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Volume 28. Oktober 1882, Nr. 5

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

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1738 wieder zurück, er spielte hier in den nachfolgenden Jahren 
bis zu dem Tode seines Gönners. 
Bei Friedrich II., der nicht sonderlich gut auf ihn zu 
sprechen war, kam er um Erneuerung seines Privilegs ein, das 
ihm nach vielen Hin- und Herschreiben gewährt ward. Aus dem 
Briefwechsel, der hierüber zwischen dem Minister von Happe, dem 
Magistrate und Eckenberg geführt ist, erfahren wir, daß der „starke 
Mann" arge Schulden hatte, daß sein Haus am 28. Mai 1739 
subhastirt, von einem Herrn Cuno für 2000 Thaler gekauft und 
an die Kaufleute Splittgerber und Daun für denselben Preis 
wieder verkauft wurde. 
Bei Ausbruch des Krieges verläßt Eckenberg Berlin, zieht in 
das Kriegslager bei Genthin und begiebt sich später von dort 
nach Halle a/S. Hier wird ihm das Komödienspielen verwehrt 
und er beschwert sich darüber in einer sehr ausführlichen Imme- 
diateingabe bei Friedrich. Auf diese Beschwerde erfolgt jene 
merkwürdige Cabinetsordre des Königs vom 14. Februar 1745, 
in der es u. A. heißt: 
„Da ist das geistliche Mukerpak daran schuld. Sie sollen 
spielen und Her Franke oder wie der Schürte heißt, soll dabei 
sein, um den Studenten wegen seiner närrischen Vorstellung 
eine öffentliche Reparation zu thun, und mir soll das Attest 
vom Commandanten geschikt werden, daß er dagewesen ist." 
Das General-Direktorium muß Wohl über die Fassung dieser 
Ordre erschrocken gewesen sein, denn es kam am 19. Februar gleich 
noch einmal ein, um das dem Franke auferlegte Straipensum zu 
mildern, worauf der König ihm allerdings das Erscheinen im 
Theater erließ, dagegen aber eine Geldstrafe für die Armenkaffe 
auferlegte und dabei schrieb: 
„Ins Künftige werden die Herren Pfaffen Wohl vorsichtiger 
werden und nicht denken, dem General-Direktorium und Mir 
Nasen zu drehen. Die Halleschen Pfaffen müffen kurz gehalten 
werden — es sind evangelische Jesuiten und man muß ihnen 
bei allen Gelegenheiten nicht die mindeste Autorität einräumen." 
Inzwischen hatte der bekannte Theaterprinzipal Johann 
Friedrich Schönemann vom Könige ein Privilegium für 
die Residenzstadt Berlin erhalten, und diese Theaterconcession gab 
„dem starken Manne" den Todesstoß. 
Schönemann begann seine Vorstellungen mit Mitgliedern, 
zu denen unter anderem Eck hos zählte; er gab regelmäßig Schau 
spiele von Moliöre, Gottsched re., auch Posten, die aber durch 
gängig von besserem Geschmack als die Eckenberg'schen waren. 
Eckenberg protestirte gegen das Privileg Schöncmann's, doch 
ohne Erfolg. Und als er wiederholt abschläglich beschieden, da 
verließ er Berlin und ging an den Rhein, wo er Anfangs April 
1748 im Lager bei Luxemburg starb. 
Das letzte Aktenstück des Geheimen Staatsarchivs, welches 
seiner erwähnt, ist eine Supplik seiner einzigen Tochter 
Sophie, welche am 24. April 1748 um die Uebertragung des 
Hofkomödiantentitels auf ihren Mann, den Schauspieler 
Rade min ersucht: „indem sie von ihrem Vater nichts zu erben 
habe, dieweil er alle sein Vermögen besonders in Erbauung seines 
Hauses auf der Friedrichstadt angewendet habe." 
Das Gesuch wurde abgeschlagen und damit erlosch das 
Eckenbcrg'sche Privilegium für immer. — D. 
MisrcUen. 
Ausbau der Stadtbahn. Das „Centralblatt der Bauver 
waltung" bringt einen höchst interessanten Auffatz über die Noth 
wendigkeit, die Berliner Stadtbahn derart auszubauen, daß 
sie auch dem Süden und Westen der Stadt zu Gute kommt. 
Dies soll durch einen viergeleisigen Viadukt geschehen, der, vom 
Bahnhof Zoologischer Garten ausgehend, die Mitte des 
Fahrdamms der großen Gürtelstraße (Tauenzien-, Jork-, 
Kleist-, Bülow- und Gneisenaustraße) einnehmen, an der Ecke der 
Gneisenau- und Pionierstraße nach Nordosten abschwenken, 
und über den Lausitzer Platz den Schlesischen Bahnhof 
erreichen würde. Die Kosten der Anlage werden, da Terrainankäufe 
wegfallen, auf nur 24 Millionen veranschlagt. Berlin erhielte 
aus diese Weise eine innere Ringbahn nach Londoner Vor 
bild und eine wesentliche Verkehrserleichterung. Sehr erleichtert wäre 
gleichfalls der sogenannte Externverkehr. 
Die ehemalige „Stechbahn" in Merlin. (Siehe Seite 57.) 
„Der Schloßplatz oder der alte Domplatz ist der große Platz vor 
dem Schlosse" schreibt Nicolai, und fährt dann fort: „Von der 
Brüderstraße bis zur Breitenstraße stand hier sonst die Domkirche, 
welche 1747 abgebrochen wurde. Im 16. Jahrhundert aber nahm 
den übrigen Theil des Platzes „von der Breitenstraße bis 
zur Langenbrücke" die Stechbahn ein, ein mit Schranken ein 
geschlossener, 300 Fuß langer und 65 Fuß breiter, zu Turnieren 
und Ritterspielen (Stechen) dienender Platz." Ich füge hinzu, 
daß unsere Zeitschrift vor zwei Jahren diese „alte Stechbahn" 
nach dem Bilde einer illustrirten Zeitung aus dem Jahre 1595 
gebrachte hat. Der prachtliebende Kurfürst Joachim II., der 
Liebhaber der „schönen Gießerin," ließ 1538 diese Stechbahn her 
richten, und Joachim Friedrich ließ sie 1600 erneuern. 
Weil die Turniere bei solennen Gelegenheiten stattfanden, wo 
viel vornehme Herrschaften zugegen waren, so geschah es, daß 
auswärtige Kaufleute die Gelegenheit benutzten und bei der 
Stechbahn alsdann vor dem Schlosse ihre Waaren auslegten. 
Diese Buden und Kaustische längs der Stechbahn 
blieben dann auch stehen, wenn kein Stechen abgehalten wurde; 
ja, als der große Kurfürst die „Stechbahn" selbst auf dem Schloß 
plätze 1679 eingehen und in dem „Reithaus*) aus dem Werdet 
wieder auferstehen ließ, blieben längs der Schloßseite dennoch die 
„Kaufbuden an der Stechbahn" bestehen, ja wurden sogar 
1681 durch Nehring massiv an das Kursürstenschloß angebaut. 
Auch diese „Kaufbuden zur ehemaligen Stechbahn" brachte unsere 
! Zeitschrift im Jahrgang 1880 Seite 285 nach dem alten Strid- 
beck'schen Bilde vom Jahre 1690. 
Diese prächtigen dorischen Bogenlauben wurden jedoch unter 
der Regierung König Friedrichs I. durch Meister Schlüter 
weggcriffen, als derselbe sich daran machte, das Königsschloß in 
seine jetzige Gestalt umzubauen. Die Stechbahnbuden ent 
standen jedoch aufs neue 1702 aus einem ehemals zur Statt 
halterei gehörigen Platze hinter dem Dome längs des Spree 
armes und zwar nachBodt'sRissen in der Gestalt, in welcher 
sie unser heutiges Bild zeigt. 
Auch diese „Kaufhallen an der Stechbahn" fielen aber vor 
15 Jahren und das letzte bei der Brüderstraße gelegene Gebäude, 
das noch übrig geblieben war, wurde 1879 niedergerissen, so daß 
nichts mehr an die alten „Stechbahngebäude" erinnert. Jetzt er 
hebt sich der Riesenbau des „Rothen Schlosses" an der Stelle 
der alten „Stechbahn." 
Das kleine Gebäude, das der Schloßecke gegenüber auf un 
serem Bilde sichtbar ist, ist die berühmte Josty'sche Conditorei, 
welche später in einem Hause der „Schloßfteiheit" cxistirte und 
jetzt nach dem Potsdamer Platz verlegt ist. 
Diese Konditorei befindet sich nicht mehr im Besitze der 
Jostyschen Familie und hat seit langem die Bedeutung verloren, 
welche der alte Jo sty derselben erworben. 
*) Anm. der Red.: Stand dort, wo jetzt die „Werdersche Kirche" 
errichtet ist.
	        
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