Path:
Periodical volume 8. September 1883, Nr. 50

Full text: Der Bär Issue 9.1883

610 
Zur Unterscheidung von der „alten Schloßkapelle, in welcher Friedrich 
der Große getauft worden, führt die unter der Kuppel gelegene den Namen 
„Neue Schloß-Capelle." 
Der Fußboden ist mosaikartig mit den seltensten Marmorarten aus 
gelegt. Der ganze Raum faßt 1500 Personen und enthält unten 700 Sitz 
plätze aus reich vergoldeten, mit rothem Sammet überzogene» Stühlen. 
Stufen von carrarischem Marmor führen zum Altar, dessen Platte, von 
orientalischem Alabaster, auf sechs kleinen Säulen von derselben Alabaster 
art, ruht. Die vergoldete Ueberdachung des Aliars wird von zwei 
Säulen und zwei starken Wandpfeilern, sämmtlich Monolithen (aus einem 
Stück bestehend) von orientalischem Alabaster getragen. Die Alabaster 
blöcke dazu sind ein Geschenk des Vicekönigs Mehmed Ali von Egypten. 
Ueber dem Altar ist in der mit Marmor bekleideten Wand ein 8‘/ 2 Fuß 
hohes Kreuz aus vergoldetem Silber, mit großen Edelsteinen besetzt, ein 
gelassen; man bemerkt darunter Goldtopa,e von 3 Zoll Durchmesser. 
An jeder Seite der Altar-Estrade ist eine Kanzel angebracht, welche, so 
wie der Fußboden, von carrarischen Marmor sind. Zehn pompejanische 
Säulen dienen als Candelaber. Die Bogennischen, Archivoltenzwickel und 
Pfeiler der Rotunde sind mit biblischen Gegenständen und zahlreichen 
Bildnissen in ganzer Figur, in stereochromischer Manier auf Goldgrund 
ausgeführt, bedeckt. 
In den flachen Bogennischen: Vier Scenen aus der Geschichte 
Christi: Austheilung des Abendmahls, genialt von Pfannenschmidt (über 
dem Altar). — Christi Auferstehung, gem. von Steindruck (über der Thür 
rechts). — Ausgießung des heil. Geistes, gem. von Hopsgarten (dem Altar 
gegenüber). — Geburt Christi, gem. von Daege (über der Thür links). 
In den runden Bogennischen: Die 4 Evangelisten Matthäus und 
Marcus, gem. von A. v. Klober. — Lucas und Johannes, gem. von 
Henning. 
In den Archiv oltenzwicke ln: 8 große Propheten und Erzväter: 
Jeremias und Moses, gem. v. Elster. — Elias und Hesekiel, gem. von 
Kaselowsky. — Daniel und Johannes der Täufer, gem. von Stürmer. — 
Samuel und Jesaias, gem. von H. Schultze. 
Auf den8Doppelpseilern sind 96 Bildnißgestalten vertheilt. 1) Die 
Pfeiler der Altarnische: die 12 Apostel, gem. von Herrmann. — 2) Die 
Pfeiler der folgenden runden Nische: die 12 Erzväter, gem. von Holbein. — 
3) Die Pfeiler der Ausgangsthürnische: l2 Könige und Priester des Alten 
Testaments, gem. von H. Schultze. — 4) Die Pfeiler der folgenden runden 
Nische: die 12 kleinen Propheten, gem. von Eich. — 5) Die Pfeiler der 
dem Altar gegenüber liegenden Nische: 12 Hohenzollernsche christliche 
Fürsten, gem. v. Schmidt. (Die Bilder der unteren Reihe sind immer 
zuerst zu betrachten.) Kurfürst Friedrich 11. — Markgraf Georg von 
Ansbach. — Elisabeth die Heilige. — Hedwig die Heilige. — Mittlere 
Reihe: Johann Sigismund. — Markgraf Albrecht von Culmbach. — 
Kurfürst Joachim II. — Herzog Albrecht von Preußen. — König Friedrich 
Wilhelm III. — Kurfürst Friedrich 1. — Louise Henriette. — Kurfürst 
Friedrich Wihelm der Große. — 6) die Pfeiler der folgenden inneren Nische: 
12 Reformatoren, gem. von Eybel. Luther. — Melanchthon. — Calvin — 
Huß. — Wilhelm von Oranien. — Theodor Beza. — Johannes Pome- 
ranus (Bugcnhagen). — Friedrich der Weise, Kurfürst. — A. H. Franke. — 
Spener. — Zinzendorf. — Gustav Adolph von Schweden. — 7) Die 
Pfeiler der Eingangsthürnijche: die 12 ersten christlichen Monarchen, gem. 
von I. Schräder. Carl der Große. — Alfred der Große. — Chlodwig. — 
Constantia der Große. — Wladimir, Großfürst von Rußland. — Mitislaw, 
Herzog von Polen. — Otto der Große. — Heinrich I. — Ludwig der 
Heilige. — Ferdinand von Castilien. — Olaf, Herzog von Norwegen. — 
(Gottfried, König von Jerusalem. — 8) Die Pfeiler der letzten runden 
Nische: 12 Märtyrer des christlichen Glaubens, gem. von Lengerich. Ja- 
cvbus, Bischof von Jerusalem. — Policarp, Bischof von Smirna. — 
Ignatius, Bischof von Antiochia. — Stephanus der Heilige. — Die heil. 
Cäcilia. — Justinus der Philosoph. — Cyprianus, Bischof von Car- 
thago. — Die heil. Katharina. — Albrecht, Erzbischof von Gnefen. — 
Heinrich von Zuiphten. — Kilian, Bischof von Würzburg. — Bonifacius, ; 
Erzbischof von Mainz. 
Die Kuppel von 80 Fuß Bogenspannung ist von einer aus schmiede- ! 
eisernen Sparren construirten Schutzkuppel überwölbt, welche aus einem 
achteckigen Unterbau ruht. Der Unterband der innern Kuppel ist rund, 
und zwischen beiden ein Wendelgang, der bis zur Spitze der Kuppel führt, j 
Zwischen den 24 Fenstern der Kuppel, durch welche ein ruhiges Oberlicht 
einfällt, stützen ebensoviel kollossale Heiligen-Karyatiden das Gesims der 
Wölbung. Ueber dem Gesims der Gallerte und an dem oberen Kuppel 
gesims liest man die acht Seligpreisungen der Bergpredigt. Eine guß 
eiserne Wendeltreppe von 195 Stufen führt in das Portal am Schloßhof. 
Der Zookogische Garten hat wieder eine bemerkenswerthe Bereiche 
rring erfahren. Die Prinzessin Friedrich Karl hat nämlich dem 
Garten zwei sehr seltene Bastard-Exemplare vom gewöhnlichen Fasan und 
vom Königs-Fasan (pba.ckann8 revesii) und einen Königs-Sittich zum Ge 
schenk gemacht. Ein Freund des Gartens, Herr Lehrer Weigel, hat gleich 
zeitig zwei von ihm gezüchtete, sehr gut entwickelte Gesellschaftsvögel 
(komparables) der Gartcnverwaltung als Geschenk überwiesen. An Stelle 
der vor zwei Jahren verstorbenen äußerst seltenen Beisa-Antilope (orz-x 
beisa Eüpp) sind ferner zwei Prachtexemplare dieser nur in Abessinien 
vorkommenden Antilopengattung direkt von Hamburg durch Vermittelung 
des bekannten Thierhändlers und Menageriebesitzers Karl Hagenbeck ein 
getroffen. Die beiden Antilopen sind augenblicklich im Wintergehege, das 
sonst für die Schrauben-Antilove bestimmt ist, untergebracht, wo sie sich 
trotz der ausgestandenen Reisestrapazen sehr wohl zu befinden scheinen. 
Die Hrundftücksverhäktnisse Merlins. Der soeben erschienene 
Verwaltungsbericht des Magistrats zu Berlin über die Haus- und Mieths- 
steuer bringt interessante Zusammenstellungen über die Zahl der Grund 
stücke, Wohnungen re. Diese Ziffern gewinnen jedoch bedeutend an Werth 
durch einen Vergleich mit einer Reihe von vorangegangenen Jahren. 
Wir lassen deshalb nach dem B. B. C. eine Uebersicht der Grundstücks- 
Verhältnisse in den Jahren 1879—1883 nachstehend folgen. 
Zahl 
der 
Grundstiicke 
Gesammtzahl 
der 
Wohnungen 
Von den Gelassen sind 
Miethswerth 
vermiethet 
unvermiethet 
derselben 
fco i 
Mieths 
werth 
Zahl 
Mieths 
werth 
1. Quart. 
1879 
18 702 
265 724 
167 638 412 
245 053 
159 741 834. 
20 671 
7 896 578 
1880 
19 018 
273 987 
166 023 269 
255 479 
158 924 767 
18 508 
7 098 482 
1881 
lg 284 
279 187 
166 727 358 
265 135 
161 341 225 
14 049 
6 386 133 
1882 
19 463 
286 630 
171 156 493 
273 733 
165 866 303 
12 897 
5 290 190 
1683 
19 718 
294 335 
175 942 955 
282 847 
171 137 613 
11 486 
4 805 342 
Aus der vorstehenden Tabelle ergiebt sich eine überraschende Wen 
dung zum Besseren für die Hausbesitzer. Die Zahl der Grundstücke hat 
danach seit dem I. Quartal 1879 um 1016, die der Wohnungen um 
28 611 zugenommen; der Miethswerth der letzteren stieg jedoch um circa 
10 Millionen Mark gegen das I. Quartal 1880. Während im 
I. Quartal 1879 noch 20 671 Wohnungen mit einem Miethswerth von 
7 896 578 Mk. unvermiethet blieben, sind im I. Quartal 1883 nur I I 488 
mit einem Miethswerthe von 4 805 342 Mk. leer. Interessant ist es, 
daß in Berlin 142 Wohnungen resp. Gelasse existiren, welche mehr als 
30 000 Mk. Miethe bringen. Dieselben waren sämmtlich vermiethet. Es 
folgen dann: 
26 Wohnungen resp. Läden ä 27 001—30 000 
32 - - ü 24 001 — 27 000 
56 - - - a 21001 — 24 000 
64 - - ü 18 001 — 21000 
88 - - - k 15 001 — 18 000 
84 - k 13 501—15 000 
von denen ebenfalls Nichts unvermiethet blieb. Erst bei den billigeren 
Miethssätzen zeigt sich eine ansehnliche Zahl von unvermietheten Räum 
lichkeiten, welche jedoch, wie wir oben gezeigt haben, in stetem Rückgänge 
begriffen ist. Hält diese Erscheinung an und dies ist mit Rücksicht auf 
den Einfluß der neuen Baupolizeiordnung als sicher anzunehmen, so 
werden die Miether wohl genöthigt sein, den Hausbesitzern weitere Con 
cessionen zu machen. 
Pum Sladlvahnverkchr. Die Vortheile, welche der Extcrnverkehr, 
der über die Stadtbahnlinie geht, mit sich bringt, sind doch nicht so 
ungetrübte, wie dies im ersten Augenblick zu sein scheint. Es ist aller 
dings für alle Bewohner der an der Stadtbahn gelegenen Stadtheile 
Berlins eine große Annehmlichkeit, von vier') verschiedenen Punkten aus 
abfahren zu können, spart man ja doch außer der Zeit in vielen Fällen 
weite Droschkensahrten. Man sollte nun aber annehmen, daß man auch 
von jeder der vier Stationen — Schlesischer Bahnhof — Alexander 
platz — Friedrichstraße — Charlottenburg — alle die Billetsorten 
erhält, welche auf irgend einem ver genannten Punkte zur Ausgabe ge 
langen. Dem ist aber keineswegs so. Es giebt durchgehende Billets für 
Hin- oder Hin- und Rückfahrt nach weiteren Orten häufig nur von der 
Friedrichstraße aus, nicht aber auf den anderen drei Bahnhöfen, so z. B. 
für die Linie Berlin-Hannover — u. s. w., für welche man direkte Re 
tourbillets von der Friedrichstraße aus erhält, nicht aber in Charlotten 
burg. Was hat für solche Fälle diese Station sür einen Vortheil? Man 
wird ja durch solche Umstände doch genöthigt, vom Centrum aus abzu 
fahren. Sollte es nicht möglich sein, von alle» vier Stationen alle 
Billetsorten zur Ausgabe gelangen zu lassen, die jetzt nur an einer Station 
zu haben sind. Es könnte der jetzige Zustand, der dem großen Publikum 
gewiß unbekannt ist, wohl hier und da sogar nicht unerhebliche Unannehm 
lichkeiten zur Folge haben. F. 8. 
Zwei Prachtbauten der Zlelidenz nähern sich ihrer Vollendung: das 
neue Landwehrzeughaus und das Ethnologische Museum. Beide 
Gebäude, welche bekanntlich in der Königgrätzerstraße, resp. der neu ent 
stehenden Willibald Alexisstraße aufgeführt worden, sind im Bau in letzter 
Zeit erstaunlich weit gefördert worden. Die langgestreckte Front des Land 
wehrzeughauses, eines fünf Stock hohen Gebäudes aus rothem Ziegelstein, ist 
bereit« fertig gestellt, und man konnte schon mit dem Einsetzen der Fenster 
scheiben beginnen, sowie an die innere Decoration des Hauses schreiten, 
welches allem Anschein nach binnen Jahresfrist seiner Bestimmung wird 
übergeben werden dürfen. Längere Zeit wird freilich die Fertigstellung 
des Ethnologischen Museums in Anspruch nehmen. Bis jetzt ist die 
*) Anm. der Red.: Nach neueren Nachrichten soll der „Stadtbahnhof am Zoolo 
gischen Garten" in allernächster Zeit zum Hauptbahn Hof umgewandelt werden. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Emil Dominik in Berlin W. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. — 
Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei in Berlin 8. — Nachdruck ohne eingeholte Erlaubniß ist untersagt.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.