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Volume 28. Oktober 1882, Nr. 5

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

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in der Breitenstraße nur bei Hoffestlichkeiten, sondern jeder Zeit 
Zutritt haben sollte. 
Johann Carl von Eckenberg war der Sohn eines 
Sattlers aus dem Bernburgischen, der anfangs das Handwerk 
seines Vaters trieb, dann eine Seiltänzerin heirathete, selbst Gaukler 
und Jongleur wurde und sich auf seinen Reisen durch Deutsch 
land nach und nach ein Ver 
mögen von 40,000 Thalern 
erwarb. Nach dem „All 
gemeinen Theaterlexikon" 
soll er 1700 geboren sein; 
dem widerspricht aber der 
von uns reproducirte 
Kupferstich*), auf dem es 
heißt: aetatis «uns 32 
Anno 1717, woraus her 
vorgeht, daß er 1685 ge 
boren ist. Welche Be- 
waudtniß es mit seinem 
Adel gehabt, muß dahin 
gestellt bleiben. Er selbst 
behauptete von sich, von 
dem alten freiherrlichen 
Geschlechte derer zu 
Eggenberg abzustam 
men; nach anderen Nach 
richten soll er seinen Adel 
in Schweden im Jahre 
1720 haben 
erneuern las 
sen. 
Vor 1717 
war er nur 
Seiltänzer 
und Jong 
leur , und 
erst in Ber 
lin begann er 
seinen Vor 
stellungen 
auch Schau 
spiele hinzu 
zufügen. Im 
Jahre 1717 
kam der 
starke Mann 
zum ersten 
Male nach 
Berlin und 
gab im 
Charlot 
tenburger 
Schlosse 
vor dem 
Könige eine 
Vorstellung. 
Unter den Kraftproben, die er vor dem Könige gezeigt, wird be 
sonders erwähnt, daß er eine 20 Ctr. schwere Kanone, auf der 
zum Ueberfluß noch ein Trommler saß (s. unsere Illustration) mit 
einer Hand aufhob, und so lange in der Luft hielt, bis er mit 
Iagdbitdrr aus der Mark. 1. Nach Zeichnungen von L. Beckmann. 
*) Anm. der Red. Louis Schneider nennt diesen Kupferstich 
„eine der größten Seltenheiten einer Portraitsammlung." Wir verdanken 
denselben einem Münchener Freund unseres Blattes. 
der andern ganz bequem ein Glas Wein ausgetrunken; ferner daß 
zwei Pferde nicht im Stande waren, ihn von der Stelle zu bringen, 
und daß er nachher dieselben Stricke mit der größten Leichtigkeit 
zerriß, mit denen die Pferde ihn hatten fortziehen sollen. Unsere 
Illustration führt auch diese „Nummer" seiner Kunstleistungen vor 
und außerdem eine ganze Reihe anderer, die sich von selbst erklären 
und die sämmtlich glaub 
lich erscheinen laffen, daß 
er ein mit Niescnkräften 
ausgestatteter „Künstler" 
gewesen ist. 
Wie später Phila 
delphia und neuerdings 
Bosco und Bellachini 
durch unerklärlich schei 
nende, im privaten Leben 
ausgeführte Kunststücke von 
sich reden zu machen und 
dadurch das Publikum zum 
Besuch ihrer Vorstellungen 
anzuregen wußten, so auch 
damals schon der „starke 
Mann". Er benutzte, wie 
die vornehmen Leute da 
mals, die Portechaisen 
und führte einst folgenden 
Scherz mit Portechaisen 
trägern aus. Er hatte sich 
zu einem 
Mittageffen 
tragen laffen 
und ließ die 
Portechaise 
vor dem 
Hause war-. 
ten. Als er 
beim Dun 
kelwerden 
wieder ein 
stieg, sagte er 
zu den Trä 
gern, daß sie 
sich nur zu 
sammenneh 
men möch 
ten, weil er 
viel gegeffen 
und daher 
sehr viel 
schwerer sei. 
Die Träger 
lachten, weil 
sie das für 
einen Scherz 
hielten, wa 
ren aber 
nicht wenig erstaunt, als sie eine so bedeutende Last, wie wohl 3 bis 
4 Männer sonst wiegen mochten, in der Portechaise tragen mußten. 
Eckenbcrg hatte eben mehrere Centner unter seinen Mantel 
genommen und war damit in die Portechaise gestiegen. Fluchend 
über den übermäßig gesegneten Appetit schleppten die Träger 
keuchend ihn fort, bis Eckenberg plötzlich anhalten ließ, mit seinen 
4 Centnergewichten ausstieg, nach kurzer Zeit ohne dieselben wieder 
zurückkehrte und sich weiter tragen ließ. Die Träger glaubten sich
	        
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