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Periodical volume 18. August 1883, Nr. 47 Beiblatt zur Illustrirten Berliner Wochenschrift Der Bär

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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Der "Aär. 
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von jedem Annoncen-Bureau 
angenommen. 
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Redacteur: Verlag: 
* 
IX. Jahrgang. Nr. 47. 
1 
«Emil Dominik. Gebrüder paetel. 
Werlin, 18. August 1883. 
¥ 
Berlin W. 35, Lützowftraße Nr. 7. 
sagen bekannt ist — eröffnet wurde. Der spekulative Doebbelin hatte, 
da im Sommer sein Theater in der Behrenstraße zu schwach besucht ivurde, 
den Gedanken gefaßt, ein Soinmertheater (damals in Berlin etivas gänzlich 
Unbekanntes) zu gründen. Dasselbe wurde im Gräflich Reussischen Garten, 
welcher auf dem heutigen Grundstück der Königlichen Thierarzneischule ge 
legen war, errichtet; der Zuschauerraum befand sich unter einem großen 
Zeltdache, die Wände des Auditoriums waren grüne Hecken, den Dekora 
tionen fehlten die Soffiten, und der Vorhang war nach rechts und links 
zum Auseinanderziehen. Die Btusik hatte Doebbelin unter einem großen 
„Parapluie" postirt, und das Publikum der angrenzenden Kaffeegärten 
hörte den Gesang der Demoiselle Niclas ohne Entröe. Ueber dem Theater 
war der freie Himmel, und Mutter Sonne übernahm die Beleuchtung 
der Scene ohne weitere Unkosten. Dieses Sommertheater wurde Sonntag, 
den 13. Juli 1783 mit einem Prologe eröffnet, der augenscheinlich aus 
der Feder Theophil Doebbelin's selbst floß, und von Demoiselle Maxi 
miliane Karoline Doebbelin gesprochen wurde. Wir geben nur den An 
fang der sehr langen poetischen Ansprache, um dem Leser eine Probe der 
damals üblichen und sehr beliebten „Prologe" und „Epiloge," sowie von 
der dichterischen Ader des alten Berliner „Theatcrvaters" zu geben: 
„Willkommen im Grünen, Ihr Damen und Herr'n, 
So zahlreich als möglich! Wir sehen es gern! 
Und laden Euch Alle feierlichst ein 
Den neuen Tempel einzuweihn. 
t ier sei von Euch beschützt, mit Sorgen unbekannt 
halien's Sommer-Vaterland. 
Nehmt Theil an ihrem Wohl! Nehmt Theil an ihren Schmerzen! 
Stimmt ihrer Thräne bei, und lacht zu ihren Scherzen. 
Pflegt und ermuntert sie, sprecht zahlreich bei ihr ein, 
Ihr ganz Bestreben ist, des Beifalls würdig sein ! ! — 
Die erste Vorstellung war außerordentlich besucht gewesen, die zweite, 
am nächsten Sonntag, ain 20., war drückend voll. Doebbelin, voll Ent 
zücken über die Einnahme, wirft hinter den Coulissen ein Stegreifgedicht, 
voller Schwulst unb Ueberschwänglichkeit aufs Papier, das er am Schluß 
des Stückes dem Publikum vorträgt. Das erste Stück, welches an 
dem besagten 13. Juli zur Aufführung kam, war die Operette „Der 
Kapellmeister;" diesem folgte am 20. die „Jagd." Die solgende Woche 
aber war das Sommertheater leer, denn die Zuschauer vertrieb der Regen; 
das Zelt senkte sich, es regnete durch. Am 26. Juli wurde auf Ver 
langen der verwittweten Herzogin von Braunschweig „Die schöne Arsens" 
nach dem Französischen des Monsigny, Musik von Andre, gegeben. Das 
Sommertheater war gesteckt voll. Zwar war die Herzogin selbst lvegen 
Krankheit verhindert zu kommen, aber Prinzessin Auguste, Friedrichs des 
Großen Schwester, erschien, begleitet von der Herzogin Friedrich von 
Braunschweig und der Prinzessin Ferdinand, denen der schlaue Doebbelin, 
ein echter Theaterprinzipal, einen höchst feierlichen Empfang bereitete. 
Er ließ Prinzessin Auguste von zwölf als Genien verkleideten Knaben und 
Mädchen, welche (am hellen Tage) Fackeln trugen, und ihr Blumen 
streuten, feierlichst auf ihren Platz geleiten, und hauchte vor den erlauchten 
Damen seine Gefühle in überschwänglichster Weise in höchst schwungvollen 
Versen aus. Uebrigens ist dies wohl der erste und einzige Fall, daß 
Prinzessinnen und Verwandte des Preußischen Königshauses ein derartiges, 
völlig primitiv eingerichtetes Theater besucht haben. 
Berl. Börs.-Courier. 
Irr Ucuvau des Abgeordnetenhauses. Bon dem gegenwärtigen 
Stande des Projekts eines neuen Dienstgebäudes für das Haus 
der Abgeordneten machte der Präsident von Köller dem Abgeord 
netenhaus« die nachstehende Mittheilung: Danach hatte am 28. April in 
den Geschäftsräumen des Ministeriums des Innern eine Konferenz der 
Gesammtvorstände beider Häuser des Landtags mit dem Reffortminister 
statt. Ein Bedürfniß anderweiter Geschäftsräume für das Herrenhaus 
hat sich nicht ergeben, der Neubau hat also nur die Bedürfnisse des Ab 
geordnetenhauses zu berücksichtigen. Bezüglich des Bauprogramms wurde 
gegen die vom Präsidenten gemachten Angaben über das Bedürfniß an 
Geschäftsräumen und die Bertheilung derselben aus die einzelnen Geschosse 
Erinnerung nicht erhoben; bezüglich des Bauplatzes wurde zunächst 
die Anfertigung einer Bauskizze für erforderlich erachtet. Diese 
Skizze ist sofort angefertigt und dem Minister am 6. Mai übersandt 
worden. Späterhin sind aus dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten 
ebenfalls Skizzen dem Minister des Innern zugesandt worden. Nähere 
Mittheilungen hierüber werden beim Gesammtvorstände noch erwartet. 
Srief- und Fragcliasten. 
Berlin's Standbilder. Um ein niöglichst genaues und vollständiges 
Verzeichniß aller in Berlin und Charlottenburg vorhandenen Stand 
bilder herzustellen, erbitten wir uns die freundliche Mitarbeit unserer 
Leser. In das Verzeichniß sollen ausgenommen werden alle Denkmäler, 
Standbilder und Büsten auf öffentlichen Plätzen, Straßen, an 
! öffentlichen oder Privat - Gebäuden, in Kirchen, Museen, 
Bibliotheken und aus Kirchhöfen. Wichtig sind für uns vor allem 
I Angaben über die weniger bekannten derartigen Denkmäler in oder an 
i Gebäuden und auf Kirchhöfen. 
Mit anzugeben bitten wir den genauen Standort und wenn 
möglich den Namen des Künstlers, der das betreffende Denkmal geschaffen, 
und den Tag der Enthüllung. 
Inhalt. 
Ein Abenteurer am Hofe König Friedrich Wilhelnis I., vaterländische 
Erzählung von Th. L. M. (Fortsetzung); Der Kaiserpokal im Berliner 
Rathhause von Ernst Friede! (mit Illustration); Professor Ilr. Heinr. 
Brugsch-Bey (mit Portraits; Vor siebzig Jahren (mit einer Illustration 
„Die Schlacht bei Großbeeren von Ludw. Burger"); Eine Fehde der 
Pfuel von W. Sternbeck; Ueber die Rückkehr der Sommerausfiügler; 
Berliner Sommertheater; Neubau des Abgeordnetenhauses. Brief- und 
Fragekasten. Inserate. — 
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