, nicht diesem selbst. Und in der That, wie bedeutend die Waffen- 
vorräthe des großen Kurfürsten in den verschiedenen Zeughäusern 
Berlins und Kölns und anderer märkischer Städte gewesen sein 
müffen, geht z. B. daraus hervor, daß zur Zeit der Belagerung 
Stettins im Jahre 1677 allein dem eben erwähnten Zeughause 
108 Kanonen, 31 Mörser nebst dazu gehörigen 15 000 Centnern 
Pulver. 200 000 Kanonenkugeln re. re. entnommen wurden. 
Schon 1685 erhielt der Nachfolger Memhardts, der berühmte 
Baumeister Nering vom großen Kurfürsten den Auftrag, den 
Plan zur Erbauung eines monumentalen Zeughauses zu 
entwerfen, in dem neben der Aufbewahrung der feldtüchtigen Ge- 
*) Anm.: Der Festungsgraben, welcher gegenwärtig zugeschüttet 
wird, hat seinen Laus auf der Strecke Jügerstraßc bis Singakademie 
mehrmals verändert. Früher bog er da, wo jetzt die Französische Straße 
hinter der katholischen Kirche endet, nach dem Opernplatze hinein bis 
mm rechten Flügel der Bibliothek, ging dann zurück bis etwa zur 
„neuen Wache" und umfloß so «in großes Bastion, welches sich rechts 
an die Courtine anlegte, durch welche das „neue Thor" zur Dorotheen- 
stadt führte. In diesem Bastion stand das alte Zeughaus. Der Wall 
wurde schon 1736 abgetragen, der Lauf des Grabens aber erst am 
20. Juli 1741 geändert, als gleichzeitig mit dem Bau des Opernhauses 
begonnen wurde. 
schütze und Waffen, insbesondere die alten Beute- und Zierstücke 
und die Trophäen aus den Kriegen der letzten 40 Jahre Aufstellung 
finden sollten. 
Johann Arnold Nering entwarf den Plan, der in dem 
1733 erschienenen Prachtwcrk von I. B. Broebes „Vues des 
palais et maisoiis de plaisance de 8. M. en Prusse“ rcproduzirt 
ist und der wesentliche Abweichungen von dein später ausgeführten 
Gebäude enthält. Der Entwurf beabsichtigte drei Stockwerke und 
eine hohe mit Reliefs geschmückte Attika; statt der dorischen Pilaster 
gliedern korinthische die Wand der oberen Stockwerke. Die plastische 
Dekoration, die sich auch hier im größten Maßstabe vorfindet, ist 
noch reicher und übersprudelnder, als wir sie jetzt erblicken, sic geht 
sogar in ihrer Fülle über das Maß hinaus. 
Da ferner der große Kurfürst das „neue Arsenal" an einer 
Stelle erbaut haben wollte, welche zum Theil durch eine Bastion 
begrenzt war, mußte Nering*) — seinem Entwürfe nach — die 
Rückseite des Gebäudes abrunden laffen. 
Warum der Bau nicht sofort begonnen wurde, ist nicht be 
kannt. An der Stelle, an der heute das Zeughaus steht, befand 
sich ein dreistöckiges Gebäude mit kleineren Hintergebäuden, die erst 
niedergelegt werden mußten. Im Jahre 1694 endlich, unter der 
Regierung Kurfürst Friedrichs Hl. konnte mit dem Bau der Anfang 
gemacht werden. 
Aber der Baumeister selbst, der mit dem Zeughausbau eine 
neue künstlerische Epoche Berlins begann und der die Hauptstadt 
in die große architektonische Entwicklung Europas eintreten ließ, 
starb bereits im Jahre darauf am Schlagfluß. Nach seinem Tode 
wurde der Bau an Grüneberg**) übertragen, und nach drei 
Jahren (l698) folgte demselben Bi ei st er Schlüter. Andere, 
selbstständige Arbeiten nahmen diesen aber so in Anspruch, daß er 
schon ein Jahr darauf sich von der Leitung des Zeughausbaues 
entheben lassen mußte, und es ist nicht nachweisbar, daß er auf 
die Aenderungen am Entwurf Nerings Einfluß ausgeübt. Wohl 
aber behielt er die plastische Dekoration noch immer in der Hand. 
Sein Nachfolger in der architektonischen Leitung war Johann 
de Bodt. Dieser entstammte einer Mecklenburgischen Adclsfa- 
milie. Sein Vater, Andreas von Bodt, war nach Frankreich 
übergesiedelt, und hier erblickte Johann 1770 in Paris das Licht 
der Welt. Als sein Vater gestorben, vermählte sich seine Mutter 
mit einem Marquis d' User und trat 1685 (nach der Aufhebung 
des Edikts von Nantes) zur katholischen Kirche über. Der Stief 
vater versuchte, Johann zu gleichem Schritte zu bewegen; doch 
dieser floh 1686 aus Frankreich nach Holland, und ließ sich hier 
in das von dem Statthalter Wilhelm von Oranien für junge 
adlige Refugies errichtete Kadettenkorps aufnehmen. Durch einen 
Zufall wurde der Generalkontroleur des Deichwesens aus den 
jungen Mann aufmerksam, stellte ihn dem Prinzen von Oranien 
vor und bewirkte seine Ernennung zum „Kondukteur des Deich- 
wesens." Nach seinem Avancement zum Kapitän der Artillerie 
begleitete er den Prinzen nach England, wo er sich namentlich in 
*) Johann Arnold Nering stammte aus Holland, sein Geburts 
jahr ist unbekannt. Seit 1684 kommt er als kurfürstl. Oberingenieur 
mit 400 Thalern Gehalt vor. Von ihm stammt „das Haus der Herzogin" 
am Berliner Schloß (Spreeseite); der Weiterbau des Potsdamer Stadt 
schlosses; das Oranienburger Schloß; das Fürstenhaus in der Kurstraße; 
das Haus des Feldmarschall Derflinger am Kölnischen Fischmarkt; die do 
rischen Bogengänge des Bkühlendamms; endlich etwa 300 Häuser der 
Friedrichstadt, deren Straßenanlagen er entwarf. Von ihm stammt ferner 
der Bau der „Langen Brücke," das alte „Leipziger Thor," der Thurm der 
alten Sternwarte in der Dorotheenstraße, das Jägerhaus (die Bank) und 
die Parochialkirche (in ihrem ersten Entwürfe). Die Bedeutung des 
Mannes für Berlin ist eminent. 
**) Von Martin Grüneberg stammt unter anderem der Bau des 
Köllnischen Rathhauses.
        
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