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Periodical volume 23. Juni1883, Nr. 39

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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(Eine Chronik für's Haus. 
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Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Postanstalten für 2 Mark 
IX. Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Im Postzeitungs-Latalog eingetragen unter Nr. 2278. den 23. Juni 
Nr. 38. Herausgegeben von Emil Dominik. Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. 1883. 
Ein Abenteurer am Hofe König Friedrich Wilhelms !. 
Vaterländische Erzählung von Tb. £. KI. (Fortsetzung.) 
4. 
Unbemerkt war ich entkommen, aber die sonderbarsten 
Vorstellungen gingen mir im Kopse herum. Es mußte etwas 
ungeinein Gefährliches und Schreckliches sein, was unser 
liebenswürdiger Gast dem Könige vertraut hatte. Obwohl 
ich inir keine rechte Vorstellung davon machen konnte, so i denn was gingen 
waren doch die Aeußerungen, 
tvelche ich gehört hatte, ge 
nügend, um zll wissen, daß 
es sich um Schandthaten und 
Anschläge handelte, die von 
den mächtigsten Herren gegen 
den König angezettelt waren. 
Zttgleich fiel mir eilt, daß ich 
jede Wissenschaft vermeiden 
mußte. Der König hatte den 
Major mit dem Tode bedroht; 
ich entsetzte mich vor dem Ge 
danken, daß ein unbedachtes 
Wort diesen verrathen könnte, 
denn ich zweifelte nicht daran, 
daß dieser grausame Monarch 
sein Wort wahr machen würde, 
wenn er heraus bekäme, daß 
ich im Zimmer, und obenein 
darin versteckt mich befand, 
als er Dumoulin examinirte. 
Niemals würde er die Antwort 
des Majors vergeben haben, 
der freilich die Frage ganz 
richtig beantwortete, allein, 
um mich zu schonen, gedeutelt 
und gedreht, nicht wie der König es meinte. 
Aber Dumoulin konnte nicht anders, ich vertheidigte 
ihn mit siegreichen Gründen; denn cs kann von keinem 
Menschen gefordert werden, daß er sich selbst und Andere 
verderben soll, wenn es in seiner Macht steht, sich zu retten. 
Obcncin nicht einmal durch eine Nothlüge, sondern durch eine 
wortgetreue Antwort auf eine gestellte Frage. Dumoulin 
hatte weise und gerecht gehandelt, auch war er ganz unschul 
dig, alle Schuld fiel auf mich; doch auch ich war imschuldig, 
mich des Königs Geheimnisse an, um 
welche ich wahrlich nicht ge 
kommen war- Wenn ich den 
Major mit meiner Stickerei 
nicht gesehen hätte, nicht alles 
Andere darüber vergessen hätte, 
würde ich mich wohl gehütet 
haben hineinzugehen. Und um 
welches Glück hatte mich der 
zornige König gebracht! Ich 
hatte nicht erfahren können, wie 
der eine kostbare Schwur meines 
lieben Freundes lautete, doch in 
meiner Brust wurde es dabei so 
heiß wie brennend Feuer und 
meine sehnsüchtige Dankbarkeit 
so groß, daß ich hätte zu ihm 
fliegen mögen, um diesen ent 
zückenden Schwur zu hören. 
Allein auch davon durfte 
Niemand das Geringste er 
fahren; ich mußte Alle täuschen, 
und wenn dies bei meinem 
gelehrten Oheim nicht schwer 
fiel, so war der kluge Herr von 
Elcruent doch gar sehr zu 
fürchten, sobald ich meine bis 
herige Unbefangenheit im Geringsten verlor. Mit dieser Ueber 
zeugung nahm ich mir fest vor, auf meiner Hut zu sein, 
und so weit war ich doch von Dumoulin's Abneigung gegen 
den galanten Gast angesteckt worden, daß ich ein heimlich 
Königin Louise. Zum Aufsatze „Hohenzollernmuseum" S. 472.
        
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