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Periodical volume 25. August 1883, Nr. 48

Full text: Der Bär Issue 9.1883

vereint sind, repräsentiren auch den Styl seiner Zeit. Dieser war j 
aus Frankreich überkommen, aber der große König hatte einen sehr 
hervorragenden Antheil an der weiteren Entwickelung desselben in 
den Prachtbauten, die unter seiner Regierung ausgeführt wurden 
und für die er zum großcü Theile die leitenden Motive angab. 
Die Räume, in die man aus dem Zimmer der Königin Friederike 
Louise tritt, die sogenannte Porzellan-Kammer, die daran stoßende 
Porzellan-Galerie und die dahinter gelegenen drei Rcliguicn-Ge- 
mächer sind auch ein prägnanter Ausdruck des Styles derselben. 
Darüber und gleichsam zur Einführung in diese Zeit ist im Fenster 
des Porzcllanzimmers die Kolossalbüste Friedrichs des Großen auf 
gestellt, welche zu der Reitersigur des Königs am Denkmal unter 
den Linden zum Modell 
gedient hat. Die Wände 
dieser beiden Oertlichkeiten 
sind durchgängig boisirt, in 
mattem hellgrünen Ton 
gehalten, von dem sich un 
zählige größere oder klei 
nere in Holz geschnitzte 
Konsolen in den anmuthig- 
sten phantasiereichsten Ro- 
kokkoformen abheben. Diese 
Konsolen tragen Basen, 
Platten, Schüsseln, Kannen, 
Tassen, Figuren von altem 
chinesischen und Meißener 
Porzellan in jeder Form 
und in mannigfaltigstem 
Umfange, zum größten 
Theil aber chinesisches Por 
zellan. Unter diesem be 
finden sich die kostbarsten 
und ältesten Stücke. Von 
den großen in der Por- 
zellankammcr und der Ga 
lerie auf dem Boden stehen 
den Vasen sind namentlich 
diejenigen, welche den Hund 
des Fo, d. h. das Wappen 
des Kaisers von China auf 
dem Deckel zeigen, von 
geradezu unschätzbarem 
Werthe. Diese Sammlung 
wird nur noch von der 
jenigen des großen Por 
zellansaales im Schlosse 
Charlottenburg überboten 
und außer dem preußischen 
Hose möchte kein anderer Europa's eine so reiche und kostbare 
Kollektion von altem chinesischen Porzellan auszuweisen haben. 
Sie stammt zumeist aus Holland und ist ihr Hauptbestand wohl 
auf die Erbschaft zurückzuführen, welche König Friedrich I. von 
seiner oranischen Mutter gemacht hatte. 
In der Mitte der Galerie führt eine Thür in die dem An 
denken des großen Königs geweihten Gemächer. Aus dem mit 
telsten tritt man in das 
A. Blaue Zimmer. 
Bon dem Gemache selbst ist durch eine Balustrade mit zwei 
Flügeln ein Alkoven abgetrennt, der zum Schlasraum diente. 
Diese Balustrade, dunkelblau im Tone mit goldenen Verzierungen, 
erinnert an das Schlasgemach Friedrichs des Großen im Stadt 
schlosse von Potsdam. „Bon der Wiege bis zum Grabe" kann man 
hier beim Anblick der ersten und der letzten Ruhestätte des großen 
Königs sagen, von der hölzernen Wiege, welche den im Schlosse 
von Berlin geborenen Prinzen empfing, bis zu dem großen weiß- 
lackirten Lehnstuhl mit dem rothseidcnen Pfühl und der Decke, 
welcher im Schlöffe von Sanssouci zum Todtenlager des großen 
Königs geworden war. Dieser Stuhl war nach dem Ableben des 
Königs durch ein Geschenk seines Nachfolgers an seine Schwester, 
die Prinzessin Amalie und von dieser in Privathände gekommen, 
aus denen er im Jahre 1810 wieder in königlichen Besitz zurück 
kam. Mit diesen rothseidenen Kissen wurde der von Fieberfrost 
geschüttelte Monarch in seinen letzten Stunden zugedeckt. Die 
eiserne Bettstelle, zur Seite des Stuhles, hatte der große König im 
siebenjährigen Kriege als 
Feldbettstelle benutzt. Hier 
lag er auch als Leichnam 
in der Uniform des 1. Ba 
taillons Leibgarde auf einem 
schwarzen ausgebreiteten 
Bahrtuche, als am 17. Au 
gust 1786 Morgens 11 Uhr 
die Offiziere der Garnison 
gekommen waren, um die 
Parole zu holen. Und 
als ob noch vor seinem 
unsterblichen Schatten einer 
der Soldaten, die er zum 
Kampf und Sieg geführt, 
hatte, salutirend Wache 
hielte — ist in demselben 
Alkoven die Figur eines 
Grenadiers des Regiments 
von Kleist in der Original- 
Montur und Ausrüstung 
jener Zeit aufgestellt. Das 
wcißlackirte, mit goldenen 
Verzierungen versehene Pa 
radebett mit den grün 
seidenen goldbetreßten Bett 
vorhängen ist aus dem 
Neuen Palais in Potsdam 
entnommen. Demselben 
Palaste entstammen auch 
die sechs Fauteuils und 
zwei Tabourets, an deren 
Ueberzügen man noch den 
kostbaren Lyoner Stoff er 
kennt, rothe Chcnillenblu- 
mcn auf Silberstück gear 
beitet. Der roth und grüne 
Smyrna-Teppich, welcher den Boden bedeckt, ist derselbe, der auf den 
marmornen Fliesen des runden Speisesaals in Sanssouci lag und von 
Adolf Menzel in seinem berühmten „Die Tafelrunde Friedrichs des 
Großen" darstellenden Bilde gemalt war. Das Möblemcnt des Ge 
maches vervollständigt ein Kaminschirm von reich geschnitztem und 
vergoldetem Holz mit einer wollenen Stickerei, einer Arbeit seiner 
Schwester, der Markgräfin von Schwedt. Die Mitte des großen 
Glasschrankes an der den Fenstern gegenüberliegenden Wand 
nimmt außer zwei rothsammctcnen goldbordirten Pagenanzügcn, 
mehreren Sätteln, welche der große König benutzt hatte, darunter 
auch seinem Campagnesattel, das Lieblingspferd seiner letzten 
Lebensjahre, ein Wallach, von Haar ein Fliegenschimmel, ein. 
Das Thier kam im Jahre 1777 aus England und als es der 
König zum ersten Male probirt hatte, war er damit so sehr zufrieden, 
daß er ihm beim Absteigen den Namen „Condü" gab. Der 
Friedrich der Große. 
Nach dem Gemälde von Pesne aus dem Jahre 1742.
        
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