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Volume 25. August 1883, Nr. 48

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

Anno 1240 etwa fanden die blutigen Fehden zwischen den 
Markgrafen Johann und Otto von Brandenburg einerseits 
und dem Markgrafen Heinrich von Meißen um den Besitz der 
Schlösser Cöpenick und Mittenwalde statt. Die Brandenburger 
nahmen Besitz vom Schlosse und hielten hier ihr Hoflager. 
Am 12. Mai 1349 befand sich Waldemar (der Falsche) 
mit den Herzogen Rudolf und Otto von Sachsen und den Fürsten 
Albrecht und Waldemar von Anhalt zu Cöpenick auf dem Schlosse 
und belehnten Bodo und Friedrich von Torgow mit dem Hose zu 
Grube bei Potsdam. 
Anno 1510 etwa geschah's, daß der Ritter v,on Otterstedt 
im Jagdschlösse Cöpenick an die Thür des fürstlichen Schlafgemaches 
die kühnen Worte schrieb' 
Friedrich Wilhelm l. blutend nach Schloß Cöpenick. Bei einer 
Jagdpartie war derselbe von einem Wildschweine stark verwundet 
und hätte sein Leben eingebüßt, wenn ihm nicht einer seiner Jäger 
noch rechtzeitig beigesprungen wäre. 
Am 28. Oktober 1730 trat im „Wappensaale" von Schloß 
Cöpenick das Kriegsgericht zusammen. welches über den Lieute 
nant Katt vom Regiment Gensd'armes, sowie über den „de- 
sertirtcn Oberstlieutenant Fritz" Urtheil sprechen sollte. 
Dieser Wappensaal (auch „Orgelsaal" geheißen) ist zwei Treppen 
hoch gelegen und blickt mit seinen Fenstern auf die Spree hinaus. 
Bon 1749—1782 bewohnte Schloß Cöpenick die verwittwete 
Erbprinzeß von Würtemberg, geborene Prinzeß von Brandenburg- 
Schwedt. Sie starb hier und ruht in der Gruft der Kapelle. 
Schloß Cöpenick. 
Originalzeichnung nach einem Stahlstiche aus dem Anfang dieses Jahrhunderts. (S. Seite 582.) 
Jochimken, Jochimken höbe dH, 
Wo wi di krigen, do hängen wi dH. 
Hier weilte der prachtliebende Joachim II. mit der Anne 
Sydow und hier starb dieser Fürst am 3. Januar 1571. 
Anno 1631 hatte Gustav Adolf, der Schwedenkönig im 
Schlosie zu Cöpenick sein Hauptquartier aufgeschlagen, und von 
hier aus begannen die Verhandlungen mit dem schwankenden Kur 
fürsten George Wilhelm, dem Schwedenkönige die Festungen Küstrin 
und Spandau einzuräumen und Partei zu ergreifen. 
Anno 1658 wurde vom Großen Kurfürsten ein alchy 
mistisches Laboratorium, eine Goldmacherwerkstatt, in dem verfallenen 
Gebäude eingerichtet, in dem einst Kurfürst Joachim den selbster 
legten Hirsch aus reichbesetzter Tafel gehabt hatte. 
Im Jahre 1682 bezog Kurprinz Friedrich mit seiner ersten 
Gemahlin, einer geborenen Prinzeß Elisabeth Henriette von Hesien, 
das neugebaute Schloß. Im folgenden Jahre, am 7. Juli 1683, 
starb die junge Frau, wie der Hosklatsch sagte, vergiftet durch 
die Stiefmutter des Kurprinzen, durch die Kurfürstin Dorothea. 
Am 15. Januar 1729 schleppte man den Soldatenkönig 
1804 gelangt Cöpenick in den Besitz des Grafen von 
Schmettau, des „Karten-Schmettau," von dem man sich erzählte, 
daß er der Liebhaber der Prinzeß Ferdinand gewesen sei. 
1811 gelangte das Schloß wieder in den Besitz des Staates, 
und wurde anno 31 zum Gefängniß degradirt. Hier befanden sich 
in jener trüben Zeit die „Demagogen" in Untersuchungshaft. 
Uebermuth hatte gefehlt, und Mangel an Muth hatte zu Ge 
richt gesessen. 
Und nun — seit 1852 — hat die Pietätlosigkeit unserer 
Zeit vollends den Sieg davongetragen. Das alte Hohenzollern- 
schloß ist zum Schullehrer-Seminar gemacht worden. Das 
Institut wurde in dem gedachten Jahre aus der Stadt Potsdam 
nach Cöpenick verlegt. 
Schloß Cöpenick ist eine verschollene Existenz geworden, so wie 
Oranienburg und viele andere Stätten der Brandenburgischen Ge 
schichte. Pietät gegen die historisch wichtigsten Oertlichkeiten der Mark 
ist eben nicht unsere stärkste Seite. Wenn unsere Herrscher sich
	        
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