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Periodical volume 8. September 1883, Nr. 50

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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die Wohnung des Abtes gewesen sei. Geräumige Kellereien befin 
den sich unter diesem Gebäude, und ist ein gothisches Gemach ohne 
Mittelpseiler erhalten. Jetzt ist dieser Flügel Dienstwohnung des 
königl. Forstmeisters Herrn Bando, der zugleich Amtsvorstehcr ist. 
Begeben wir uns wieder durch den Kreuzgang, in welchem noch 
eine Console mit einem einen Affen oder Hund darstellenden Haut- 
Relief beachtenswerth ist, nach dem Klosterhof, so kommen wir durch 
eine gegenüberliegende Thür in den westlichen Seitenflügel des 
Klosters, welcher älter als der östliche und vor der Blüthezeit der 
gothischen Baukunst erbaut ist. Mehrere Räume mit hohen flachen 
Bogen, sowie ein gleichartiger hoher Remter mit einem Mittel 
pfeiler drängen zu diesem Schluffe. Wahrscheinlich war hier die 
Klosterküche, worauf die eigenartig gebauten engen Fenster des Rem 
ters schließen lassen. Auch war in diesem Flügel nach der Kirche 
zu an diese Räume sich anschließend das Refectorium, ein Saal mit 
7 Pfeilern, der ganz zerstört ist. Fast der ganze Raum unter den, 
Gebäude war unterkellert. 4 sehr tiefe, theils gothisch gewölbte, 
theils mit Tonnengewölben versehene Keller sind erhalten und werden 
noch benutzt. Sie sind verschlossen und können nur mit Erlaubniß 
des Forstmeisters Bando in Augenschein genommen werden.— 
Uebrigens ist nahe der vorerwähnten Eingangsthür zu diesem Flügel 
an der Decke ein Stück alter Malerei erhalten. Man muß zu diesem 
Zwecke die hölzerne Treppe links vom Eingänge hinaufsteigen. 
Lustig grünt und wächst der Forstgarten über den Resten der 
Vergangenheit. Die Thalsenkung, welche sich in südlicher Richtung 
durch den Forstgarten nach dem Gewächshause, hinzieht, bezeichnet 
den einstmaligen Abfluß des Chorinersees. Erst später haben die 
Mönche eine Straße durch den Berg nördlich vom Forstgarten ge 
graben, um die ihnen oft unbequemen Wassermassen abzuleiten. 
Jetzt sind die Wände dieses Durchstichs mit hohen Bäumen bewachsen. 
Ein anmuthiger Laubengang, der Poetensteig, zieht sich unter ihm 
hin. Unten plätschern die Wasser über das Steingeröll und oben 
rauscht es geheimnißvoll in den Zweigen halbtausendjähriger Ulmen 
und Buchen. — B. H. 
Friedrich Wilhelm Freiherr von Sülow, Gras von 
Oenntmitz. 
(Mit dem Portrait Seite 599.) 
Der Sieger von Großbeeren, Dennewitz, Leipzig und 
Planchenoit wurde am 16. Februar 1755 zu Falkenberg in der 
Altmark als der dritte von fünf Söhnen geboren. Sein Vater 
Friedrich Ulrich Arwegh von Bülow hatte als Lieutenant den 
7 jährigen Krieg mitgemacht, sich dann auf sein Familiengut zurück 
gezogen und mit der Tochter eines Superintendenten vermählt. 
Noch nicht ganz 14 Jahre alt, trat unser Held 1768 in das 
zu Berlin garnisonirende Infanterie-Regiment Braun, — wir 
folgen einer vortrefflichen Biographie BUlow's von Max Jähns — 
avancirte 1772 zum Fähndrich und drei Jahre später zum Sekonde- 
lieutcnant. Der schlachtenlose bairische Erbfolgekrieg bot für Bülow 
keine Gelegenheit, sich hervorzuthun; aber mit Eifer pflegte er zu 
Berlin das Studium der Kricgswiffenschaften und gab sich mit 
Begeisterung der Musik hin. Die letztere besonders trug dazu bei, 
den jungen stattlichen Offizier, der 1786 zum Premierlieutenant 
befördert worden, in den Hofkreisen zur Geltung zu bringen und 
ihm die Gunst König Friedrich Wilhelms ll. zu verschaffen. 1790 
wurde er zum Stabskapitain ernannt. Leichtlebig, anmuthig, von 
Frauengunst beglückt, gehörte er damals zu den tonangebenden 
Cavalieren Berlins. Wie hoch man aber dabei seinen Charakter 
schätzte, beweist die Berufung zum militairischen Begleiter und 
Mentor des Oberstlieutenants Prinzen Louis Ferdinand von 
Preußen. In des Prinzen Begleitung machte Bülow die Feld- j 
züge von 1792 und 93 gegen Frankreich mit und zeichnete sich im 
Laufe der Belagerung von Mainz besonders aus. Er empfing 
dafür den Orden pour Is msrite und wurde am 3. April 1794 
zum Major befördert. 
Bald darauf verließ er den Hof, und erhielt auf seinen Wunsch 
eine Kompagnie der 2. ostpreußischen Füsilierbrigade. Seine 
Garnison wurde ein waldeinsames Dorf bei Soldau, in dem er 
1'/» Jahre lang seinem Dienste und seinen Passionen lebte. 1797 
wurde ihm die Bildung eines neuen Füsilierbataillons in Soldau 
übertragen, 1802 vermählte er sich mit Marianne von Auer und im 
Jahre darauf wurde er zum Oberstlieutenant befördert, blieb jedoch 
an der Spitze seines Soldauer Bataillons. 
Als der Kampf mit Napoleon aufgenommen wurde, blieb 
Bülow mit seinem Bataillon zurück. Doch nur zu bald zwang 
ihn das Unglück des Vaterlandes, das Vorwärtsstürmen der Fran 
zosen, am Kampfe theilzunehmen. Unter Lestocq wies er den 
Versuch Dünnes', bei Thorn die Weichsel zu überschreiten, ab; 
doch am 5. Februar 1807 wurde die von ihm befehligte Vor 
postenbrigade bei Waltersdorf geschlagen und er selbst verwundet, 
so daß er der Eilauer Schlacht nicht beiwohnen konnte. Auch 
am 16. Mai hatte er bei Kahlberg schwere Verluste, so daß sein 
Bataillon fast aufgerieben war. Es hieß: er habe keinGlück. 
In dieser Zeit verlor er seine Frau und verheirathete sich dann 
bald wieder mit seiner Schwägerin, Juliane von Auer. Gleich 
darauf ging er als Adlatus Blüchers nach Stargard ab, und 
wurde am 21. November 1808 zum Generalmajor befördert. 
Bülow konnte sich jedoch mit Blücher nicht stellen und war froh, 
als er aus seiner Stellung beim alten Marschall befreit und mit 
einer Pommerschen Jnfanteriebrigade in Treptow a. R. betraut 
wurde. Als aber Blüchers Hauptquartier hierher verlegt wurde, 
kam's zum offenen Bruch, und Bülow ging zunächst ohne Dienst 
stellung nach Stargard, bis ihm Ende des Jahres 1811 eine 
westpreußische Brigade in Marienwerder gegeben wurde. 
Als die Franzosen aus Rußland flüchten mußten, dachte Bülow 
wie Aork, war nur vorsichtiger wie dieser und wußte die Fran 
zosen wie Russen hinzuhalten. Er erhielt im Februar 1813 den 
Befehl über das oft- und westpreußische Reservekorps, wurde zum 
Generallieutenant befördert und zog am 31. März in Berlin ein. 
Von hier an datirt Bülow's Glanzperiode. 
Der Schlacht von Großbeeren haben wir kürzlich ausführlich 
gedacht. „Mich bekommt Bernadotte nicht gutwillig dazu, daß ich 
über seine Brücke bei Moabit zurückgehe! Unsere Knochen sollen 
vor Berlin bleichen, nicht rückwärts!" sprach Bülow, schlug gegen 
den Willen des doppelzüngigen Bernadotte die Schlacht von 
Großbeeren, und rettete Berlin vor dem Schicksale, das Ham 
burg ein weniges zuvor betroffen hatte. Der König ertheilte ihm 
das Eichenlaub zum Orden pour le merite. 
Napoleon lag jedoch Alles daran, Berlin zu nehmen und 
die Nordarmee zu beseitigen. Er übergab den Oberbefehl über das 
Ouckinot'sche Korps dem Marschall Ney. Auf diesen warf sich 
Bülow. 
Am 6. September 1813 focht er bei Dennewitz, indem er 
dem schwer bedrängten Tauentzien zu Hülfe eilte, mit 10 Bataillonen 
gegen 47 französische, und behauptete sich nicht nur, sondern schlug 
den Feind auf's Haupt. Bülow wurde zum Großritter des eisernen 
Kreuzes ernannt, und der Volksmund nannte ihn nun — „den 
immer Glücklichen." 
Vor Wittenberg entzweite sich Bülow mit dem unsicheren 
Bernadotte, zog aber dennoch gemeinsam mit diesem in die große 
Entscheidungsschlacht von Leipzig und zeichnete sich hier be 
sonders aus. 
Nun erhielt Bülow den ehrenvollen Auftrag, mit seinem Armee 
korps Westfalen und die Niederlande von den Franzosen zu 
befteien; und obgleich sein Korps nach all' den Kämpfen vorher
        
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