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Periodical volume 1. Juli 1883, Nr. 40 Beiblatt zur Illustrirten Berliner Wochenschrift Der Bär

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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Insertion«-Gebühren 
für Me 
4 gespaltene Nonpareillezelle 
40 Pfennig. 
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y' y' yflß Tr' 'T • von jedem Annoncen.Bureau 
angenommen. 
IX. Jahrgang. Nr. 40. 
Redacteur! Verlag! 
Lmil Dominik. Gebrüder paetel. 
Berlin W. 35, Lützowftratze Nr. 7. 
Berlin, I. Juli 1883. 
Schloß" eine Krümmung machte und parallel mit der Front des jetzigen 
Schlosses lief, wie dies neuerdings die Ausgrabungen auf dem Schloß 
platz auch zur Evidenz ergeben haben. Dieser Thun«, ebenfalls als Ge 
fängniß beimtzt, aber oft irrthümlich mit dem „grünen Hut" im Schlosse 
verwechselt, wurde, nachdem seine Spitze 1538 abgenommen und auf den 
Marienkirchthurm gesetzt worden war (Nikolai I. S. 82), anno 1682 
gänzlich abgebrochen, wobei Posthius bemerkt, daß dies geraume Zeit ge 
dauert habe, „weil es ein sehr starkes Gemäuer gewesen." 
Ich habe den ganzen Artikel mit großem Interesse gelesen, muß mich 
aber gegen die Behauptung wenden, als ob der bekannte runde Thurm 
zwischen Langebrücke und Schloß, wie derselbe auf einer von uns repro- 
duzirten Illustration*) sehr deutlich wahrgenommen werden kann, den 
Abschluß der „Cöllnischen Stadtmauer" gebildet habe. 
Wie ich dies an anderer Stelle ausführlicher dargelegt habe, gehörte 
dieser Thurm zur Schloßbefestigung gegen Cölln, und lies die 
alte beim Schloßbau niedergelegte Cöllnische Stadtmauer nach 
Nikolai und gegen Adlers Behauptung durch den Lustgarten in der 
Richtung vom Rothen Schlosse nach dem Thurme, der an der Stelle 
der heutigen alten Börse stand. Nikolai sagt, daß Reste dieser Mauer 
thatsächlich im Lustgarten ausgehoben sind und aus der Vorgeschichte des 
Lu st Hauses an der Spree wissen wir, daß hier vor dem Memhardt'schen 
Bau ein Vertheidigungsthurm stand, der Bruder des jenseits der 
Spree gelegenen Berliner Thurmes. 
Was Adler anführt und womit derselbe die Nikolaische Nachricht „zu 
Gunsten seiner Linie" anzweifelt, ist hochinteressant aber nicht erwiesen. 
Auch nicht durch die Nachgrabungen vor 2 Jahren. — 
Edwin Wüsser's issuflrirte Reiseführer, in vielen Auflagen ver 
breitet, und seit einer langen Reihe von Jahren beim Reisepublikum be 
liebt und eingebürgert, haben in neuerer Zeit eine wesentliche Umgestal 
tung und Verbesserung erfahren. Die vorliegenden, 1883 erschienenen 
Ausgaben sind mit einer großen Zahl von in den Text eingefügten 
Plänen und Kartenskizzen ausgestattet, welche nach den Zeichnungen des 
Verfassers photographisch aus Zink übertragen und so für den Buchdruck 
fertig gestellt wurden. Wenn diese Skizzen auch nicht die Feinheit gra- 
virter Karten erreichen, so sind sie doch deutlich und bieten dem Reisenden 
ein wichtiges Material zur Orientirung, wie es sonst nur umfangreichere 
und theurere Reisebücher aufweisen konnten. Bei der Bearbeitung der 
neuen Auflagen hat der Verfasser wie bisher besonderen Werth darauf 
gelegt, möglichst viele praktische Notizen und genaue Wegebeschreibung zu 
biete»; ein Prinzip, dem diese Reisebücher in erster Reihe ihre bisherige 
große Verbreitung zu danken haben. So sind der „Harz" jetzt in 13., 
der „Thüringerwald" in 12., das Riesengebirge in 9., Dresden 
») Sinnt.: Bär VI, S. 415. 
und die Sächsische Schweiz in 9., die Insel Rügen in II., die 
Seebäder auf Usedom und Wollin in 4. Auflage erschienen. 
Die sehr verbreitete Sitte, deutsche Reisebiicher mit Rücksicht aus 
das ausländische Publikum mit lateinischen (antigua) Lettern zu drucken, 
ist bisher bei den Müllersschen Reisebüchern nicht angewandt worden. 
Die Verlagshandlung von Barthol & Co. in Berlin theilt in dieser 
Beziehung die Ansicht unseres größten Staatsmannes, daß deutsche Schrift 
für deutsche Leser viel leichter lesbar sei, wie die dem Auge allerdings 
schöner und zierlicher erscheinenden lateinischen Lettern. Speziell bei Reise- 
büchern aber, die man oft während der Fahrt zu Rathe zieht, greifen die 
kleinen lateinischen Buchstaben die Augen über Gebühr an, und deshalb ist 
für diese Reisebücher-Kollektion eine deutliche, leicht lesbare deutsche 
(Fraktur) Schrift beibehalten worden. 
Brief- und Fragekastcn. 
A. L. Ich halte die neu eingeführte Berliner Briefbestellung 
für einen großen Rückschritt. Früher empfing ich meine erste Briefpost 
zwischen '/ 4 und ‘/ a 9, jetzt nach 9 Uhr Morgens. Ich kann überhaupt 
in Ihr Loblied aus dieBerliner Postverwaltung nicht einstimmen; 
der Schalterdienst ist bei der Mehrzahl der Postämter mangelhaft besetzt, 
so daß fast überall das Publikum zu lange auf die Abfertigung warten 
* muß, und die Packetannahme ist derart an die Postämter vertheilt, 
daß dieselbe für einzelne Stadtgegenden geradezu fehlt. So wohne ich 
in dem bevorzugten Westen und muß, um ein Packet der nächstgele- 
! genen Packetannahme in der Potsdamerstraße 35 abgeben zu lassen, 
! ineinen Boten Stunde mit der Pferdebahn hin- und ebensoviel zurück 
fahren lassen, weil es der Berliner Postleitung nicht gefüllt, das Post 
amt am Lützowplatz mit einer Packetannahme auszustatten. Ihr 
Postloblied steht zu Ihrer Verfügung. — 
v. W. Hamburg fragt an, wo Literatur über den Spion Käsebier 
zu finden ist, der in Breslau studirte und später in den Kriegen gegen 
Napoleon von den Preußen als Spion benutzt wurde. 
Inhalt. 
Ein Abenteurer am Hofe König Friedrich Wilhelms I., vaterländische 
Erzählung von Th. L. Ai. (Fortsetzung); Baurath Hermann Ende von 
P. Wall« (mit Portrait); Von märkischen Mühlen und Müllern von 
Oskar Schwebe!; Zur Geschichte des Berliner Weißbieres; „Sommer 
lust" nach dem Gemälde von Karl Breitbach; P. Wallots neuer Ent 
wurf zum Reichstagshause mit den Illustrationen „Ansicht der Haupt 
front" und „Situationsplan"; Die Cöllnische Stadtmauer. Brief- und 
Fragekasten. Inserate. — 
In der Expedition des Kultnrkämpser, Berlin 8.W., Dessauerstr. 3, 
erscheint seit Neujahr 1880: 
Drr Kullurkänlpfrr. 
Zeitschrift für öffentliche Angelegenheiten. 
Herausgegeben von 
<Dtt» <Vlrrgrrrr. 
Monatlich zwei Hefte in Lexikon-Format, 2 bis 2*/e Böge» stark. 
Jährlich 12 Mark. Halbjährlich 6 Mark. 
Diese Zeitschrift führt in erster Reihe die brcurrenderr socialen und mirthschaft- 
licheu Fragen vor, behandelt daneben aber auch Litteratur und Theater, und brnngt 
außerdem ein farbiges Feuilleton der Zeitereignisse. 
Auf dem Gebiete der Socialpolitik macht die Zeitschrift entschieden Front gegen alle 
manchesterlichen und capitaliftischen Theorien und Gelüste , gegen die Ausdeutung von 
Staat und Nollr. toie will, daß der Staat wieder zurücknehmen soll, was er zur Ungebühr 
Privaten überlassen hat, namentlich das Münz- und Banknotenregal, das Eisenbahn- und Ver 
sicherungswesen. Sie will eine gründliche Wirthschafts- und Steuer-Ktetorm, die 
angemessene Besteuerung des Kapitals und des Renten Einkommens, der Börsenpapiere und 
Börsengeschäfte, und dagegen die Entlastung der ardeitendeu Klassen. Sie tritt für 
die Interessen der Zlährstände. insbesondere für Handwerk, Gewerbe und Landwirthschaft 
ein; sie will die Uebermacht des Capitals brechen, das Kapital der ernsten ehrlichen 
Arbeit dienstbar machen, und sie führt den Kampf gegen die manchesterlichen 
..Freiheiten", namentlich gegen die Actien- u. Börsen-, Gewerbe- u. Vagabunden-, Wechsel- 
und Wucher-,Hreibeit". 
Alle Buchhandlungen und Postanstalteu nehmen Bestellungen an. 
(Eingetr. in der Zeitungs-Preisliste der Kaiserlich Deutschen Post, Seite 87, unter Nr. 2713.) 
Aeckes F»efl ist für stck akgeliiitosten mul ü 60 Pf. must einzeln käustick. 
Die nächsten Hefte tverden u. A. folgende Artikel'und Feuilletons enthalten: 
Friedrich Wilhelm IV. und seine Politik. — D'Jsraeli und Gambetta. — Die Juden als 
Kritiker. — Zur Naturgeschichte der Literaten. — Das „Weltblatt" — die „Kölnische Zeitung". — 
Preßfreiheit und Preßsrechhcit.»— Randglossen zur „Selbstverwaltung". — Die beiden Reichen- 
spergcr. — Brod- und Fleischtaxcn. — Bom Mftbamw der Börse. — Die Macht der Reclame. — 
Herr Marx und sein „Capital". — Die Pariser Münz-Conferenz. — „Persönlich" und „sachlich" rc. 
Wer billig lachen will 
bestelle bei der nächsten Postanstalt oder Buchhdlg. für 50 Pfg. vierteljährlich den im 
Verlage von Wilb. Issleib in Berlin erscheinenden illustr. „Dorfbarbier“.
        
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