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Periodical volume 17. November 1883, Nr. 8

Full text: Der Bär Issue 10.1884

Gedenktafel, — sein Wappenschild, enthaltend einen schwarzen Zin 
nenbalken auf Silber, — ist verschwv wen. Wir möchten hier eine 
Anregung geben! Wäre cs nicht endlich an der Zeit, diesen 
drei Männern, den ersten theuren Opfern der Größe un 
seres Herrscherhauses, die sich freudig hingaben für das 
Geschlecht der Zollern, ein mehr in die Augen fallend 
Denkmal in der Kloster! irche zu errichten, —einen Dank 
ihnen also damit abzustatten für ihre Treue bis in den 
Tod!- Wir möchten vorschlagen: gerüstete Gestalten mit ihren 
Wappenschildern auf Glasgemälden in den Kirchenfenstern! — 
Acht Jahre wären seit der bewegten Zeit von 1412 vergan 
gen. Wohl durfte man sagen: Ein glücklicher Stern hatte dem 
neuen Herrscherhause geleuchtet; die Mark war ihm ein fest und 
unentrcißbar Bcsitzthum geworden! In jenen Tagen aber, da die 
Brandenburgischen Fürsten, wenn sie nach Berlin kamen, im „hohen 
Hause" nebenan in der 
Klosterstraße residirten, war 
die Klosterkirche gewisser 
maßen ihr Schloßgottcs- 
haus. Wieder begegnen 
wir dem ersten Hohcnzoller. 
Doch jetzt fließt bereits der 
Kurfürstliche Mantel um 
seine Schultern, und der 
Kurhut deckt sein Haupt. 
An seiner Seite steht gütig 
und mild eine Fürstin 
von holder, echt weiblicher 
Schönheit; es ist Elisabeth 
von Baiern, welche nach 
der Sitte der Zeit selbst 
der Taufe ihres Töchter 
leins, der Prinzeß Doro 
thea beiwohnte. Jetzt ist 
die Ecrmonie beendet; der 
Zug verläßt die Kirche. 
Nachdenkend aber richtet 
sich der Blick Friedrichs, der 
wohl noch einige Augen 
blicke in ihren kühlen Hallen verweilt, auf den Boden vor dem 
Altare. Sein ernster, wehmütiger Blick gilt den Leichensteinen der 
gefallenen Freunde. Er hat ihn nie vergessen, den Kampf auf dem 
Kremincr Damme; — nie hat er's — wir können dies urkundlich 
beweisen, — den Pommern verziehen, daß sie ihm die drei getreuen 
Freunde erschlagen hatten. Noch lange Jahre später erwähnt er 
in einer Sühne mit Pommern „die Geschichte auf dem Krcmmer 
Damme!" 
III. 
Die Räume des Ämnnastums 
Indessen, — nehmen wir jetzt von der Kirche der Franzis 
kaner Abschied; — wenden wir uns den von dem Gymnasium 
augenblicklich benutzten Räumen zu! 
Der Kreuzgang, welcher sich in einem, nicht ganz regelmäßigen 
Bierecke einst an die Nordseite der Kirche anlehnte und dessen nörd 
licher Schenkel zwei kleine Gärten trennte, von welchen heut jedwede 
Spur verschwunden ist, besteht nicht mehr. Bis auf einen kleinen, 
in die „große Kapelle" eingebauten Rest, — wir sagen sofort, wo 
derselbe zu suchen ist, — sind die gewölbten Gänge des Kreuz- 
ganges verschwunden; mit ihnen auch die umschlossenen Gärten, 
auf welchen durch drei Jahrhunderte hindurch die Franziskaner 
von Berlin ihre Todte» begraben haben. Die Fundamente des 
Kreuzganges wurden zwar im Jahre 1863 bloßgelegt; Funde in- 
desien sind in ihnen nicht gemacht worden, den schlichten, silbernen 
Taumring eines Mönches oder Guardians ausgenommen. 
Was nun die bauliche Gestalt anbetrifft, in welcher wir die 
alten, ehrwürdigen Räume der Franziskaner heut vor uns sehen, 
so ist dieselbe wesentlich das Werk des Direktors Dr. Johann 
Friedrich Bellermann. Unermüdlich thätig, hatte er endlich 1865 
die Freude, diese ehrwürdigen Hallen in neuer Schönheit, neuem 
Glanze wiedererstanden zu sehen, älteren Bauten stylvoll angepaßt. 
Wir wenden uns nunmehr zu den geschichtlichen Denkmälern 
dieser Gymnasial-Räume. 
Die letzteren bilden zum Theil prachtvolle Hallen, — Räume, 
denen sich in Berlin nichts Aehnliches an die Seite stellen läßt. 
So namentlich die, welche an den Hörsaal angrenzen! Wohl ist 
die eigentliche Bestimmung dieses Gebäudes zweifelhaft; eine Ka 
pelle kann dasselbe nicht gewesen sein, da sich nirgends Spuren 
eines Altars in demselben finden. Nicht baulich und nicht urkund 
lich! Die Geschichtsschreiber des Klosters, Bellcrmann und Heide- 
mann, sehen mit Recht in 
diesem einfachen, aber treff 
lichen Bauwerke den Kon 
vent- und den Kapitclsaal 
vor sich. Dies Gebäude 
ist in den Jahren 1471 bis 
1474 ausgeführt worden. 
Verfasser ist, weil er als 
Knabe aus Interesse für 
die Stätte seiner Schul 
jahre die Gewölbe und die 
jetzt nicht mehr vorhande 
nen Schlußsteine abzeich 
nete, in der Lage, zu 
sagen, wer die milden 
Gaben zum Aufbaue dieses 
Gebäudes beigesteuert hat. 
In den nun verschwundenen 
Schlußsteinen befanden sich 
die brandenburgischen und 
die ruppiner Adler, die 
Greifen und der nürnber- 
gische Löwe aus dem Wap 
pen der Zollern, aber auch 
das Pferdegebiß aus dem Schilde der Berliner Patrizier von 
Blankenfelde und der geschachte Schrägbalken der kölnischen Dy 
nasten von Stein auf Zossen. Wir begegnen drüben in der 
Kirche unserer Franziskaner auch der Grabschrift des letzten Stein 
aus jener deutsch-böhmischen Dynastenfamilie auf Zossen; dieselbe 
lautet wörtlich: 
„Anno ii Christi nativitate millesinio quadringentesimo 
nonagesimo septimo (1497) in vigilia Dive Barbare diem clausit 
extrennim magnaminus dominus Georgins de Lapide, dominus 
Czosne, cujus anima in perpetua pace requiescat. Amen.“ — 
-Nun, auch diese Steine, deren Andenken sonst in den märkischen 
Landen fast erloschen ist, haben sich durch die Mithülfe an dem 
Baue der Franziskaner von 1471 bis 1474 ein bleibend Denkmal 
in der deutschen Reichshauptstadt gestiftet! 
Der echt märkische, schmucklose aber durchaus kräftige Charakter 
der Bauweise in diesem Ouergebäude der Klostcranlage spricht für 
sich selbst; — cs wäre überflüssig, wenn wir denselben noch näher 
charaktcrisiren wollten. Wir geben nur die Inschriften. Dieselben 
lauten: 
„Benedic, domine, domnm istam et famulum turnn, fratreiu 
Adam.“ 
„Segne, Herr, dies Haus und deinen Diener, den Bruder 
Adam!" — Wir meinen, dieser Bruder Adam, der hier zuerst 
nannt wird, sei nicht der Guardian, sondern der Baumeister, welcher 
diesen Saal errichtet hat. 
vcr größte der Markgrascnstcinr in den Uaurnschrn Sergen 
wird für die Schale (im Lustgarten) gesprengt. 
Nach einer gleichzeitigen Illustration. (S. Seite 115.)
        
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