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Periodical volume 28. Oktober 1882, Nr. 5

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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behext und bald wurde der Borfall weiter erzählt. Man freute 
sich über den in den Augen der damals Lebenden so vortrefflichen 
Spaß und auch der König lachte von Herzensgrund darüber; was 
brauchte es mehr, um die Bude auf dem neuen Markte bis auf 
den letzten Platz zu füllen. 
Für jeden Spielabend mußte er 12 Groschen an die Accise 
und Armenkaffe zahlen. 
Vierzehn Jahre vergingen, ehe Eckenberg wieder nach Berlin 
kam. Während dieser Zeit war er durch ganz Deutschland, 
Belgien, Polen, Schweden gezogen und hatte sich ein Vermögen 
erworben, mit dem er später sein Haus in Berlin an der Zimmer- 
und Charlottenstraßenecke baute. 
1731 kehrte er nach Berlin zurück und zwar mit einer Truppe 
von 26 Personen, bestehend aus Seiltänzern (sogenannten Spaten 
schlägern) und Schauspielern. Und wie später, in unserem 
Jahrhundert, Meister Renz seinen Cirkus zum ersten Male auf 
dem Dönhoff'schen Platz aufgeschlagen hat, so errichtete auch 
Eckenberg seine Bude daselbst. 
Mit der bloßen Bitte um die Spielerlaubniß begnügte sich je 
doch Eckenberg nicht; sondern wählte sichere Mittel, die früher ihm 
erwiesene Gunst des Königs in wenn möglich erhöhtem Maße 
wiederzuerlangen. Das nächste Mittel dazu war, daß er sich 
neben seiner Schauspielprinzipalschast auch als Pferdehändler 
empfahl, und dem Könige wohlfeile Remonte - Pferde für die Ca- 
vallerie anbot, ferner, daß er dem Könige „lange Kerls" nachwies, 
die er auf seinen Querzügen durch Deutschland sich gemerkt hatte. 
So etwas blieb nicht unbelohnt, und der Soldatenkönig er 
nannte den „starken Mann" am 27. September 1732 zu seinem 
Hofkomödianten. Dieses Privilegium, das ich nachfolgend ab 
drucken lasse, ist charakteristisch für den König; dasielbe lautet: 
Wir Friedrich Wilhelm von Gottes Gnaden re. thun 
kund und fügen hiermit zu wissen, daß Wir den seiner Leibesstärke 
wegen renommirten Johann Carl v. Eckenberg in Conside- 
ration vieler bisher abgelegten guten Proben zu unserm Hoff- 
Comödianten in Gnaden bestellet, und wirkich angenommen, thun 
solches auch hiermit und Krafft dieses dergestalt und also, daß ihm 
überall in Unseren Landen und Provintzien in specie aber in un 
seren König!. Residentzien mit seinen bey sich habenden Leuten 
künstliche Spiele zu treiben und Oomoedien anzustellen verstattet 
seien, er aber auch dahin sehen solle, daß nicht Scandaleuses, 
Garstiges, Unverschämtes und Unehrbares oder sonst Aergerliches 
und Anstößiges, viel weniger was Gottloses und dem Christen 
thum nachthciliges vorgebracht, sondern lauter innoeente Sachen, 
so den Zuschauern zum Iioimetten Amüsement und Ermahnungen 
zum Guten gereichen können, gespielet und vorgestellet werden 
mögen rc. re. 
Eckenberg verließ nun seine Bude am Dönhoffsplatz und 
bezog das Operntheater im Marstallgebäude (in der Breiten 
straße), welches sich seit 1700 im jetzigen 2. Stockwerke eines der 
nach dem Schloßplätze zu gelegenen Vordergebäude befand. Hier 
erschien der König selber und ergötzte sich an Theaterspielen wie: 
„Die artige Grundsuppe der Welt", oder an „Doktor 
Faust's Höllenfahrt" und anderen mehr. Das Eckenberg'sche 
Theater war ein Gemisch von Schauspiel, Ballet und Jongleur- 
kunststücken, wie etwa das heutige „Walhallatheater." 
Um diese Zeit von 1732—33 begann Eckenberg auch den Bau 
seines Hauses in der Zimmerstraße. Um eben diese Zeit beschwerte 
sich aber die „Kartenkammer" beim Könige darüber, „daß 
Eckenbergs Comödien dem Debit der Spielkarten einen 
empfindlichen Abbruch thäten." 
Als dem „starken Manne" davon Mittheilung wurde, schreibt 
er sofort an dm König, „da er durch seine Comödien die königl. 
Kartenkammer moIe8tire, so bäte er um die Erlaubniß, Assem- 
bleen einrichten zu dürfen, bei denen Karten gespielt und eine 
honnette Unterhaltung geführt werden könne, wie dies bisher 
bei den Assemblern in den adligen Häusern gehalten 
worden sei." 
Diesen Plan seines Liebling genehmigte Friedrich Wilhelm I. 
abermals. Die betreffende Ordre ist vom 7. Januar 1733 datirt 
und lautet: 
„Demnach Se. Königl. Majestät in Preußen, unser Aller 
gnädigster Herr, wollen, daß die Aaeembleen wieder ihren An 
fang nehmen sollen, Sie aber bey denen bisher gehaltenen 
A88emblven wahrgenommen, daß viele in ihren Häusern den er 
forderlichen Raum nicht gehabt. Es Ihnen überdem auch viele 
Iiieommndite veruhrsachet, und an ihre Meubles Verlust erlitten. 
Also haben Se. Königl. Majestät in Gnaden reaalviret, daß 
Carl v. Eggenberg Entrepreneur der A88embleen seyn und 
zu dem Ende solche in dem Fürstenhause wöchentlich zweimal, 
nehmlich Dienstags und Freitags halten, wozu er Holtz, Licht, 
Spieltische und 2 Chor Ilautbow fourniren, dahingegen ihm die 
jenigen, welche laut nachstehender Liste A88en,blee gehalten als: 
Hr. v. Seckendorf, 
- v. Jaguschinsky, 
- v. Prätorius, 
- v. Marquis de la Chetardie, 
Ferner die Excellenzen: 
Hr. v. Fink, 
- v. Borck, 
- v. Grumbkow, 
alsdann: 
Hr. v. Schlieben, 
- v. Viereck, 
- v. Thulmeier, 
- v. Viehahn, 
- v. Cocceji, 
- v. Happe, 
jpr. 
! Diese 4 wenn es ihnen 
beliebig ist, da sie fremde 
Minister und Gesandte 
seyn. 
Schlipp enbach, 
Görne, 
Podewils, 
Hr. v. Marschall, 
- v. Wülknitz, 
- Ob.-Forstm. v. Schwerin, 
- v. Broich, 
- v. Riedel, 
- v. Geuder, 
- Ob.-Stallm. v. Schwerin, - v. Vernezobre, 
Dreißig Thaler geben und davor den ganzen Winter frey hin 
gehen und dabey Caffee, Thee, Chokolade und Limonade umsonst 
haben, diejenigen aber, so unter der Liste nicht begriffen, vor 
das Lntrö« 8 Groschen, Caffee, Thee, Chokolade und Limonade 
k part, und die so spielen, 16 Ggr. Kartengeld bezahlen, die 
Capitains und Subalternen aber von allem diesem befreit seyn 
sollen. Friedrich Wilhelm." 
Man sieht, Eckenberg verstand zu speculiren, denn für 720 Thlr. 
bestimmtes Einkommen ließen sich schon einige Portionen Kaffee 
und Limonade verabreichen. Die Hauptsache aber war, daß der 
König selbst auf diesen Assembleen erschien und die Königl. Prin 
zessinnen mitbrachte. Dadurch erhielten diese Gesellschaften den 
Charakter von Hoffestlichkeiten, zu denen erscheinen zu dürfen 
Jedermann für eine Ehre hielt. So war Eckenberg plötzlich ein 
wichtiger Mann geworden. Als Wirth durfte er sich dem Könige 
nähern, der stets ein geneigtes Ohr für ihn hatte, und gewöhnlich 
in diesen Assemblern in der heitersten Laune war. Daß Eckenberg 
durch Musik, kleine scenische Unterhaltungen, Jongleur- und Esca- 
moteur-Kunststücke die Versammelten besser zu unterhalten verstand, 
als es bisher in den adeligen Häusern abwechselnd geschehen war, 
versteht sich wohl von selbst; so hing denn der Himmel voller 
Geigen; und zwar so voll, daß der König sogar gegen alle bis 
herigen Gewohnheiten die Affembleen sowohl, als die Theatervor 
stellungen bis zum unmittelbaren Beginn der Fasten gestattete. 
Bald darauf verließ Eckenberg wieder Berlin, spielte in Halle 
rc. Comödie und kehrte 1735 nach Berlin zurück. Sein Stall- 
platz-Theater war inzwischen zu einem „Montirungs-Ma- 
gazin umgewandelt worden und er war darum genöthigt, seinen 
Tempel im Rathhause aufzuschlagen. Eckenbergs Glücksstern 
war aber im Sinken; er machte Schulden, verließ Berlin, kehrte erst
        
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