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Periodical volume 28. Juli 1883, Nr. 44

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitung-speditionen und Postanstalten für 2 Marli 
IX. Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Im Postzeitungs-Latalog eingetragen unter Nr. 2278. 28. Juli 
Nr. 44. Herausgegeben von Emil Dominik. Verlag von Gebrüder Partei in Berlin W. 1882. 
Cin Abenteurer am Hofe König Friedrich Wilhelms l. 
Vaterländische Erzählung von Tb. £. Äl. (Fortsetzung.) 
Wie ich endlich allein in meiner Kammer war, der 
blitzende Stein vor mir lag, und ich Alles bedachte, was mit 
mir vorgegangen, kamen Angst und Traurigkeit über mich. 
Mein Herz zitterte in mir und ich saß auf meinem Bette mit 
zusammengedrückten Händen 
und schlaffen Mienen. — Alles, 
was mich heimlich belebt hatte, 
war entrissen, der Zwang von 
mir abgefallen, die Bangig 
keit dafür eingekehrt, und es 
war, als stände das Unglück 
neben mir und wickelte seinen 
schwarzen Schleier um mich 
dichter und dichter, daß ich nichts 
mehr sehen konnte. Plötzlich 
schlug ich mit den Armen um 
her, um diese Gespenster zu 
zerreißen, sprang ans und lief in 
die Ecke am Ofen, wohin ich 
die zerknüllte Antwort des treu 
losen Mannes geschleudert 
hatte, holte sie hervor, ent 
faltete sie und sah hinein- Da 
lagen die giftigen höhnenden 
Worte neben der blitzenden 
Nadel; dort tauchte das sanfte 
edle Gesicht des Chevalier aus 
dem funkelnden Grunde empor 
mit seiner männlichen Ruhe und 
liebevollen Traurigkeit, hier aber 
aus dem knisternden Papier sah 
ich herrische kecke Augen her 
vorlugen, weiße Zähne unter schwellenden Lippen, einen spitzen 
Bart darüber, so übermüthig raufsüchtig zusammengedreht, 
alle Welt verspottend und verachtend, wie die wildesten unter 
den schwörenden, fluchenden Junkern ihn trugen. Die hochcdle 
Jungfer Jablonskien wird Ordre pariren! rief ich, dem Briefe 
zunickend; sie wird gehorchen, sie wird gehorsamlich thun, was 
der gnädige Herr Major ihr befohlen hat! So warf ich mich 
ins Bett glühend in meinen guten Vorsätzen. 
Am anderen Tage war 
es schon besser. Nichts giebt 
mehr Entschlossenheit, als wenn 
das Ungewisse cin Ende ge 
nommen hat. Meine Vergan 
genheit war zum Abschluß ge 
bracht, die Gegenwart dafür 
gelangte zum vollen Verständniß 
und das Kommende forderte 
zum Nachdenken auf. Ich kann 
nicht sagen, daß ich besonders 
darüber grübelte, oder meine 
Beobachtungen mir Mißtrauen 
einflößten, allein das Wesen 
des Herrn von Clement hatte 
jedenfalls doch manches Räthsel 
hafte. Er war cin Fremder; 
Alles, ivas ich von ihm wußte, 
kam von ihm selbst. Allerdings 
war er ein hochbegabter Herr, 
der in den höchsten Lebcns- 
kreisen heiinisch, mit den höchsten 
Personen bekannt, in viele ge 
heime wichtige Dinge sicherlich 
tief eingeweiht war. Wer er 
jedoch eigentlich sei, was ihn 
hierher gebracht, was er betrieb, 
worin seine Verbindung mit 
dem Könige bestand, darüber lag auch jetzt noch ein dichter 
Schleier. Sein vornehmes Leben, seine feinen Sitten, sein 
Wissen und sein Umgang, und endlich er selbst mit seinen ge 
winnenden Vorzügen ließen zwar keine bösen Gedanken auf- 
Mrst Leopold von Inhalt Dessau. 
(Zu dem Roman: „Ein Abenteurer am Hofe König Friedrich Wilhelms I.")
        
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