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Periodical volume 24. November 1883, Nr. 9

Full text: Der Bär Issue 10.1884

Bau des Opernhauses 1741 am dem Terrain des verlegten Festungs 
grabens begonnen und 1743 beendet. Mit diesem Prachtbau sehen 
wir zuerst die Formen der griechischen Baukunst in Ber 
lin eingeführt; er schloß sich würdig den Monumentalbauten des 
großen AndreasSchlüter an. Aber gerade dieser Vorzug ent 
sprach nicht dem Geschmack des für die französische Kunst mit 
ihrem phantastischen Styl so leidenschaftlich begeisterten Monarchen. 
Die Zerwürfnisse, welche auf die großartige Bauthätigkeit des im 
strengen Studium antiker Monumente erwachsenen Meisters nur er 
lahmend einwirken mußten, blieben nicht aus! Andere Architekten 
traten an seine Stelle und in des Königs Gunst. Zu diesen ge 
hörte namentlich der ältere Boumann, welcher zunächst, unter 
Benutzung des Knobelsdors'schen Projekts, den großartig angelegten 
Palast des Prinzen Heinrich (die jetzige Universität) in nüchternem 
Styl erbaute. 
Unser Führer schildert diesen Palast als groß und glänzend. 
Flüchtigen, welcher ganz in Witz gebadet zu sein glaubt: sieht er 
nicht einem Gecken vollkommen ähnlich? Und dennoch spottet er 
der Vorbeigehenden! Jenes stolze Frauenzimmer, welches mit der 
unerträglich langen Schleppe ihres flatternden Kleides so viel Staub 
erreget, ohne sich dabei zu erinnern, daß sie selbst nur Staub sei, 
tadelt mit einem bittern Lächeln alle übrigen Frauenzimmer. Ob 
sie etwa nicht weiß, daß ihre Bildung ekelhaft, ihr Gang ge 
zwungen und ihr ganzer Anzug lächerlich ist? 
„Tadelnswürdige Thoren! Müsset ihr diese glücklichen Linden, 
welche oft gewürdigt werden, Majestäten und Hohenheiten zu be 
schatten, in einen Aufenthalt häßlicher Faunen verwandeln? Nicht 
für euch pflanzte sie jener große Kurfürst, dessen noch größerer Ur 
enkel die Bewunderung der Welt ist. Gefühlvolle Seelen sollen 
hier das Glück des Lebens schmecken, und nie die ausgelassene 
Frechheit in diesem bezaubernden Schatten rasen! . . . . 
Jenes Thor, welches sich in perspectivischer Ferne zeigt. 
Ämm Kachsr-Hofmeister. TUbrrt Uirmann. 
Zu dem Aufsatze „Die Berliner Over von heute". (S. Seite 120.) 
aber doch zu klein für die Größe des Siegers von Freyberg. 
Dann wendet er stch den Linden mit ihren noch sechsfachen 
Baumreihen zu. 
„Reizender Anblick! Eine Menge von Menschen aus verschie 
denen Ständen beiderlei Geschlechts suchet hier die Aufmunterung 
des Geistes mit der Bewegung des Leibes zu verknüpfen. Hier 
siehet man Helden und Staatsmänner, Gelehrte und Kaufleute, 
Künstler und Handwerker untereinander gemischct, welche bei ange 
nehmer Witterung unter diesen sechs Reihen erhabener Bäume 
wandeln. Manche Sorge wird hier von kühlen Lüften hinwegge 
weht, mancher Kummer verwandelt sich in Zufriedenheit. 
„Wir wollen uns auf diese Bank niedersetzen und unsere Blicke 
umher irren lasten. 
„Bemerkest Du nicht am vielen Gesichtern gewiste höhnische 
<>üge? Diese sind blos hierher gekommen, um die Fehler ihrer 
Rebenmenschen zu belachen, ohne zu wisten, daß sie selbst am 
wüsten ausgelacht zu werden verdienen. Betrachte nur jenen 
führt in den Thiergarten. Laß uns hingehen und das Unmuthige 
in demselben betrachten. Vor uns eilen schon die Freunde dieses 
Lustgefildes; wir wollen ihnen langsam folgen und jeden Schritt 
mit einem Gedanken paaren. 
„Sieh', jener bärtige Grenadier wird uns eine Höflichkeit er 
weisen: er lässet den Schlagbaum in die Höhe und wir gehen 
unter demselben hinweg." 
Werfen wir inzwischen einen Blick auf jenes Thor, wie es 
die in unserer Sammlung befindliche Chodowieckische Abbildung zeigt, 
die der Künstler im Jahre 1764 vom Fenster des fürstlich Repnin'schen 
Hauses aus aufgenommen hat. Von Friedrich Wilhelm I. 1734 
an Stelle des ursprünglichen hölzernen „Grünen" oder Thiergarten- 
Thores errichtet, bildete dastelbe ein einfaches Pseilerpaar, auf dem 
ein schmaler Architrav, ein hoher Fries und ein weit ausladender 
Kranz ruhten. Darüber, auf starker Plinthe, trug ein aufsteigendes 
Postament mit Deckplatte einen ovalen und von der Königskrone 
gedeckten Schild auf verschnörkeltem Ornament. Mit diesem Thor-
        
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