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Periodical volume 1. December 1883, Nr. 10

Full text: Der Bär Issue 10.1884

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welche dem deutschen Kaufherrn in Venedig reichen Dank für seine 
Großmuth wissen. 
Am 22. Dezember 1775 aber fuhr eine schwarz ausgeschlagene 
Gondel aus der Mündung des Canal grande in die See; — sic 
steuerte dem Lido zu und brachte einen prächtigen Sarg nach der 
Insel St. Cristofero, dem Begräbnißplatze der protestantischen 
Deutschen. Die Chefs der berühmten Handelshäuser Amadeus 
Schwäger und Hieronymus Wagner folgten ihr; sie gaben ihrem 
Landsmanne Sigismund Streit das letzte Geleit! 
Zum größten Theile sind auch die Gemälde, welche wir im 
Gymnasium erblicken, Geschenke von Sigismund Streit; — natürlich 
mit Ausnahme der Bildnisie der Rektoren und Direktoren, welche 
an den ein wenig hervorspringenden Wandpfeilern angebracht 
sind! Diese Kunstwerke versetzen uns zum großen Theile unmittelbar 
in das Leben des großen Wohlthäters dieses Gymnasiums. Ueber allen 
diesen Bildern hängt der poetische Hauch, hängt jenes eigenthümlich 
Mystische und Mysteriöse, welches Venedig eigen ist. Auf den Stücken 
Die Berliner Oper von heute. 
Von fcoHj @i(Tris. 
II. 
(Mit den untenstehenden Portraits.) 
Das Künstlerpaar, das wir heut in Wort und Bild unseren 
Lesern vorführen, gehört schon seit längerer Zeit zu den bewähr 
testen Stützen unseres Opern-Repertoires: Vilma vonVoggen- 
huber und Franz Krolop sind schon seit 1868 resp. 1872 
Mitglieder der König!. Oper. Beide Künstler sind, wie ja das 
bei schönen Stimmen so oft der Fall ist, Oestreichcr*) und zwar 
ist Vilma von Voggenhuber eine Ungarin, Franz Krolop dagegen 
ein Böhme. Während Vilma von Voggenhuber ihrem Talente 
und ihrer großen Stimme nach ganz und ausschließlich der großen 
Oper angehört, liegt der Schwerpunkt der künstlerischen Thätigkeit 
ihres Gatten am König!. Opernhause hauptsächlich auf dem Gebiete 
der Spieloper, als deren Hauptdarsteller er betrachtet werden muß. 
Franz Krolop. vilma von voggenhuber. 
Zu dem Aufsatze: „Die Berliner Oper von heute." 
in dem Saale nebenan sehen wir den gefürchteten großen Rath thronen; 
da wehen von den Masten die Paniere der Königreiche Morea, Candia 
und Cypern; da steht auf hoher Säule der geflügelte Löwe von 
San Marco; — der Doge fährt zur Vermählung mit dem Meere 
hinaus; eine fröhliche Regatta, ein Fastendonnerstag, un Giovedi 
grasso, sowie die nächtlichen Volksfeste, la vigilia di San Pietro 
und la vigilia di Santa Marta führen uns das eigenthümliche 
Leben der venetianischen Bevölkerung mit wahrhaft künstlerischer 
Energie vor das Auge. 
In dieseln Gemälde-Saale aber, hier über den berühmten 
venetianischen Ansichten, erblicken wir weiter noch Gemälde des 
trefflichen Nogari, allegorische Darstellungen der Wisienschast, der 
Erziehung, des Weges zum Ruhme und der vollendeten Kunst. 
Außerdem bewahrt die kleine, aber auscrwählte Galerie des Klosters 
aus Streits Nachlaß noch mehrere, unserer Ansicht nach sehr flott, 
aber auch sehr süßlich gemalte Mythologien von Amiconi und ein 
geschätztes Stück, angeblich eine Muse, eines nicht bekannten 
Meisters. — _ (Schluß folgt). 
Durch ein günstiges Geschick war es beiden vergönnt, einen großen 
Theil ihrer Carriere vereint zu machen, indem sie sich als College» 
in Bremen kennen lernten, schon 1868 hciratheten und seitdeni in 
glücklicher Ehe, reich an künstlerischen Ehren leben. 
Vilma von Voggenhuber ist am 17. Juli 184* zu Pest in 
Ungarn geboren. Sie entsproß einer durchaus musikalischen, mit 
dem Theater liirtcn Familie und wurde ihre schöne und kräftige 
Sopranstimme bald der Gegenstand der Ausbildung, welche zuerst 
der damals berühmte Tenor Peter Stoll in Pest leitete. Schon 
nach kurzer Zeit befähigten gute Fortschritte die junge Künstlerin, 
sich auf der Pester Opernbühne zu versuchen und die Probe fiel 
so glücklich aus, daß Vilma von Voggenhuber schon 1860 in ihrer 
Vaterstadt engagirt wurde. Desiree Artüt hörte dann auf einer 
Kunstreise unsere Künstlerin in Pest und rieth ihr, die ungarische 
Carriere aufzugeben, in der sie das höchstmöglichste schon erreicht 
*) Von 23 derzeitigen Solomitgliedern der König!. Oper sind nicht 
weniger als 15 Oestreicher resp. Süd-Deutsche.
        
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