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Periodical volume 7. Juli 1883, Nr. 41

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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Gundling hatte in vollem Zorne seinem Rivalen eine glühende 
Pfanne, welche die für das Anzünden der Pfeifen nothwendigen 
Kohlen enthielt, an den Kopf geworfen. Der König forderte, die 
beiden Rivalen sollten ihre Ehrensache durch ein rechtschaffenes 
Duell ausmachen. Dasselbe geschah. Gundling aber warf seine 
Pistole weg und rannte davon, indeß Faßmann seine nur mit 
Pulver geladene Pistole auf Gundlings Perrücke abbrannte, die 
nun in Flammen aufging. 
Gundling beschloß sein hochgeplagtes Leben zu Potsdam, 
58 Jahre alt, am 11. April anno 1731 auf seinem Zimmer im 
Stadtschlosse. Bei 
der Sektion ergab 
sich, daß er im Ma 
gen, der vom vielen 
Trinken geborsten 
war, ein großes 
Loch hatte. Seit 
10 Jahren bereits 
war ein mächtiges 
Weinfaß zu Gund 
lings letzter Ruhe- 
stätte bestimmt. In 
diesesWeinfaß wurde 
er, mit seinem besten 
Staatskleide ange 
than, gelegt und so 
in Bornstädt bei 
Potsdam auf des 
Königs Befehl — 
trotz der Reklama 
tionen der Geistlich 
keit — wirklich be 
graben. 
Faßmann hielt 
dem Preußischen 
Freiherrn „mit der 
Anciennetät von 
sechszehn Ahnen"die 
Weiherede. 
Der Sarg in 
Form eines Wein 
fasses war schwarz ge 
strichen und auf dem 
oberen Theil war ein 
weißes Kreuz ange 
bracht. In dieses 
Kreuz waren Verse 
geschrieben, deren 
einer lautet: 
„Hier liegt in seiner Haut, 
Halb Schwein, halb Mensch, ein Wunderding. 
In seiner Jugend klug, in seinem Alter toll, 
Des Morgens voller Witz, des Abends toll und voll. 
Bereits ruft Bachus laut: 
Das theure Kind ist Gundeling." 
Zur Leichenbeglcitung wurden mehr als fünfzig Offiziere, 
Generale, Obersten, die Potsdam'sche Schule, die königlichen Ka- 
binetssekretaire, Kammerdiener re. eingeladen, die sämmtlich er 
schienen, dem verstorbenen Hofnarren die letzte Ehre zu erweisen. 
In der Bornstädter Kirche befindet sich sein Lcichenstein, der fol 
gende Inschrift hat: 
Allhier lieget begraben der weyland Hoch- und Wohl- 
gebohrne Herr, Herr Jacob Paul Freyherr von Gundling. 
Sr. Königl. Majestät in Preussen Hochbe9talt gewesener Ober- 
Cereraonienmeister, Cammerherr, Geheimer Ober-Appellations- 
Krieg8- Hoff- Chammer Rath, Präsident der Königl. Societät 
der Wissenschaften, Hoff- & Kammergerichtsrath auch Historio- 
graphus etc., welcher von allen die ihn gekannt haben, wegen 
seiner Gelehrsamkeit bewundert, wegen seiner Redlichkeit ge 
priesen, wegen seines Umganges geliebt und wegen seines 
Todes beklagt worden. Anno 1731. 
Dem Könige von Polen wurde Gundlings Todesfall auf eine 
lustige Art bekannt gemacht und da dieser Herr eine beträchtliche 
Anzahl von Hof 
narren um sich hatte, 
so mußten dieselben 
deshalb Trauer an 
legen, und mit Flor 
bändern von mehr 
als 20 Ellen Länge, 
desgleichen mit 
Trauermänteln eine 
Zeit lang bei Hose 
erscheinen. 
Es bedarfkeiner 
Worte, das ganze 
Verhalten des Kö 
nigs bei dieser Lei 
chenfeier als eine 
Verhöhnung aller 
guten Sitte zu be 
zeichnen, als eine 
Verletzung kirchlicher 
Dinge. Darum ver 
suchte der verstor 
bene Geh. Hof- 
rath Schneider in 
einem Vortrage „Ist 
Gundling in einem 
Weinfaß begraben 
worden?" den Rach- 
iveis zu führen, daß 
dies nicht möglich 
sei. Der Beweis ist 
ihm nicht gelungen, 
er hat eben nur — 
entgegen aller Tra 
dition, allen über 
lieferten gedruckten 
Nachrichten — das 
Geschehniß ange 
zweifelt, welches die 
Rohheit der Zeit, das „preußische Hagelwetter" vom Anfang des 
vorigen Jahrhunderts besser charakterisirt, als vieles andere. 
D. 
Oic Ghibellinensta-t -er Mark. 
Von fflslint Srfiiüflict. 
(Hierzu die Illustrationen Seite 498 und 499.) 
Keine unter den Städten der Mark, die Residenzen und 
das altchrwürdige Bandenburg ausgenommen, erreicht auch 
nur annähernd das Interesse, welches Frankfurt an der 
Oder dem Brandenburger abgewinnen muß, falls er sein 
Vaterland liebt und ein Herz hat für dessen Vergangenheit 
und die gegenwärtigen Kulturvcrhältniffe der Mark. Frankfurt ist 
König Friedrich Wilhelm I. 
Zu dem Roman „Ein Abenteurer am Hofe König Friedrich Wilhelms 1."
        
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