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Periodical volume 1. December 1883, Nr. 10

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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Auch in wissenschaftlicher Beziehung blieb Fasch nicht zurück, da er 
noch die Schule zu Klosterberga bei Magdeburg besuchen mußte. 
Nach Zerbst zurückgekehrt, lebte er gänzlich der Musik, bis er 
1756, auf Franz Benda's Empfehlung, als zweiter Cimbalist 
(neben Phil. Eman. Bach) und als Nachfolger Nichelmann's mit 
300 Thaler Gehalt an den Hof Friedrichs des Großen nach Berlin 
gerufen wurde. Hier mußte er die Flötenübungen des Königs auf 
dem Flügel begleiten. Die Aufmerksamkeit, mit der er sich dabei 
benahm, entging dem Könige nicht, der ihn bald deshalb schätzte. 
Der König, der die Adagio's sehr schön bließ, überließ sich dabei 
oft seinem augenblicklichen Gefühl, änderte das Tempo willkürlich rc., 
so daß es nicht leicht war, ihn in seinem Sinne zu folgen. 
Ebenso suchte er beim Allegro bei schwierigen Passagen die Mängel 
seines Spiels durch willkürlichen Ausdruck zu verdecken und hier 
mußte das Acompagnement gehörig nachgeben, um dies nicht 
bemerken zu lassen. Fasch war hierin nachgiebiger wie Bach, der 
sich des Königs Spiel nicht immer fügen wollte. 
Doch bald sollten die Konzerte des Königs durch den aus 
brechenden 7 jährigen Krieg auf lange Zeit gestört werden. Fasch 
wurde durch diesen Krieg in eine sehr bedürftige Lage versetzt, da 
sein Gehalt während desselben nur in Besoldungsscheinen, bei denen 
er V» Verlust hatte, ausgezahlt wurde. Dennoch konnte er sich 
aus Anhänglichkeit an seinen König nicht entschließen, den Dienst 
desielben zu verlassen und suchte, so gut es gehen wollte, durch 
Unterrichten sein Brod zu verdienen. 
Dieser Zustand machte ihn im höchsten Grade muthlos, grü 
blerisch und hypochondrisch. Seine damaligen Arbeiten waren meist 
ein Resultat sich selbst genügender mühsamer Spekulation, die sich 
besonders im Anfertigen von Kanons gefiel, unter denen ein fünf 
facher zu 25 Stimmen als wahres Ungeheuer hervorragt. 
Endlich im Jahre 1774, nach Agrikolas Tode, erhielt er wieder 
eine bestimmte Thätigkeit, indem man ihm die musikalische Di 
rektion der Königlichen Oper übertrug, aber schon 1776, als 
der neucrnannte Kapellmeister Reichard in sein Amt trat, hörte der 
selbe wieder auf, und Fasch überließ sich wieder dem unfruchtbarsten 
Grübeln und Brüten. Mittlerweile war Reichard in Italien ge 
wesen und hatte unter Anderen von dort 1783 die als Wunder 
werk angestaunte scchszehnstimmige Messe von Orazio Bencvoli 
mitgebracht. Fasch kopirte sich dieselbe und faßte sofort den Vor 
satz, eine gleiche Arbeit zu unternehmen, die er denn auch in we 
nigen Wochen zu Stande brachte. 
In den Jahren 1784 und 85 machte er vergebliche Versuche 
mit den Königlichen Sängern in Berlin und Potsdam, sein kunst 
voll ausgeklügeltes Riesenwerk zur Aufführung zu bringen. Die 
Schwierigkeit der Aufgabe machte alle Anstrengungen scheitern, und 
selbst angesehene Musiker bezeichneten eine solche Arbeit als unfrucht- 
bare Künstelei und als verfehlt. Erst nach Jahren war es ihm 
vergönnt, den Beweis zu liefern, daß seine Messe wohl aufführ 
bar sei. 
Im Hause seiner Schülerin, der Geheimräthin Milow, 
hatte sich nämlich seit 1789 ein Kreis Berliner Dilettanten zu 
sammengefunden, die sich an Musikübungen ergötzten, und für diese 
setzte Fasch vier- bis sechsstimmige Gesangssachen. Weil sich immer 
mehr Theilnehmer einfanden, so bestimmte man einen Tag in der 
Woche zu ordentlichen Singübungen. Fasch machte schon damals 
schriftliche Notizen über die Gesellschaft; die erste derselben lautet: 
Im Sommer 1790 ist mit der Singübung der Anfang gemacht in 
dem Gartenhause des Herrn Geheimderath Milow. Die ersten 
Mitglieder waren Discant: Dem. Dietrich, Madame Bachmann 
und Dlle. Schmalz, M. Preuß; Alti: Dem. Pappritz (die nach- 
herige Gattin Zelters), Mad. Meßow, Dlle. Nobiling und Frau, 
Justizräthin Meyer; Tenor: Herr Seneyders; Baßi, Herr Johannes 
und Hofrath Zenker. 
Dies war der Beginn der später unter dem Namen „Sing 
akademie" berühmt gewordenen Gesellschaft. Bald war diese ge 
nöthigt, sich nach einem neuen Lokale umzusehen, und das gab die 
Wittwe des General - Chirurgus Voitus her, wo die Versamm 
lungen von 1791 — 92 stattfanden. Als auch dieses Lokal zu 
enge ward, erhielt die Gesellschaft die Erlaubniß, einen Saal im 
König!. Akadcmiegebäude zu benutzen, und von da an wird sie 
von Fasch selbst „Akademie" genannt. 
Sein übriges Leben widmete Fasch nun, soweit dies seine immer 
mehr abnehmenden Körperkräfte erlaubten, der Singakademie. Im 
Jahre 1798 wurde er sehr krank und war dem Tode nahe. Er 
hatte ein kleines Capital zurückgelegt, das er nicht angreifen wollte, 
weil er darüber schon in seinem Testament verfügt hatte und mußte 
sich daher bei seiner Krankheit sehr einschränken. Da erhielt 
er einen Brief des damals noch jugendlichen Königs Friedrich 
Wilhelm III. der — ohne daß Fasch darum gebeten, — ihm eine 
Zulage von 100 Thaler gewährte. 
Am 9. Juni 1800 war Fasch zum letzten Male in der Sing 
akademie. Von jener Zeit an nahm seine Körperschwäche immer 
mehr zu. Als er seinen Tod herannahen fühlte, ließ er durch seinen 
Schüler Zelter seinen Schrank ausräumen und alle Briefe, unter 
denen einige von Friedrich II. herrührten, sowie sämmtliche Kompo 
sitionen verbrennen. 
Fasch starb nach einem Leben voller Sorgen und Leiden am 
3. August 1800 zu Berlin, betrauert von einer großen Schaar von 
Freunden. Seine von Schadow nach der Todtenmaske gefertigte 
Büste befindet sich in der Singakademie. Im Jahre 1833 erhielt 
Fasch's Grab, das sich auf dem alten Kirchhof vor dem Halleschen 
Thore befindet, eine Gedächtnißtafel. 
Sein Schüler Zelter wurde sein würdiger Nachfolger in der 
Leitung der Singakademie, derselbe hat die Verdienste seines Amts 
vorgängers in einer eigenen biographischen Schrift ausführlich ge 
würdigt. — D. 
Eine Wanderung durch das Hahcniollern-Muscnm. 
Von I>r. ffiforg Horn. (Schluß.) 
Mit Ehrfurcht bleibt der Beschauer vor einer zweihundert 
jährigen Reliquie stehen, welche in reich geschnitztem vergoldeten 
Kasten als ein Unikum aufbewahrt wird. Es ist der schwarze 
Filzhut mit darunter befindlicher Eisenkappe, welchen der Große 
Kurfürst in der Schlacht bei Fehrbellin getragen hat. Beide zu 
sammen sind acht Pfund schwer. Unterhalb der Vitrine befinden 
sich auch ein paar Reitstiefeln, die als vom Großen Kurfürsten 
herrührend angegeben werden. Eine zweite weit gewichtigere mit 
Sammet gefütterte Kopfbedeckung von Eisen birgt der zweite grö 
ßere Glasschrank. Es ist eine Sturmhaube, die er jedenfalls nur 
in den Laufgräben getragen hat; denn die Kopfbedeckung ist 
21'/, Pfund schwer, also für gewöhnlich zutragen, selbst für einen 
so mächtigen Kops, wie den des Großen Kurfürsten, doch zu schwer. 
In derselben Vitrine befinden sich auch unterschiedliche Kurbranden 
burgische Kommandostäbe, der eine mit Goldknopf und reichen Or 
namenten in Emaille, auf dem einen Knopf der Brandenburgische 
Adler, auf dem anderen das Brandenburgische Wappen. Daffclbe 
Glasbehältniß enthält noch manche andere, theils auf die Person, 
theils auf den Namen und die Zeit des Großen Kurfürsten sich 
beziehende Gegenstände. Unter erstere gehören ein von ihm selbst 
verfertigtes und geschriebenes Gebet, ein Brief an den Herzog Ru 
dolf August von Braunschweig vom 2. Mai 1683, dann ein Licht 
druck des von ihm nach der Schlacht bei Fehrbellin an seinen 
Schwager den Fürsten von Anhalt, Gouverneur von Berlin, ge 
richteten Briefes über die Bataille. Eine Elfenbeinstatuette, jeden 
falls von Däbeler, wird als die Figur des zu Cleve am 11. Mai 
1648 geborenen, am 20. Oktober 1649 in Berlin gestorbenen Kur-
        
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