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Volume 22. September 1883, Nr. 52

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitung-speditionen und postanstalten für 2 Mark 50 Pf. 
IX. Jahrgang, vierteljährlich zu beziehen. - Jm Postzcitungs-Latalog eingetragen (14. Ilachtrag) unter Nr. 2278. den 22. September 
Nr. 52. Herausgegeben von Emil Dominik. Verlag von Gebrüder Partei in Berlin W. 1883. 
Die erste Novelle. 
Erzählung von kl. n. Stufen. (Schluß.) 
Den 15. Juli. 
Mein in P. begonnenes Tagebuch will ich auch hier 
weiter führen, ich werde da gewiß mehr Stoff haben, als 
zu Hause. — 
Gestern gegen Abend 
kam ich an, alle meine 
Lieben waren auf dem 
Bahnhöfe, wir fuhren 
durch schöne breite 
Straßen; ein breiter Ver 
kehrsweg führt durch die 
Stadt und ist die Puls 
ader jeglicher Geschäfte; 
dort hinein münden alle 
kleineren Straßen, dort 
konzenlrirt sich aller Han 
del, dort hinunter müssen 
alle ^Regimenter, um zu 
ihren Exerzierplätzen zu 
gelangen, dort hinauf 
muß die lernbegierige 
Jugend, denn alle Schu 
len liegen an der breiten 
Straße! Immerfort Le 
ben! Der Onkel wohnt 
im letzten Hause der 
Straße, dann kommt ein 
alterthümliches Thor, 
eine Brücke führt über 
einen breiten trockenen 
Festungsgraben, dann ist 
man im Glacis. — 
Wie wohl mir in der behaglichen Wohnung der Tante 
ist, sie erinnert mich, mit ihrer gediegenen, gemüthlichen Ein 
richtung, an Großmamas Heim; auch Tante Hilda gleicht so 
der Großmama! 
Nachdruck verboten. 
Gesetz v. 11. VI. 70. 
Hier nennt man mich wieder „Thea," wie ichs von früher 
gewohnt, „Agathe" klingt auch so hart, aber „Durchlaucht" 
fand „Thea" und „Thekla" zu ähnlich. — 
Wir saßen Abends 
gemüthlich milde» großen 
Eßtisch, Koufine Annie 
bereitet den Thee; Tante 
Hilda hat mir versprochen, 
ich solle mich später mit 
ihr in die Wirthschafts 
sorgen theilen. Ich mrißtc 
erzählen, wie ich mein 
Leben zu Hause eingetheilt 
hätte, ich wußte kaum, 
wie ich das schildern sollte 
und der Onkel neckte mich, 
mir ginge es, ivie jenem 
jungen Ockonom, der an 
seinen Vater schrieb: 
„Nachdem ich gefrühstückt, 
thue ich bis Mittag 
nichts, die übrige Zeit 
habe ich dann für mich!" 
Der Onkel ist sehr heiter, 
wir bleiben in einem 
Lachen, bei den Mahl 
zeiten lind oft sehe ich 
mich erschreckt um, ob 
„Durchlallcht" nicht mit 
ihrer nervösmatten Stim-- 
me von „mauvais genre“ 
oder bergt, lispeln möchte! 
— Wie hat es doch Annie anders, als ich! — Hier ist die 
Familie den ganzen Tag über in trautem Verkehr! —. 
Vor Mittag kamen heute zwei Herren; des Onkels Ad 
jutant, Lieutenant Berndt und ein Lieutenant v- Werner. In 
prtrr von Cornelius, 
geb. den 23. September 1783, gest. den 6. März 1867. 
Originalzeichnung nach dein Bilde von C. Begas. 
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