Path:
Volume 28. Juli 1883, Nr. 44

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

537 
ragendsten theatralischen Schöpfung des 19. Jahrhunderts" verdrängt 
wird. 
Ein zweites neues Theater, eine zweite Operettenbühne ent 
steht im Herbst d. I in den Räumen des bisherigen Walhallatheaters 
in der Charlottenstraße. 
Das „Walhallatheater" beginnt am 1. September seine Vor 
stellungen mit der hier noch nicht zur Ausführung gelangten Offenbach'schen 
Operette, „Die Töchter des Tambourmajors". Es wird dann die eben 
falls dreiaktige Operette „Der Schelm von Bergen" von Brande! folgen. 
Weiter sind von Herrn Direktor Großkopf „Roi Piccolo" von Lecocq, 
„Die Zwillinge" und „Der Graf von Monte Christo" von Pleininger, 
sämmtlich dreiaktige Operetten erworben, und es sind Verhandlungen mit 
Franz von Suppe zur Erwerbung von „Leichte Kavallerie" für das 
Walhallatheater eingeleitet. Die Tete des Gesangspersonals bilden die 
graziöse Helene Meinhardt, die lustige und talentvolle Jenny Stubel, Cerline 
Drucker, Anna Schildert, Karl Drucker, Ferd. Schütz und Wilhelmi. Auch 
soll Max Schulz für diese Bühne engagirt sein, ebenso Kapellmeister 
Pleininger. 
Das „Walhallatheater" liegt so günstig, daß ein Erfolg bei nur 
einigem Glück in der Auswahl der Novitäten nicht ausbleiben kann. Und 
an Operettennovitäten mangelt es ja nicht. Lacome, der Komponist von 
„Jeanne, Jeannette und Jeanneton", hat eine neue Operette „Madame Bo- 
niface" geschrieben, Adam schrieb „La dormeuse eveillee“, Noöl und Treson 
„Luneda Miel" und de Lasarte seinen „Coeur-König". — D. 
Ileöer die Berliner Kygieneausstellung tauchen doch allmählig in 
der Berliner Tages-Presie andere Meinungen auf, als die kritiklosen 
Lobhudeleien zur Zeit der Eröffnung. Diese langweiligste Ausstellung, 
welche Berlin je gehabt, wird im „Kl. Journal", wie folgt, beurtheilte 
Der Prämiirungszauber bei der Hygieneausstellung — die Auszeichnung 
einer Firma, welche gar nicht ausgestellt hatte — wird nunmehr dahin 
aufzuklären versucht, daß ein — Schreibfehler vorliege. Die „V. Z." 
meint darüber: „Die Firma Paul Hosemann-Berlin, welche sich Anfangs 
zur Ausstellung gemeldet hatte und in den Katalog unter Nr. 74 registrirt 
worden war, zog ihre Meldung später zurück. An Stelle dieser Firma 
trat dann die Firma Cochius und Kühn-Berlin. Durch ein Versehen des 
betreffenden Beamten ist nun aber aus Nr. 74 in die offizielle Prämii- 
rungsliste statt Cochius und Kühn, welche die silberne Medaille erhalten 
haben, die Firma Paul Hosemann eingetragen worden." Nun, solch ein 
Irrthum hat immerhin sein Bedenkliches — cs kann sich leicht ein Jn- 
jurienprozeß gegen die Jury daraus entwickeln. Denn eine Beleidigung 
ist es offenbar, Jemanden zu prämiiren, weil er nicht erschienen ist! 
Es ist das ungefähr dasselbe, als ob man die Erbauer der Halle für die 
— fehlende Ventilation prämiirt hätte. Seit einigen Tagen ist freilich 
etwas wie Ventilation vorhanden in dem Palast von Eisen und Stein. 
Es werden nämlich täglich Mittags von einem Glaser mehrere Scheiben 
aus den Fenstern gebrochen uitd Abends fein säuberlich wieder eingekittet. 
Durch die so entstandenen Oeffnungen zicht's nun in der Ausstellung. . 
In die Ausstellung zieht's schon lange nicht mehr — wenig- I 
stetig nicht vor 6 Uhr Nachmittags. Das erklärt sich aus der That 
sache, daß der Ausschuß auf seinen Lorbeern auszuruhen beliebt. So viel 
auch von Seiten des hygienischen Cafetiers geschieht, um das Publikum 
Abends hinaus zu locken' — und man mutz zugeben, daß es Herr Bauer 
weder an Kosten noch an Mühe fehlen läßt! — so unglaublich wenig thut 
der Ausschuß, um für die Ausstellung selber das Interesse wach zu er 
halten. Da waren im Anfang einige schüchterne Versuche, auch nicht eben 
mit Chic angefaßt, und nun, seit Wochen, wird nicht einmal mit Ver 
suchen gearbeitet. Ganz besonders dienlich ist dem Ausschuß die Stellung, 
die er der Presse gegenüber einnimmt. Von alle dem liebenswürdigen 
Entgegenkommen, das man, doch wohl nur im eigenen Interesse, bei der 
Eröffnung — versprach, hat man Nichts gehalten. Mit Ausnahme einer 
und der anderen Zeitung, die sich Nachrichten quasi „hinten herum" be 
schafft, kann kein Berliner Blatt sich des Vertrauens des p. t. Komites 
rühmen. Weder die Prämiirung, noch sonst wichtige Dinge wurden den 
Blättern, wie sich das gehört und schickt, offiziell bekannt gegeben. ES 
war ja vollends genug, daß die allezeit dienstwillige Presse ein ganzes 
Jahr lang in die Lärintrompete für das an sich höchst schätzenswerthe 
Unternehmen gestoßen hatte, daß bei der Eröffnung beide Augen zuge 
drückt wurden und — Begeisterung die Folge war — nachher glaubte 
man der Presse nicht mehr zu bedürfen. Man verständigte sie nicht mehr 
von neuen Verfügungen, lud sie nicht mehr ein, dies oder das anzusehen 
und ließ selbstverständlich auch jeden noch so wohlgemeinten Hinweis mit 
Würde unbeachtet! Wenn nun im Ausschüsse selber reges Interesse für 
die stetige Fortentwickelung der Ausstellung vorhanden wäre, könnte man 
die Presse vielleicht entbehren. Man achtet aber nicht auf die Aktualitäten 
und so hört auch die Ausstellung selbst auf, eine aktuelle Erscheinung zu 
sein. Als vor wenig Tagen der König von Sachsen nur durch ein 
Wunder davor bewahrt blieb, bei Benutzung eines Fahrstuhls zu 
Grunde zu gehen — war da nicht Anlaß für die Leiter der Exposition, 
auf die Neuerungen und Vorzüge der ausgestellten Fahrstühle hinzuweisen?*) 
So unmittelbar im Zusammenhang mit einem Tagesereigniß wirkt der 
gleichen, und man hätte vor allem das Interesse der Aussteller ge 
wahrt. Militairkapellen und Vanille-Eis sind ja auch recht schätzenswerthe 
Dinge; den Ausstellern aber, die mit großen Opfern das Ganze ermög 
lichten, wird kein Gewinn daraus erwachsen, wenn Herr Bauer selbst 
eine Ballettruppe von den Eskimos kommen ließe! Nicht für das Bei 
werk, sondern für den Kern der Ausstellung und damit für die Aus 
steller selbst sollte täglich Neues geleistet werden. Sonst kommt es noch 
dahin, daß nachträglich alle fehlenden Firmen nicht nur für ihre Absenz, 
sondern für ihre — Weisheit prämiirt werden müssen! — 
*) Anm. der Red.: Hier stimme ich nicht ganz mit dem Herrn Verfasser überein. 
Eine derartige Reklame konnte nur vor der Eröffnung der Ausstellung von Erfolg 
fein, so lange das Publikum diese „Ausstellung" nicht mit eigenen Augen geschaut 
hatte. Jetzt könnte selbst der unbeschäftigtste Arzt nichts mehr für den guten Ruf der 
eigentlichen Ausstellung thun. 
Vortrefflich sind und bleiben die prächtigen Anlagen des Gartendirektors Mächtig, die 
Restaurants und das Hertel'sche Panorama, alles übrige ist fürchterlich. Für den Fach 
mann nicht ernst genug, und für das schauende «Publikum von einschläfernder Wirkung. 
Richt einmal das Aeußere des Ausstellungsgebäudes — mit einziger Ausnahme der Kuppel 
— zeigt von dem Geschmack, der jetzt ganz allgemein bei den Berliner Baumeistern zu 
finden ist. 
Diese Ausstellung hätte in bescheidenerem Umfange für ein Fachpublikum inscenirt werden 
sollen. Warum dies nicht geschah, ist allbekannt. Superloyale Leute warfen sich auf einen 
an sich richtigen Gedanken und zerrten ihn in die Breite. Sehr hübsch schrieb die Baugew. Ztg.: 
Damals, 1879, wurden die kolossalen Anstrengungen der Berliner Industrie in weiten höheren 
Kreisen brevi manu abgethan. Für die Sache der Berliner Bürgerschaft fand man nicht 
die Aeußerung einer Sympathie, welche mau ihr im Stillen trotzdem zuerkennen mußte. Mit der 
Hygiene ist es, wie alle Welt weiß, anders, die Hygiene ist — um eine allerneucste ftanzösische 
Spracherrungenschaft zu gebrauchen — in den höheren Regionen eben „trespsrhütt.“ 
Inhalt. 
Ein Abenteurer am Hofe König Friedrich Wilhelms I., vaterländische 
Erzählung von Th. L. M. (Fortsetzung); Erst Wien — und dann Berlin 
von Prof. Dr. G. A. von Klöden; Der Götter- und Heroensaal im Alten 
Museum (Illustration); Erinnerung an Arendsee von A. L. Dedat; Fürst 
Leopold von Anhalt-Dessau (mit Portrait); Die Neubauten aus der 
Museumsinsel i Die bevorstehende Theatersaison; Ueber die Berliner 
Hygiene-Ausstellung. Inserate. 
Verlag von Gebrüder paetel in Berlin. 
(Qurr öurdj iinö ringsum Win. 
Sine Fahrt 
auf der Berliner Stadt- und Ringbahn. 
Etwas Kcfchichte und viel Geschichten 
von Emil Dominik. 
Mit 26 Illustrationen von H. Luders u. A 
preis brochirt 5 Mk. eleg. geb. 4 Ms. 
NEE NT- 
esorgung ^Verwerthung 
-„'J.BRANDT Civil-Jngenieur 
■Königgraber Str.131. BERLIN. VK 
lianinos Ms 
fp 
I 1UJJ.LUUU 20 Mark monatl 
FlOgrel Abtthlmifl 
Harmoniums ohne Anzahlung 
Kar Prim a - FnbrihM«. 
M&ff&zln vereinigter Berliner 
Planoforte-Fabriken 
Leiparige:n•'traeee SO. 
Gesucht wird Unterricht in der dopp 
(italienischen) Buchführung. Gert. Off. sub 
C. 1. d. d. Exped. des Bar. 
ganzer-Mrketten 
füt 
Herren und Damen 
zu ä u. 6 Mark, 
von (Sold nicht zu unterscheiden. 
sind unter Garantie des 
Nicht-Schwarz-Werdens 
nur direct zu beziehen von 
F. A. Köhler, 
Berlin SW., Grossbeerenstr. 35. 
NB. Die zur Fabrikation verwendete 
neueste Composition ist dem Aussehen 
nach dem Golde vollkommen ähnlich und 
ermöglicht durch ihre Geschmeidigkeit 
sowohl als durch ihre Dauerhaftigkeit 
die Herstellung sämmtlicher in feinstem 
Gold beliebter Fayons. 
Ott« Espenschied 
Special-Geschäft in Original-Bordeaux-Weinen 
im vornehmen Styl geführt, für das weinverständige Publikum berechnet. 
Comtoir and Kellerei: Berlin W., Schöneberger Ufer 27 an der Potsdamer Brücke. 
Engro3-La?er in Bordeaux. Rue Surson 19. 
> ■ >. Versandt ab Bordeaux und ab Berlin. -
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.