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Volume 1. September 1883, Nr. 49

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

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ncrschcn Lehre von der Entstehung unserer Erde, des Neptunismus. 
Ganz allmälig aber wurde aus dem Schüler ein Gegner des 
Meisters. Wie die Umwandlung erfolgte, dies in allen Details 
darzulegen, gehört nicht in den Rahmen unserer Zeitschrift. Durch 
seine eingehendsten Beobachtungen wurde Buch gezwungen, die 
Freiberger Lehre auszugeben. Anfangs, und so noch in seiner akade 
mischen Antrittsrede 1806 mied er mit wahrer Aengstlichkeit jede 
Erwähnung von Wasser- und Feuerwirkung bei einer kurzen Dar 
stellung der Entwicklungsgeschichte unserer Erde; wenige Jahre nachher 
trat er mit ganzer Wärme für seine, die Vulkanistische Lehre ein. 
Wir haben schon erwähnt, daß Buch am 17. April 1806 zum 
Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt wurde; 1812 
wurde er auch preuß. Kammerherr. Im Jahre 1815 besuchte er 
die „Canarischen Inseln". Diese Reise lieferte ihm das Material, 
um eine neue Grundlage über die Natur der Vulkane zu gewinnen, 
und dieselbe bezeichnet dadurch eine neue Epoche in Buch's An 
rufen werden. Auch die Richtung in diesen Erhebungen ist eine 
bestimmte und regelmäßige. Buch unterschied in dieser Beziehung 
vier sogenannte geognostischc Gebirgssysteme in Deutschland, nämlich 
das nordöstliche vom Thüringer Wald bis zu den Sudeten, das 
niederländische mit dem Hundsrück, dem Taunus und dem 
Teutoburger Wald, das rheinische mit den Vogesen, dem Schwarz- 
und Odenwald und endlich das Alpcnsystem, ein kleiner Anfang 
zu jenem großen Netze, mit welchem später äo Lea um ont die 
ganze Erde überspannen zu dürfen glaubte. 
Mit der im Jahre 1826 in 24 Blättern erschienenen „Geo- 
gnostischen Karte von Deutschland", in welche Buch alle 
seine bisherigen geognostischen Untersuchungen, Studien «. s. w., zu 
einem Ganzen verarbeitet eingetragen hat, fanden seine epoche 
machenden Arbeiten in der Haupsache einen würdigen Abschluß. 
Seine Thätigkeit ermattete nicht, sie galt von da ab jedoch 
mehr dem Ausbau seines Systems. Immer griff er zum Wander- 
Urr Eingang zum unterirdischen Ucdriikanat in den Lüdersdorfer Ullikbergen. 
Originalzeichimng von Ernst Hofang. (S. Seite 597.) 
schauungen, ja in der ganzen geognostischen Wissenschaft. Durch 
seinen Besuch der canarischen Inseln war die Theorie der Gebirgs- 
crhebungen wachgerufen und damit der letzte Anker gelockert, welchen 
die neuere Gcognosic noch an die Wernersche Lehre gefesselt 
hielt. 
Aus Buchs „Erhebungstheorie" führen wir hier das wesent 
lichste an: „Die Hebung der Gebirge durch Kräfte, welche aus 
dem Innern der Erde wirkend, gegen die starre Erdrinde kämpfend, 
sie zersprengend, Theile derselben emportreibend, deren Gestalt eigent 
lich begründen, erfolgt in ihrer Hauptlängenrichtung nach der Lage 
von Spalten, aus welchen die hebenden Gesteine hervorbrechen, 
während der in den Hauptkcttcn dadurch erzeugte Druck seitlich 
wirkend eine Menge paralleler Nebenspalten erzeugt und den seit 
lichen Sekundärketten ihr Dasein giebt. Diese gewaltige Bewegung 
kolossaler Gcbirgsmassen bei ihrer Erhebung zu Gebirgsketten mußte 
an den Rändern durch den Seitcndruck eine vielfach geänderte 
Stellung der Schichten bewirken, wodurch in der That Falten, 
Gewölbe oder vielfach gebogene Nebenketten so häufig hcrvorge- 
stab, sobald es ihm Jahreszeit und Gesundheit erlaubten; und immer 
allein und zu Fuß, ein wandernder Einsiedler, »ahm er seine 
Untersuchungen vor. Noch in seinem letzten Lebcnssommcr im Jahre 
1852, sah man ihn sichtlich gebückt, aber noch immer gcislessrisch, 
nach einander auf den Naturforschcrversanimlungen zu Eoblenz, 
Zittau, Metz und Wiesbaden. Er unternahm sogar noch im Herbst 
eine Reise nach Lyon, um mit Daubree das von ihm noch nicht 
besuchte, so interessante Bivarais zu durchwandern. Von hier ging 
er dann nach Paris, und von da für die Wintermonate wieder 
nach Berlin zurück. 
Hier ereilte ihn, nach einem Unwohlsein von nur wenigen 
Tagen, der Tod am 4. März 1853. 
Leopold von Buch war, in Sprache und Schrift, aus einem 
Guffe durch und durch. Wie mild und zart im Wohlthun, wie 
unerschöpflich in reichen Gaben er sich erwiesen, das haben Viele 
erfahren. Die Tiefe seines Gemüths offenbarte er in dem innigen 
Verhältnisse zu seinen Geschwistern. Die Lebendigkeit seines Gefühls 
trat gleich mächtig in der Treue und Anhänglichkeit für das
	        
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