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Periodical volume 16. Juni1883, Nr. 38

Full text: Der Bär Issue 9.1883

den Grenadierkompagnien von vier altberühmtcn Regimentern der ! Noch während des Gefechts vor dem Steindamm hatte der 
berlinischen Inspektion: Grai Kuhnheim dir. l, von Arnim Nr. 13, 
von Winning dir. 23, und Alt-Larisch Nr. 26. Es hatte am 
27. früh in Fürstenberg noch 520 Mann in Reihe und Glied 
gehabt, zählte aber nach einem 36 ständigen Marsche bis zum 
28. früh bei Schönermark ( r, 4 Stunden vor Prenzlau) nur noch 
7 Offiziere und 240 Mann. Alles andere war vor Hunger und 
Entkräftung liegen geblieben. Mühsam schleppte sich die Mann 
schaft weiter, als der Prinz, am Dorfe Güstow angekommen, jenen 
eben erwähnten Beseht erhielt, dichter auszuschließen. Eine große 
Zahl Wagen die, trotz aller Verbote, noch immer bei den Truppen 
mit der Kolonne mitgezogen war, und sich, die Dunkelheit der 
Nacht benutzend, im Marsche stillschweigend in den Weg gedrängt 
hatte, mußte nun von demselben herunter, doch zeigte sich, daß 
dadurch die Arrieregarde sehr weit von der Hauptkolonne abgedrängt 
worden war. 
Mit dem vom General von Hirschfeld nachträglich noch an 
den Prinzen abgesandten Lieutenant Graf Stollberg, welcher zu er 
höhter Eile auffordern sollte, sandle Prinz August seinen Adjutanten, 
den Hauptmann von Klausewitz, nach Prenzlau vor, um zu er- 
sahren, wie die Tinge dort ständen. Beide langten bei der Mahl 
mühle in dem Momente an, als drei sranzösische Dragonerregi 
menter eine Attake des Dragonerregiments Prittwitz abschlugen 
und mit diesem in wildem Durcheinander auf den Steindamm und 
die Stadt losstürmten. Damit war dem Bataillon des Prinzen 
der ungehinderte Rückzug durch die Stadt unmöglich gemacht. 
Klausewitz eilte sofort zum Prinzen zurück und berieth, diesen Um 
ständen entsprechend, mit ihm die weiteren Maßnahmen. Man ent 
schied sich daiür, weil der Feind zu eingehend mit der Hauptko 
lonne beschäftigt schien, links auszubiegen und so vielleicht, von 
ihm gänzlich unbemerkt, den Uebergang über die Ucker bei Rieden 
oder Pasewalk zu erreichen. Allein kaum hatte man sich dazu ent- 
schloffen, als der Prinz gewahren mußte, daß das, noch hinter ihm 
befindliche Kürassierregiment von Quitzow seinem Marsche folgte. 
Beide Truppentheile hatten etwa die Gegend nördlich des Fohlen 
bruchs erreicht, da wurde eine, jenseits des Stromes auf der Höhe 
nahe der Berliner Straße, im Gefecht stehende reitende französische 
Batterie ihrer ansichtig und verfolgte sie sofort mit lebhaftem Feuer. 
Wenige Kugeln genügten, das, gerade eine Brücke Passirende, Kü 
rassierregiment in Unordnung zu bringen und die Brücke zu zer 
stören. Durch das nun nothwendige Ueberspringen einiger Gräben 
steigerte sich die Verwirrung und das Regiment kam völlig aus 
einander. Die Grenadiere waren indessen weiter gezogen und hatten 
den Quillobach überschritten. Nachdem ein Kohl- und Gartenfeld 
passirt war, wurde hinter einer Anhöhe Halt gemacht und Ouarröe 
formirt. Der Prinz hatte sich den Mantel angezogen und den 
Stern des schwarzen Adlerordens von der Brust genommen, um 
dem Feinde seinen Rang nicht zu verrathen. Darauf wurde der 
Marsch in dieser Formation, die Ucker etwa 1000 Schritte in der 
rechten Flanke lassend, in der Richtung auf Ellingen fortgesetzt. 
Der Prinz tadelte die Kürassiere über ihr Benehmen heftig 
und verpflichtete den Kommandeur, der darüber selbst sehr unge 
halten war, seine Leute zu sammeln und bei ihm zu bleiben, da 
er die Absicht hegte, sich im schlimmsten Falle mit den Kürassieren 
durch den Feind durchzuschlagen. Doch, alles Appellblasens un 
geachtet, gelang es höchstens 100 Kürassiere wieder zu sammeln. 
Kurze Zeit hiernach traf das Bataillon aus den aus Prenzlau 
heimkehrenden Bauer Sponholz aus Schönwerder. Derselbe wurde 
als Ortskundiger sofort als Führer mitgenommen; der Prinz machte ! 
ihn am einem seiner Pferde beritten und versprach ihm eine an 
sehnliche Belohnung, wenn es ihm gelänge, das Bataillon über die 
Ucker in Sicherheit zu bringen. Ferner wurden nacheinander drei 
reitende Boten nach Prenzlau abgeschickt, um vom Fürsten Hohen 
lohe Hülfe zu erbitten. Keiner derselben kam wieder. — 
Großherzog von Berg die Dragoner-Brigade Marshy (2“ mit den 
Regimentern 8 und 16) der Division Beaumont oberhalb der Pa 
piermühle, zur Umgehung der dort kämpfenden preußischen Truppen 
über den Strom detachirt. Ein der Brigade vorausgeeilter Ge 
neralstabsoffizier entdeckte hierbei den Marsch des Prinzen und 
machte seinem General Meldung darüber. Sofort setzte sich dieser 
in Trab und traf nun aus das Bataillon und die Kürassiere, als 
diese etwa eine halbe Stunde marschirt waren. 3 bis 4 Dra 
goner-Eskadrons stürzten sich ohne Besinnen auf die wenigen Kü 
rassiere und verjagten sie auf Nimmerwiedersehen, während der 
Rest den Grenadieren den Rückzug abzuschneiden suchte. 
Der Ernst der Lage veranlaßte den Prinzen, in kurzer An 
sprache seine Grenadiere zu einem ehrenvollen Widerstände zu er 
muntern. Offiziere wie Gemeine möchten nur ruhig bleiben, den 
Kopf nicht verlieren, vor Allem aber sollte Niemand früher Feuer 
geben, als bis er das Kommando dazu ertheilen würde. Gelänge 
es dem Bataillon sich durchzuschlagen, so verspräche er jedem Offi 
zier den Verdienstorden, jedem Manne die Medaille. — 
Es war diese Ermahnung nothwendig, denn Allen fehlte es 
an Erfahrung, was Infanterie in ähnlicher Lage der Reiterei ge 
genüber leisten könne. 
Kurze Zeit danach rückte das 8. sranzösische Dragonerregiment 
im Galopp vor. 
Das Quarröe, dicht vor Ellingen angelangt, da wo eine kleine 
Wiese rechts am Wege liegt, machte: „Halt" — „fertig!" Alle 
Offiziere ermahnten die Mannschaft fortwährend: „schießt nicht." 
— Man konnte den Feinden auf den Gesichtern ansehen, wie sie 
das Feuer erwarteten; als es auch aus 100 Schritte noch nicht kommen 
wollte, wurde die Attacke zaghafter, die Linie fiel aus dem Galopp 
in Trab und auch dieser wurde schwächer und schwächer, je mehr 
man sich den Grenadieren näherte. 
Endlich, auf 30 Schritt kommandirte der Prinz: „Feuer." 
Etliche Offiziere und etwa 30 Mann stürzten; die übrigen suchten 
Schutz hinter den Hälsen ihrer Pferde, wendeten links und jagten 
ordnungslos davon. 
Damit hatte der Prinz alles bei den Leuten gewonnen, die 
über diesen unerwarteten Erfolg auf das freudigste überrascht waren. 
„Ja, als ein feindlicher Dragoner, der dicht vor dem Bataillon zu 
sammengestürzt war, sich unter seinem todten Pferde hervorarbeitete 
und eiligst davon lief, machte der Kontrast dieser ängstlichen Flucht 
mit dem wilden, etwas scythischen Ansehen dieses behelmten und 
pferdegeschwänzten Dragoners einen solchen Eindruck auf die Leute, 
daß ein allgemeines Gelächter entstand." 
Das Bataillon marschirte weiter, wurde aber bald danach in 
ebenderselben Weise vom 16. Dragonerregiment, freilich gleich er 
folglos, attakirt. Dieses Regiment wich nach rechts aus und ließ 
einige Offiziere und mehr als 20 Dragoner todt und verwundet 
aus dem Platze. 
Der Marsch sollte aufs Neue fortgesetzt werden, da versperrten 
einige Eskadrons direkt den Weg; die übrigen umgaben das Ba 
taillon so dicht auf allen Seiten, auch feuerten abgesessene Dra 
goner aus den das Dorf Ellingen umgebenden Hecken und Gräben 
in die Masse hinein, daß einige Leute verwundet wurden und Halt 
gemacht werden mußte. Hierbei wahrscheinlich wurde auch dem 
Bauer Sponholz das Pferd unter dem Leibe erschossen. Das Ba 
taillon zog darauf seine noch übrigen wenigen Schützen vor, die 
in die dicht gedrängte Reiterei mit gutem Erfolge hineinscuerten. 
„Das wirkte auf der Stelle, die Franzosen machten nach allen 
Seiten Platz, der Weg war frei, und wir konnten unseren Marsch 
fortsetzen." Das Bataillon ließ Ellingen rechts liegen und wen 
dete sich gegen Schönwerder. Etwa halbwegs zwischen beiden 
Dörfern angelangt, traf beim Gegner der Divisionsgcneral Beau 
mont selbst mit dem 21. Dragonerregiment ein und befahl den
        
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