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Periodical volume 22. September 1883, Nr. 52

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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später verbreitete sich der Name „Werder" auf de» übrigen Theil dieses 
Stadtviertels, als dieser mit einer Fortifikativn umgeben (s. einen Theil 
dieser Fcstungswälle auf der Illustration S. 626 an der Stelle, wo heute 
sich die Geschäfte von Treu L Nuglisch und Mannheimer befinden) und 
mit Stadtrechten begabt, und der Ausfluß der Spree verschüttet war. 
Küster schreibt über diese Gegend, wie folgt: „Zwischen dem Strom, der 
die Mühlen treibt und der Schleuse lag der eigentliche Werder, eine 
Insel. Auf dieser Insel stund sonst ein Häusgen, dessen sich die 
Jägerei bediente und von einem Jäger bewohnt worden. Auf der an 
dern Seite der Schleuse war ein Garten, in welchem Bären gehalten 
wurden und soviel das sehr morastige Erdreich leiden wollen, Brennholz 
darum gesetzt worden; wie denn noch itzo auf dem Friedrichswerder eine 
Straße den Namen von Holzgartenstraße führt." 
Also ein kurfürstlicher Hvlzgarten befand sich an der Stelle, wo gegen 
wärtig noch die Holzgartenstraße liegt, im übrigen befanden sich hier 
Gärten cölnischer Bürger. Einer dieser Gärten, der etwa dort lag, wo 
jetzt Oberwall-, Jägerstraße und Hausvoigteiplatz, gehörte dem Tobias 
Spiegel, daneben befand sich ein kurfürstlicher Jägerhof und bei 
diesem endete damals oder begann der Thiergarten. 
Als der Jägerhof baufällig geworden, wurde im Jahre 1604 — um 
die Kosten eines neuen Baues zu ersparen—das „Gebäude des Vor 
werks der Kurfürstin Katharina" zum Jägerhofe gewidmet. Mit 
diesem Vorwerk verhielt es sich folgendermaßen. Johann Georg 
hatte den in der kölnischen Vorstadt zwischen der jetzigen Jäger- und 
Kroncnstraße gelegenen Spiegelschen Garten angekauft und die Kurfürstin 
Katharina hatte hier einen Viehhof, ein Vorwerk errichten lassen. Be 
kanntlich spricht man dieser Fürstin das Verdienst zu, die Mi ich wirth 
schaft in die Mark eingeführt zu haben. Dieses Vorwerk also, von dem 
man die dort gewonnene Milch nach Cöln und Berlin zum Verkauf 
brachte, wurde zum „Jägerhofe" gemacht und gab später den beiden 
Jägerstraßen ihren Namen. Die „Hausvoigtei" (seit 1750 Sitz dieser 
Behörde) bildete ehedem einen Theil des alten Jägerhofes und das Haus 
von „Treu und Nuglisch" steht auf einem Theil des Terrains, das dem 
Oberjägermeister von Herteseld im Jahre 1709 von der „Bastion 
am Jäger hose", die auf unserer Illustration (S. 626) rechts vom 
Jägerhause sichtbar, zur Bebauung gegeben wurde. 
In diesem alten Jägerhause, von dem uns kein Bild erhalten ist, 
wohnten also die kurfürstlichen Jäger, und als das „Reithaus" in eine 
Kirche (die Werdersche) verwandelt wurde, verwahrte man auch im Jäger 
hofe das Jagdzeug. Im Laufe des Jahrhunderts wurde das alte Ge 
bäude baufällig und man dachte an einen Neubau. 
Der Baumeister Nering, der schon früher für den Minister Danckcl- 
mann das Fürstenhaus (in der Kurstraße), ferner das schöne Haus des 
Marschall Derfflinger (am cölnischen Fischmarkt Nr. 4) errichtet hatte, 
baute 1790 das neue Jägerhaus in der Jägerstraße, sowie eS unsere 
Illustration (S. 626) zeigt, als eine Wohnung des Oberjügermeisters, 
zwei Geschoß hoch, mit einer ionischen Säulenstellung, die zweitälteste 
Ansicht des jetzigen Bankgcbäudes. Ich bemerke hier, daß die Bank, 
ehe sie ihren gegenwärtigen Wohnsitz einnahm, auf der „ Dorotheen- 
stadt im ehemaligen Thilo'schen Hause" residirtc. 
Dieses neue Prachtgebäude wurde, wie das alte, die Amtswohnung 
des Oberjägermeisters, oder wie Herr von Pöllnitz sagt: „La Venerie 
royale cst un grand et magnifique bätiment, ou loge le Grand Venetir 
avec tous ks osficiers de la Venerie. II y a aussi le Grand-Cheiiil et 
des Magasins pour tous les equipages de la chasse.“ Im Jahre 1770 
wanderte das Jagdzeug nach Schloß Grunewald. In die Räume des 
Jägerhauses aber war schon 1765 die „Königliche Banco" eingezogen. 
Anfänglich benutzte die Bank nicht alle Räume des großen Gebäudes, in 
den oberen Geschossen befanden sich noch 1785 das „Oberbaudepartement" 
und die „Haupt-Nutz- und Brennholzadministration". 
Wie ein Vergleichen der beiden Illustrationen S. 626 und 27 deutlich 
ergiebt, ist der alte Bankbau, der bis zum Jahre 1867 stand, nur ein 
Erweiterungsbau des alten Jägcrhofes gewesen, die Grundver 
hältnisse ferner das Mittelportal waren auf das vergrößerte Gebäude 
übergegangen. 
Außer den bekannten „gleichgültigen Ecken" zeigt unsere S. 627 
wiedergegcbene Illustration im Hintergründe noch einen Theil des soge 
nannten „Fürstenhauses", welches anno 1674 der damalige StaatS- 
minister, Freiherr von Dankelmann, nach Nerings Rissen erbauen 
ließ und das sich bis auf unsere Tage erhalten hat. Als der Minister 
in Ungnade gefallen und sein Haus an den König Friedrich I. gekommen 
war, wurde der Palast zur Residenz für fremde Fürstlick)keiten, die zum 
Besuch kamen, bestimmt, und empfing hiernach seinen Namen „Fürsten 
haus". Es logirten in diesem Hause Prinz Eugen von Savoyen, der 
Herzog von Marlborough, der berühmte Fürst Menzikoff, der einstmalige 
Pastetenbäckerjunge, und der Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, der „alte 
Dessauer". — 
Inhalt. 
Die erste Novelle, Erzählung von A. von Genien (Sd)luß); Peter 
von Cornelius (mit Portrait); Der Wusterhausensche Bär (mit Illustration) 
von Ernst Friedet; Ein Schreckenstag in Straußberg, Episode aus 
dem 30jährigen Kriege von W. Sternbeck; Ein neuer Berliner Sitten- 
schilderer von Paul Lindenberg; Bilder aus dem alten Berlin (mit 
den Illustrationen: „Das Jägerhaus auf dem Werder" und „Die 
königliche Bank"); An unsere Freunde. Inserate. — 
An unsere Areunde! 
Mit der vorliegenden Nummer schließt der neuntc Jahrgang unserer „Jllustrirten Berliner Wochenschrift". Wir fügen derselben 
Jnhaltsverzeichniß und Titel für diejenigen verehrten Leser bei, welche sich die Zeitschrift einbinden lassen wollen. Auj's Neue 
sprechen wir allen denen unsem Dank aus, welche unser Blatt unterstützt und gefördert haben, und bitten um weitere Bethätigung des 
dankenswerthen Interesses, sowie um die Fortführung des bisherigen Abonnements. 
Wir haben uns auf den Wunsch zahlreicher Freunde entschlossen, vom kommenden Jahrgange an unsere „Jllustrirte Wochenschrift" 
nach Inhalt und Umfang zu vergrößern, und zwar dadurch, daß wir von Zeit zu Zeit den einzelnen Numnrern einen Untfang von 
zwei vollen Bogen (statt wie bisher 1'/» Bogen) geben, und ferner — was den Inhalt betrifft — daß wir durch Abdruck sämmtlicher 
vorhandener Illustrationen vom alten Berlin sowohl ein vollständiges Bild der allmäligen Entstehung der Hauptstadt liefern, wie aus 
der Geschichte unseres Fürstenhauses die große Mehrzahl der vorhandenen älteren Kupferstiche sowie die Bilder in unsern Schlössern 
nach und nach reproduziren. Entsprechend den hierdurch entstehenden, bedeutend vergrößerten Herstellungskosten ist die sehr geringe 
Preiserhöhung von 50 Pf. eingetreten. — 
An Erzählungen bringt der nächste Jahrgang einen Roman aus dem Anfang unseres Jahrhunderts: Der Günstling 
des Prinzen Louis Ferdinand, von E. H. von Dedenroth, ferner: Leonhard Thurneysser zum Thurn, Roman in drei 
Büchern von Oskar Schwebe!; Bernezobre, Roman aus der Regierungszcit König Friedrich Wilhelms I.; Der Kaiser von 
Madagaskar, eine kurbrandenburgische Geschichte aus Friedrichs I. Zeit von F. von Bülow rc. 
An größere» Aufsätzen liegen zum Abdruck bereit: Der Berliner Apothekerlehrling Böttigcr, der Erfinder des Porzellans 
(mit Original-Portrait); Die Entwickelungsgeschichte Berlins (mit zahlreichen Karten); Römische Mittheilungen zur Geschichte des Wenden 
landes; Die Russen und Oesterreicher in Berlin vom 9.—13. Oktober 1760; Schill und seine Gefährten; Graf Moltke und seine Besitzung 
in Schlesien; Eine Wanderung durch das Berliner Zeughaus (mit zahlreichen Illustrationen); Die Geschichte des Kloster-Gymnasiums 
(mit mehreren Illustrationen) von O. Schwebe!; Das Tagebuch des Grafen und der Gräfin Lynar (während ihres Aufenthalts 
zu Spandau im 16. Jahrhundert); Der Königin Sophie Charlotte von Preußen Jugcndgeschichte (nach dem Französischen); von Manteuffel, 
drei Tage aus der Umgebung Friedrich Wilhelms I.; „Peter Becker's Nachrichten über die Mark Brandenburg unter Friedrich von Zollern, 
besonders über die Fehde mit den von Quitzow und von Rochow im Jahre 1413". 
Bon Portraits und Biographien nennen wir die von Schleiermacher, Heim, Jordan, Suhm, Graun, Quanz, Jüngken, 
Dieffenbach, Raupach, Döring, Ludw. Devrient, Frieb-Blumauer, Charlotte Hagn rc. 
Wir werden ferner bei Schluß des kommenden zehnten Jahrgangs ein möglichst vollständiges Register über den 
Inhalt sämmtlicher zehn Bände geben, und dadurch sicherlich einer großen Anzahl unserer Leser einen Gefallen erweisen. 
Wir ersuchen diejenigen unserer Leser, welche ihr Abonnement noch nicht erneuert haben, dies baldmöglichst bewerkstelligen 
zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zusendung entstehe. — 
Verleger und Herausgeber.
        
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