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Periodical volume 25. August 1883, Nr. 48

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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nicht selbst der Stätten ihrer Ahnen erinnern, dann wird für die 
Erhaltung unserer historisch wichtigen Gebäude gar nichts gethan. 
Ich habe oben nur kurz die allerwichtigsten Thatsachen aufge 
führt, welche sich an das alte Spreeschloß knüpfen. All der Schmuck, 
mit welchem der kunstliebende Preußische König Friedrich I. sein 
Schloß ausstattete, ist übertüncht worden und wartet auf die Stunde, 
in der das Schloß die Tage königlicher Pracht wieder erblicken wird. 
Hoffentlich nicht vergebens. Vielleicht sorgt Seine Kaiser 
liche Hoheit der Deutsche Kronprinz einmal für das alte Schloß 
an der Spree. — D. 
Des Deutschen Ordens „Getnetiger" in Scrtin. 
Wohl kann es dem Uneingeweihten Erstaunen erregen, wenn 
man von „Gebietern" oder, wie nun einmal der offizielle Ausdruck 
lautete, von „Gebietigern" des Deutschen Ordens in Berlin spricht! 
Freilich haben dieselben hier in der Mittel-Mark nimmer den 
Heerruf gegen die Ungläubigen erschallen lassen; — freilich haben 
sie auf dem Boden Brandenburgs ihr Blut nicht im Kampfe mit 
Polen und Sarmaten verspritzt! Und dennoch finden sich wun 
dersam edle Grabdenkmäler von Groß - Gebietigern der Ritter 
St. Mariens auch zu Berlin, — allerdings unbeachtet bis jetzt 
trotz der mahnenden Worte aller Geschichtsfreunde! 
Wenn Du, lieber Leser, die Empore, — es ist leider eine 
solche eingerichtet worden, — die Empore linker Hand vom Ein 
gänge, — in der herrlichen Kirche des Berliner Franziskaner 
Klosters betrittst, — wenn Du dieselbe nach dem Chore zu hin 
wandelst, so trifft Du auf einen grauen, an der Wand aufge 
richteten Leichenstein. Unter einer gothischen Maske steht dieser 
Sandstein. Aber er bezeichnet nicht mehr genau die Gruft des 
unter ihm Ruhenden; früher, — vergl. Bellermann, Programm 
des Gymnasiums zum grauen Kloster vom Jahre 1824, S. 56, 
— stand der Stein an einem der Pfeiler der Kirche, und nicht 
gar weit von ihm lag eine Begräbnißplatte in Messingguß. Dies 
Grabmal ist einem der letzten Kämpfer des Deutschen Ritterordens 
zu Ehren errichtet worden. Der graue Sandstein zeigt oben in 
einer spätgothischen Rosette ein Wappen, eine phrygische Mütze 
im Schilde und auf dem Helme, — ein kleines Ordenskrenz ist 
auf einen der Kommissuren der Rosenblätter sinnig angebracht! 
Die auf dem unteren Schilde eingegoffene Inschrift lautet genau: 
„Anno domini mccccexxi (1521) am Ab end t Albani starb 
der Bilwirdig, Erber vnd Christlich Herr Clas von Pach, Wey- j 
landt Groß-Commetor des Ritterlichen Teutschen Ordens, dem 
Got geruch genedig vndt Barmhertzig czu sein. Amen." — 
Doch wir sind, wenn wir auch diese überraschende Entdeckung 
gemacht haben, mit den Monumenten des Deutschen Ordens aus 
dem Preußenlande, welche sich zu Berlin befinden, noch keineswegs 
zu Ende! Es hängt nämlich auf der Südseite der Kirche, an dem ! 
Holzunterbau der Orgel noch eine wundervoll schöne Gedenktafel, 
welche sich auf diesen Deutsch-Ordensgebietiger Klaus vom Bache 
oder „Klas vomme Pache" bezieht. Dies prächtige, in wirklich 
überraschendem Farbenglanze erhaltene Gemälde stellt eine biblische 
Scene dar, die ich nicht genau zu bestimmen vermag. Schon mein 
hochverehrter Gewährsmann bei den vielen, das graue Kloster be- ! 
treffenden Gemälden, schon Johann Joachim Bellermann, hilft sich 
bei der Bestimmung des Gemäldes (Progr. des gr. Klost. v. I. 
1824, S. 38) mit einer sehr unklaren Wendung; er sagt nämlich 
sub XIII: 
„Der Heiland belehrt eine Unterricht Suchende mit vielen den 
Lehrer verehrenden Personen. Ein Weihgeschenk von der Familie 
von Bach vom Jahre 1521." — 
Ich meine, der Vorgang sei ein völlig anderer'. Ein Zettel 
blatt ist rechts auf dem Bilde vorhanden. Freilich kann man's 
nicht lesen; denn das Gemälde ist nach gutem, altem Brauch so 
hoch aufgehängt, daß man die geringeren Details nicht zu erblicken 
vermag. Ich glaube aber, die dargestellte Scene ist diejenige, in 
welcher Christus zu den Frauen von Jerusalem spricht: 
„Weinet nicht über mich, — weinet über euch und über eure 
Kinder!" — 
eine Scene, welche für die Zeit der Entstehung dieses Ge 
mäldes in ganz vortrefflicher Weise passen würde. — 
Denn wir erblicken hier ein Bild aus dem Jahre 1521, — 
aus jener Zeit also, in welcher der Orden bereits tagtäglich den 
Untergang fürchten mußte! Freilich treten sie uns noch wie glän 
zende Helden entgegen, diese beiden in wahrhaft kostbare Rüstungen 
gekleideten Ritter, welche im Vordergründe unseres Gemäldes 
knien! Links vom Beschauer zeigt sich Klas vom Pache, — rechts 
kniet ein Edelherr aus der hochberühmten schwäbisch-fränkischen 
Familie der Truchseße von Westhausen. Es ist der Truchseß Jost, 
Komthur des deutschen Ordens und zu jener Zeit Testamentarius 
des Ritterbundes. Die Malerei des Bildes, — wie mir scheinen 
will, in den Gestalten der Donatoren von ganz vorzüglich begabten, 
— von ganz anderer Hand als sonst in den übrigen Figuren, 
— ist in den Details geradezu bewunderungswürdig; ohne jed 
wede Frage gehört dies, das Grabmal des Großkomthurs Klas 
vom Pache ergänzende Bild, zu den ersten Schätzen unserer 
Berliner Kirchen! 
In meinen „kulturhistorischen Bildern aus der Reichshaupt 
stadt" habe ich Seite 164 gesagt: 
„Sinnend stehen wir vor dieser Tafel und betrachten die edel 
schönen Köpfe der beiden Ritter. Fürwahr! Schwere Zeiten 
waren's, welche diese alten Heroen in dem Orden durchlebt haben, 
— Zeiten, in welchen manch' harter Kamps durchzufechten war! 
Denn auch in dem Schooße des deutschen Ordens glimmte die 
Zwietracht; — bald sollte die große, ruhmvolle Ritterbrüderschaft 
als ein Opfer der neuen Zeit dahin sinken! Da mag's, unter 
solchen geschichtlichen Reminiscenzen Wohl erlaubt sein, unsern Blick 
im Geiste zu den Usern der fernen Nogat hinzurichten." Verlaffen und 
trauernd steht die Marienburg da; ihre Thürme, ihre Mauern 
zeigen die Spuren von manch' einer polnischen Kugel, welche 
während der im 15. Jahrhunderte stattgesundenen Bestürmungen 
aus den „Feldschlangen" auf das hehre Bild der Gottesmutter 
abgeschossen worden ist; — wie trauernd steht in dem mittleren 
Chore der Hochmeisterkirche das musivische Bild der Himmels 
königin da. Nur ein Jahr vergeht noch nach dem Tode des hier 
in der Klosterkirche ruhenden Groß-Komthurs; — da öffnen sich 
die Pforten der Marienburg dem letzten, großen glänzenden Aus 
zuge des deutschen Ordens; Albrecht von Brandenburg, der letzte 
Hochmeister, reitet aus dem „Haupthause des Ordens" zum Nürn 
berger Reichstage hin! Bekanntlich war dies die letzte Versamm 
lung der Reichsstände, welche den Orden der Deutsch-Herren in 
seiner Integrität erblickte. — 
Wie aber, so fragen wir, kamen die beiden „Großgebietiger" 
des deutschen Ordens nach Berlin? Es ist das eine noch unge 
löste Frage; allerdings liegen Vermuthungen sehr nahe. Der 
Orden kämpfte um jene Zeit seinen Verzweiflungskampf mit den 
Polen; er ließ überall werben; er verhandelte mit allen Fürsten 
der Nachbarschaft über Truppendurchzüge; er sendete seine Groß 
würdenträger überall hin, um namentlich baare Unterstützung sich 
zu erbitten. Sicherlich sind der Großkomthur Claus vom Bach 
und der Großmarschall Georg Truchseß von Wetzhausen vom 
Hochmeister Albrecht von Brandenburg mit einer solchen Botschaft 
an deffen Bruder Joachim I. betraut worden. Der Riedel'sche 
Codex giebt nun zwar keinen Ausschluß über diese Angelegenheit; 
wir wissen indeß, daß auch im Jahre 1521 die Pest in Berlin 
geherrscht hat. An- ihr mag der Großkomthur des deutschen 
Ordens plötzlich verstorben sein; der Truchseß von Wetzhausen
        
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