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Periodical volume 18. August 1883, Nr. 47

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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alter manchmal das Schwert ergriffen, um begangenes Unrecht zu 
bestrafen. Selbst die Thaten der Quitzows sind, in rechtem 
Licht betrachtet, gar nicht so verdammenswerth zu nennen, als sie 
uns einige Chronisten zu schildern suchen, die fast ohne Ausnahme 
dem geistlichen Stande angehörten, dessen Freunde die Quitzows 
in keinem Falle gewesen sind. Im fünfzehnten Jahrhundert und 
auch noch später sah noch jeder Edelmann, Bürger und Bauer 
eine Fehde unter bestimmten Voraussetzungen als etwas selbstver 
ständliches und erlaubtes an; und wer sich einmal die Mühe ge 
geben hat, irgend ein Stadtarchiv eingehend zu durchforschen, der 
wird gestehen müffen, daß nicht immer der Adel es gewesen, der 
einen Streit angefangen, sondern daß die Bürgermeister, Rath 
mannen und Bürger in den Städten oft aus bloßem Uebermuth 
Anlaß zu Feindseligkeiten gegeben oder zuerst zur Wehre gegriffen 
haben. Oft waren aber auch die Ursachen zu Fehden solcher Art, 
daß man sie sogar heute entschuldigen müßte, ebenso, wie man dem 
Zweikampf das Wort redet. Eine solche Fehde soll nun hier ihren 
Platz finden. 
Ein Hans von Pfuel war aus irgend welchen Ursachen im 
Jahre 1481 von den mecklenburgischen Herzogen mit den Ritter 
gütern Groß-Schönfeld und Carpin im Lande Stargard be 
lehnt worden und auf besonderes Ansuchen des Markgrafen-Statt- 
halters von Brandenburg, Johann, welcher den Pfuels, wegen 
der Verdienste ihrer Heimgegangenen Väter, sehr zugethan war, 
ertheilten die Herzoge den übrigen Pfuels die gesammte Hand an 
den Lehen des Hans von Pfuel in Mecklenburg. Als Letzterer 
aber gestorben war und keine männlichen Leibeserben hinterlassen 
hatte, zeigten die Herzoge nicht übel Lust, die Güter Groß- 
Sch',önfeld und Carpin als ihnen heimgesallene Lehen zu er 
klären und einzuziehen. Nur den Bemühungen des Markgrafen 
Johann gelang es, die Herzoge von ihrem Vorhaben abzubringen 
und sie zu bewegen, einen Vetter des Verstorbenen, Friedrich 
von Pfuel (wahrscheinlich ein Sohn des Bertram von Pfuel, 
erbsessen auf Ranfft bei Freienwalde a. O.) mit den erwähnten 
Gütern zu belehnen. 
Friedrich v. Pfuel nahm nun seinen Aufenthalt in Groß- 
Sch önfeld, einem Gute unweit der Brandenburgischen Grenze. 
Hier lernte er ein Fräulein Anna v. Bibow, die Tochter eines 
Hans v. Bibow auf Möllendorf bei Stavenhagen, kennen 
und verlobte sich mit derselben. Aber auch von anderer Seite 
muß um die Hand der jungen Dame angegangen worden sein, 
und dieser Umstand den Friedrich v. Pfuel in unangenehme 
Händel verwickelt haben, denn wir sehen ihn bald darauf beim 
Kurfürsten Johann Rath und Beistand suchen. Kaum hatte er 
aber das Land verlassen, als ihm auch schon die Herzöge notifi- 
ziren ließen, daß sie das Fräulein Anna v. Bibow mit einem 
Hans v. Oldenburg verlobt hätten. Letzerer gehörte einer im 
Mecklenburgischen hochangesehenen und mit vielen Gütern ange 
sessenen Familie an, ein Umstand, der Wohl entscheidend bei den 
Entschließungen der Herzöge gewesen sein mag. 
Wie schon so oft, verwandte sich auch dies Mal wieder der 
Kurfürst Johann für den Pfuel. Er bat die Herzöge, doch 
das Fräulein Anna v. Bibow nicht zu einer Heirath zwingen 
zu Wollen, da sich dasselbe schon mit Friedrich v. Pfuel ver 
lobt hätte, aber so eindringlich auch der Fürst schrieb, er konnte 
die mecklenburgischen Herzoge nicht umstimmen. Die v. Olden 
burg, ihre vielen Vettern und Freunde, wogen schwerer als alle 
vernünftigen Gründe und Bitten des Kurfürsten Johann, und 
so erhielt er den Bescheid, daß der Friedrich v. Pfuel die 
Anna v. Bibow nicht mehr erhalten könne, da schon der landes 
herrliche Consens zu ihrer Heirath mit dem Hans v. Oldenburg 
ertheilt sei. 
Als der gekränkte Friedrich v. Pfuel sah, daß Kurfürst 
Johann nicht vermögend sei, von den mecklenburgischen Herzögen 
die Zurücknahme der Verfügung in Betreff gedachter Heirath zu 
seinem Gunsten durchzusetzen, andere Hilfsmittel ihm auch nicht 
zu Gebote standen, da sandte er den Herzögen in der Pfingst- 
woche des Jahres 1498 einen Absagebrief, dem er gleich die 
That folgen ließ. Er forderte seine vielen Vettern und Freunde 
zum Beistand zu einem Fehdezuge gegen die Mecklenburger auf, 
den diese um so bereitwilliger zusagten, als ein Fehdezug einer 
Dame wegen schon anfing zu den Seltenheiten zu gehören. Auch 
war man sich Wohl bewußt, der ritterliche Kurfürst Johann 
werde nicht allzuviel Aufhebens eines kleinen Straußes wegen 
machen, bei dem es sich um ein Edelfräulein und das gekränkte 
Recht eines seiner angesehensten Vasallen handele. 
Zwar warnte der Senior der Familie, der Melchior v. Pfuel, 
Hauptmann zu Zossen und Schirmvogt des Klosters Friedland, 
aber man wußte nur zu gut, daß er es seiner Stellung wegen 
that, im Uebrigen aber und im Geheimen seiner Vetterschaft alles 
Glück auf den Weg wünschte. 
Ein lustiger Ritt muß es gewesen sein, als die geharnischten 
und behelmten Ritter mit ihren munter und verwegen dreinschauenden 
Knechten durch den Werbellin und die große Kienheide die Havel 
hinauf, die alte Heerstraße benutzend, der mecklenburgischen Grenze 
zuzogen. Solch' kriegerische Gestalten hatte dieser Weg schon sehr 
oft gesehen; die Herzoge der Wenden und zu Mecklenburg und die 
von Pommern, wie die Grafen von Lindow und Ruppin waren 
nur zu oft durch diese Gegend gekommen, wenn es sich um einen 
Raubzug gegen die Mark handelte. Und die brandenburgischen 
Fürsten mit ihren Mannen hatten es den alten Erbfeinden auf 
demselben Wege sehr oft mit Zinsen und Zinseszinsen heimgezahlt. 
Die alten Buchen, Eichen und Föhren wiegten mit ihren Wipfeln und 
schienen zu den unter ihnen durchziehenden märkischen Rittern einen 
Gruß zuwerfen zu wollen. Nicht enden wollte der Wald und der Weg, 
für die ungeduldigen Ritter, die einem ihrer Genossen zu seinem 
Rechte durch ihr Schwert verhelfen wollten, viel zu lang. Endlich 
überschritt man die Grenze und lustig ging es nun ins Mecklen 
burger Land hinein. Vor allen hatte man den Heinrich und 
Hans v. Rieben, erbseffen aus Schönhausen und Voigtsdorf 
(zwei Rittergüter dicht an der Grenze, unweit Stargard in der 
Uckermark), einen Besuch zugedacht, welche Herren, wie es scheint, 
bei der Verheirathung der Anna v. Bibow ihre Hand im Spiele 
gehabt und zu den besonderen Feinden des Friedrich v. Pfuel 
gehörten. Obgleich die Ankunft der märkischen Ritter in unge 
wöhnlich großem Zuge nicht unbemerkt geblieben war, so passirte 
es den v. Rieben doch, daß sie von den märkischen Rittern auf 
ihrem Schlosse unversehens angegriffen und nebst ihren Leuten 
tüchtig ausgeklopft wurden. Nach diesem Coup zog Friedrich 
v. Pfuel mit seinen Genoffen wieder nach der Heimath zurück. 
Als die That ruchbar geworden war und die v. Rieben 
sich über den Pfuel'schen Ueberfall bei ihren Herzögen be 
klagten, waren diese aufs Aeußerste ergrimmt auf den kühnen 
märkischen Edelmann und seine Helfershelfer. Sie forderten den 
Kurfürsten Johann auf, den Friedrich v. Pfuel zur Verant 
wortung zu ziehen, erklärten diesen seiner mecklenburgischen Lehen für 
verlustig und erwirkten bei dem Kaiser die Achterklärung gegen ihn. 
Der Kurfürst Johann muß aber wohl angenommen haben, 
daß Friedrich v. Pfuel durch den Verlust seiner Güter schon 
genug bestraft sei, denn er ließ ihn unbehelligt, was diesen bewogen 
haben mag, mit seinen Streifzügen ins Mecklenburgische fortzu 
fahren, denn wir finden ihn im folgenden Jahre (1499) abermals 
auf einem solchen, ohne daß aber dabei von ihm Land und Leuten 
außer der Beängstigung, ein Schaden zugefügt wurde. 
Nichtsdestoweniger sollte Friedrich v. Pfuel diesmal nicht 
so leichten Kaufs davon kommen. Hätte er den Charakter des 
neuen Herrn, der inzwischen in Brandenburg zur Regierung ge 
kommen war, besser gekannt, so würde er sich wohl gehütet haben.
        
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