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Periodical volume 24. November 1883, Nr. 9

Full text: Der Bär Issue 10.1884

Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Luchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Postanstalten für 2 Mark 30 Pf. 
X. Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Im Postzeitungs-Eatalog eingetragen (14. Nachtrag) unter Nr. 2278. i, en 24. November 
Nr. 9. Herausgegeben von Emil Dominik. Verlag von Gebrüder Parte! in Berlin W. 1883. 
Der Günstling des Prinzen. 
Historischer Roman von T. ii. o. Keilen rotli. (Fortsetzung.) 
Zwölftes Kapitel. 
Ter Festungs-Arrest ist, wie wir schon im vorigen erwähnt, 
eine Strafe, deren Härte ganz von dem Charakter des Kom 
mandanten und den Instruktio 
nen, die derselbe erhalten hat, 
abhängt. Der Kommandant 
kann solche Gefangene wie Gäste 
behandeln, denen nur der Form 
nach die Freiheit entzogen ist, 
ihnen gestatten Gesellschaften 
zu besuchen, auf die Jagd zu 
geheil, ja, er kann sie beurlau 
ben, umgekehrt aber steht ihm 
eine weitgehende Strafgewalt 
zu, wenn der Gefangene nach 
seiner Ansicht keine Nachsicht 
verdient oder sich Vergehen zu 
Schulden kommen läßt. Da 
man dem General I. den Auf 
trag gegeben, Georg Albert 
in Bezug auf seine politische 
Denkungsweise zu überwachen, 
so war seine Behandlung » 
diseretion in die Hände des 
Generals gelegt und die Hoff- 
nlingen Georgs bestätigten sich 
insofern, als er nach vierzehn- 
tagiger Haft schon die Erlaub 
niß erhielt, gewisse Promenaden 
der Stadt zu besuchen. 
Georg machte von dieser 
Vergünstigung nur spärlichen 
Gebrauch, theils weil er in dem Gefühle als Gefangener 
die Blicke Neugieriger scheute, theils weil er besorgte, durch 
irgend eine gleichgültige Bekanntschaft, die sich ihm auf 
drängte, möglicherweise Unannehmlichkeiten zu bekommen; es 
Nachdruck verboten. 
G-se, v. 11. VI. 70. 
war ja nicht unwahrscheinlich, daß man ihin mit der ange 
botenen Bevorzugung eine Falle gestellt. 
Da begegnete er eines Tages einem älteren Herrn, besten 
Gesicht ihm bekannt vorkam und 
dessen Blick ihn scharf musterte. 
Sind wir nicht zusammen in 
der Post gefahren? redete ihn 
plötzlich der alte Herr an, waren 
Sie cs nicht, der den Fähr- 
prahm bei * vor dem Versinken 
bewahrte? 
Georg erinnerte sich jetzt 
des Herrn, der ihn vor der 
Französin gewarnt. Er bejahte 
erröthend die Frage, er war 
darauf gefaßt, daß der Herr 
sich jetzt erkundigen werde, was 
ihn nach Küstrin geführt. Der 
Herr sah aus wie ein alter 
Soldat. Das Blut stieg Georg 
bei dem Gedanken in die Wan 
gen, daß er dann antworten 
müsse, er habe sich bereits eine 
harte Strafe zugezogen. 
Der alte Herr bemerkte das 
Erröthen des Jünglings, aber 
er schien es bereits zu wissen, 
daß Georg ein Gefangener. Ein 
theilnehmender, fast schmerz 
licher Ausdruck, malte sich in den 
wohlwollenden Zügen. Dann 
thut es mir doppelt leid, sagte 
er. Sie in keiner besseren Lage wiederzusehen. Dian spricht 
hier in Küstrin viel von Ihnen und nicht ohne theilnehmendes 
Interesse. Wenn es wahr ist, daß Ihr Gegner im Duell der 
Verlobte der Nichte des Kommandanten gewesen, so freut es 
Kronprinzessin Luise von Preußen. 
Nach einem gleichzeitigen Geinälde. 
FUustrationzprobe aur dem eben im Grote'schen Berlage 
erschienene» «Luisenbuche".
        
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