Path:
Periodical volume 17. November 1883, Nr. 8

Full text: Der Bär Issue 10.1884

109 
keineswegs den Namen „de Berlin“ getragen haben wird, — denn 
alle Nachweisungen des hochverehrten f Herrn von Ledebur in 
dieser Beziehung sind gänzlich hinfällig, — hier bemerken wir nur 
nackte, braune Haide; — längst ist der Wald gerodet, — und 
soweit nicht das Riedgras und die rothe Erika in der Feldkrume 
sich angesiedelt haben, — sehen wir ein braches und nur durstig 
bestelltes Sandland vor uns. 
Es ist ein Fehler aller landes- und ortsüblichen Darstellungen 
der Geschichte unserer engeren Heimath, daß man die Christiani- 
sirung der Spreclande viel zu spät ansetzt. Zieht man das archi- 
valische Material gewissenhaft zu Rathe, so ist absolut kein Zweifel 
möglich, daß die Ehnstianisirung dieser Gegenden schon am Schlüsse 
des 12. Jahrhunderts vollendet war. Einen besonderen Beweis 
nach dieser Richtung hin behalten wir uns vor; er wird erbracht 
werden, und, — der Muse der Geschichte sei Dank, — der hei 
lige „Beibucksweg" Fidicins, unseres trefflichen Altmeisters, hat 
Gestalten, — ihre Haltung ist stolz und herrisch; — es sind 
„Sachscnblumen," wie jener so früh erschlagene Markgraf Konrad 
von Plötzkau. Sic gründeten nachweislich die ersten Kirchen im 
Teltow, die Johanniter und Templer aus dem Sachsenlande; — 
ein Richard, — ein Heinrich, — die Alvenslebcn und die Ese 
beck; — sie kamen als Vortrab des von Süden und Westen 
heranziehenden deutschen Erobcrungsheeres; — sic rückten, soweit 
wir's verfolgen können, planmäßig gegen die Linie vor, welche 
durch die Spree und den nunmehrigen Finow-Kanal gegeben ist; sie 
reichten ihren Ordensbrüdern im Lande Lebus die Hand; sie berei 
teten der deutschen Eroberung den Weg! Und der Beweis hierfür? 
Templerkirchen im Süden von Berlin, zu Richardsdorf, zu Marien 
felde, zu Mariendors und — das Templer- und Johanniterkreuz in 
der ältesten Kirche zu Frankfurt an der Oder, zu St. Nikolai, — 
Templerkirchen endlich im Lande Lebus zu Ließen und zu Münche 
berg! Geistliche Ritter sind es also in der That gewesen, die 
Uns graue Kloster in ürrlin. 
Zum Aufsatze von Oskar Schwebe!. (S. Seite 108). 
sich endlich nun in einen „heiligen Blutsweg" verwandelt! Diese 
Benennung stammt also erst aus dem 15. Jahrhundert, da Wils 
nack auskam mit seiner Wallfahrt. 
Wieviel aber auch von einer frühen Bedeutsamkeit der 
Städte Berlin und Kölln gefabelt worden ist, — Klöden hat hier 
thatsächlich, ganz ebenso wie in den „Quitzows" und in der „Ge 
schichte des Markgrafen Waldemar," das allgemeine Urtheil irre-- 
geleitet, — so läßt sich doch wenigstens das Eine sicher nach 
weisen, daß die Spreelande schon um 1170 christianisirt worden 
sind. Es ist freilich kein pergamentener Beweis, welchen die Ge 
schichte in Bezug auf diesen dunklen Punkt der vaterländischen 
Landeskunde uns liefert, aber dennoch ein urkundlicher Beweis im 
höchsten Sinne des Wortes; — die Brakteaten Jakza's oder 
Jackzos von Köpenik tragen in ihrem Gepräge bereits das Kreuz! 
Wohl mögen wir die ersten deutschen Krieger, welche, — 
natürlich nach den Kaufleuten, denn diese sind überall die Pio 
niere der Kultur gewesen, — in diese Gegenden kamen, mit Zu 
hülfenahme aller historischen Nachrichten uns ausmalen; wohl 
wögen wir auch hier dankbar ihrer gedenken! Es sind ritterliche 
zuerst zwischen Elbe und Oder das Kreuz und mit ihm ein recht 
schaffen deutsch und christlich Wesen ausgerichtet haben! — 
Wir senden diese auf gewissenhastcr Prüfung der historischen 
Denkmäler beruhende Notiz voraus. Sic ist für das graue 
Kloster von ganz besonderer Wichtigkeit! 
Denn wo die geistlichen Ritter erst Fuß gefaßt hatten, da er 
schienen auch bald die Missionare der römischen Kirche, jene mit 
Bienenfleiß schaffenden Cisterzienser und vor allem die mit einer 
nimmer wieder erreichten Volksthümlichkeit damals zum Volke 
redenden Franziskaner, — wenn man will, die Proletarier 
der römischen Kirche, — aber ihre geschicktesten Sendboten, ein 
„Heer des Papstes," — aber Männer, deren Beste es in deutschen 
Landen nie vergessen haben, daß deutsches Blut in ihren Adern 
floß, und die trotz alles religiösen Eifers in allerschlimmster Zeit 
zur Adlerfahne des deutschen Kaisers gestanden haben, — an 
spruchslos oft gleich den Cynikern des Alterthums, wunderliche, 
bettelnde Heilige, — an Kleidung und an Vedürsnißlosigkeit der 
Lebensweise den Geringsten des Volkes gleichgestellt, — oft, wann 
einmal die Gelegenheit sich dazu darbot, neben dem vornehmen
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.