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Volume 9. Juni1883, Nr. 37

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

sehr rentabel zu werden verspricht. Dieselbe schließt sich auf dem Alexander- 
platz an die ihr bereits gehörenden Linien an und soll durch die Alexander-, 
Münz-, Weinmeister-, Gips-, Acker- und Gerichtsstraße bis zur Müller- 
straße gehen, wo sie aus die nach Tegel und Dalldorf führende Linie 
trifft. Vorläufig wird indeffen an der Stettiner Bahn, bis die Regu 
lirung derselben erfolgt ist, eine kurze Unterbrechung eintreten müssen. 
Die Gesellschaft soll sich dafür verpflichten, gleichzeitig ihre Linie in der 
Frankfurter Allee bis nach Rummelsburg zu verlängern. Der größte, 
wenn auch vorläufig nicht einträglichste Theil der zur Vollendung des 
Netzes erforderlichen Linien soll der Berlin-Charlottenburger 
Pferdebahn-Gesellschaft zugetheilt werden. Es gehören hierher 
drei große Bahnstrecken. Die erste derselben beginnt da, wo die Pappel- 
Allee mit der Danziger Straße zusamnienstößt und geht durch die Kastanien- 
Allee, Veteranen-, Invaliden- uod Louisenstraße bis zur Dorothenstraße, 
wo sie auf die Charlottenburger Linie trifft und dann mit einer Ab 
zweigung durch die Neustädtische Kirchstraße bei dem Stadtbahnhof Fried- 
straße endet. Eine Verlängerung nach der anderen Richtung, welche 
durch die Pappel-Allee nach den bei Weißensee liegenden Friedhöfen führen 
soll, bleibt für später vorbehalten. Die zweite Linie soll vom Großen 
Stern durch die Hofjäger-Allee, dann die ganze Gürtelstraße entlang 
führen und sich weiter durch die Fichtestraße bis zur Schillingsbrücke 
hin fortsetzen. In Verbindung mit dieser Linie ist eine andere projektirt, 
welche vom Gesundbrunnen über den Wedding nach Moabit und dann 
weiter bis zum Großen Stern geht. Diesen letzteren Theil des Ringes 
soll sich die Gesellschaft verpflichten, in längstens fünf Jahren auszu 
führen, und zwar mit der Maßgabe, daß die Stadt die sofortige Aus 
führung zu jedem beliebigen Zeitpunkte innerhalb dieser Frist verlangen 
darf. Die dritte Linie endlich soll beim Kölnischen Fischmarkt beginnen, 
durch die Dresdener- resp. Annenstraße, und jenseits des Kanals weiter 
durch die Waldemarstraße nach dem Görlitzer Bahnhof gehen. Nach 
Ausführung aller dieser Bahnstrecken würde zur Vervollständigung des 
Netzes nur noch das kurze Stück vom Spittelmarkt bis nach dem Molken 
markt herzustellen sein, allerdings eine Strecke, welche weit größere 
Schwierigkeiten darbietet, als irgend eine andere. Indessen ist auch dies 
nur noch eine Frage der Zeit, und die endlich zu erwartende Regulirung 
des Mühlendammes wird das bedeutendste der noch entgegenstehenden 
Hindernisse beseitigen. 
Die Anschüttung des Grünen Grabens soll möglichst noch 
in den nächsten Sommermonaten, vom Juli ab, in welcher Zeit 
auch ein niedrigerer Wasserstand zu erwarten steht, ausgeführt wer 
den. Es wird dieselbe von der Mtte des Wafferlaufes, also etwa 
von dem Hinterterrain des Abgeordnetenhauses ab gleichmäßig nach 
beiden Richtungen ausgeführt werden. Was die Verwerthung des durch 
die Zuschüttung gewonnenen Terrains betrifft, so wird an besondere 
Straßenanlagen zunächst weder von staatlicher, noch von städtischer Seite 
gedacht. Von ersterer Seite wird angenommen, daß es überall mit den 
Adjacenten zu einer Einigung über den Ankauf der einzelnen Parzellen 
kommen werde. Es befinden sich darunter Einige, die mit gewerblichen 
Etablissements oder mit bewohnten Grundstücken zu beiden Seiten an 
den Grünen Graben hinanreichen, abgesehen von denen, die denselben 
schon überbaut haben. Hie und da gehört auch die Stadt selbst zu den 
Adjacenten, die u. A. beabsichtigen soll, unweit der Ausmündung des 
Wafferlaufes den hinter dem Cöllnischen Gymnasium befindlichen Volks- 
gartrn durch Zulegung der entstehenden Parzellen noch zu erweitern. 
Unter Fixirung der Preise sind die Ankaufsvfferten an die Adjacenten 
schon ergangen, doch sind Abschlüsse selbst bisher noch nicht erfolgt und 
auch im bisherigen Stadium der Sache wohl weder von staatlicher noch 
von privater Seite beabsichtigt. 
Wernstein in der Marli. Bei dem Artikel über den Bernstein in 
Nr. 31 ist angemerkt, daß sich vor vierzig Jahren bei Brandenburg 
a. H. ein lohnendes Bernsteinlager befand, welches durch den Kunst 
drechsler Wintermann bergmännisch ausgebeutet wurde. Cs geschah dies 
in den Jahren 1834 bis 1840. Ebenso wurde 1851 in Friedenthal 
bei Oranienburg eine Bernsteingräberei eingerichtet, doch hat man 
weitere Versuche in dieser Richtung nicht gemacht, vermuthlich, weil der 
bei uns gegrabene Bernstein nicht so gut zu bearbeiten sein soll, wie der 
Strandbernstein der Ostseeküfte. In Berlin ist bei den Kanalisations 
arbeiten häufig Bernstein gesunden worden, erst im vorigen Jahre in der 
Genthiner- und Landgrafenstraße. In dem Märkischen Provinzial- 
Museum befinden sich nicht weniger als 187 in unserer Stadt gefundene 
Bernsteinstücke, von denen ein Stück Acker- und Liesenstraßenecke, eins in 
der Fennstraße auf dem Grundstück der Schering'schen Fabrik, 7 Stücke 
am Kottbuser Ufer Nr. 7, eins bei Friedrichsberg, dicht bei Berlin, eins 
in der Dresdenerstratze 86, eins Burgstraße 6, 75 Stücke am Schöne 
berger Ufer Nr. 21 und 22, 99 Stücke bei Errichtung der Wasserwerke 
zu Stralau und eins am Schifffahrtskanal, Kottbuser Ufer Nr. 19 aus 
gegraben worden sind. Auch sonst hat man häufig in Berlin Bernstein 
zu Tage gefördert, so in den Lehmgruben bei Berlin, namentlich am 
Kreuzberg, endlich auch im Thiergarten bei Gelegenheit der von Lennö 
ausgeführten Anlagen. In dem Märkischen Museum werden außerdem 
noch zwei bei Bärwalde und Lübars, fünf im Thonlager bei Phöben i 
unweit Werder, und zwei bei Mittenwalde, ebenfalls in einem Thonlager ? 
geftindene Bernsteinstücke aufbewahrt, denn in der ganzen Mark kommen j 
solche vor. Unter Anderem sind in der Neumark zu Friedersdoef, Kreis 
Friedeberg, in dem Drage-Flusse Stücke in der Größe von Tauben - 
und Hühnereiern ausgegraben worden, wie sie überhaupt in verschie- 
1 densteni Umfang und Gewicht, selbst bis zur Größe von fünfzehn bis 
einundzwanzig Centimetern Länge und zehn bis dreizehn Centimetern Dicke 
vorkommen. Bei Brandenburg a. H. sind Stücke gefunden worden, die 
bis 315 Gramm wogen, ja eins hatte sogar das Gewicht von 383 Gramm. 
H. S-n. 
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Mschof D. E. Aabkonsky. (Mit dem Portrait S. 443.1 Soweit 
! das möglich, wollen wir die Hauptpersonen in dem jetzt erscheinenden 
Roman „Ein Abenteurer re." unseren Lesern in Portraits vorführen. Und 
zwar lassen wir die Bilder nach solchen Originalen herstellen, welche zu 
Lebzeiten der Betreffenden als die portraitähnlichsten galten. 
Bischof Daniel Ernst Jablonsky, königl. Preuß. Rath und erster 
Hofprediger war zu Danzig, wo sein Vater Peter Jablonsky Prediger 
bei der polnischen Gemeinde gewesen, den 26. November 1660 geboren. 
Nachdem er zu Liffa das Gymnasium besucht, bezog er 1677 die Univer 
sität Frankfurt a/O„ studirte hier Literatur, Philologie, orientalische 
Sprachen und Theologie, hielt sich alsdann Studie» halber zu Oxford bis 
1663 auf und wurde nach seiner Rückkehr von England an die ncuerrich- 
tete reformirte Kirche von Magdeburg gerufen. Hier blieb er jedoch 
nur sehr kurze Zeit, siedelte 1685 nach Liffa über, wo er neben dem 
Predigtsamte auch noch das Rektorat der Schule ühernahm, wurde als 
dann im Jahre 1690 Hosprediger in Königsberg i/Pr. und drei Jahre 
später dasselbe in Berlin. Im Lause der Jahre wurde er hier 1718 
zum Konsistorialrath und 1729 zum Kirchenrath bei dem „reformirten 
Kirchendirektorium" ernannt, wobei er sich das Vereinigungswerk zwischen 
. den Protestanten sehr angelegen sein ließ. Diese letztere Thätigkeit ins 
besondere veranlaßte die Universität Oxford, wie man sagt, auf den 
Wunsch der Königin Anna, dem Berliner Hofprediger den Grad eines 
Dr. theol. zu ertheilen. Er wurde auch 1733 der dritte Präses der 
„königlichen Akademie der Wissenschaften" in Berlin und von den ver 
einigten böhmischen Brüdern aus der zu Liffa gehaltenen Synode zu 
ihrem Bischof ernannt. In seinem 81. Jahre, am 25. Mai 1741, starb 
er in Berlin. — ^ 
Stiefel mutz sterben. Woher die Redensart stammt, sei im nach 
folgenden erzählt. Im Jahre 1533 kam der Pfarrer Magister Stiefel in 
der Nähe von Wittenberg zu Luther und erzählte ihm, daß der Weltunter 
gang nahe bevorstehe. „Wie wollt Ihr das beweisen?" fragte Luther. 
„Durch meine Berechnungen, die niemals trügen," antwortete der Ma- 
gister, vermochte aber den Reformator nicht zu überzeugen. Besser ge 
lang ihin dies bei seinen Bauern, die nun alles verzehrten und vergeu 
deten, was sie besaßen. Endlich kam der bestimmte Tag; aber der Welt 
untergang blieb aus. Nun enthrannte der Zorn der Bauern gegen ihren 
Pfarrherrn; sie ergriffen ihn und brachten ihn gebunden nach Wittenberg 
und verlangten seine Bestrafung. Das war die Veranlassung, daß ein 
dortiger Student ein Lied dichtete, von welchem der Ansang bald alle 
Kneipen durchwanderte, und der sich bis auf unsere Zeit erhalten hat: 
„Stiefel muß sterben, ist noch so jung, jung, jung!" — Stiesel mußte 
damals aber noch nicht sterben, sondern erst viel später. Das Lied ver 
leidete ihm aber den Aufenthalt in Sachsen; er ging nach Königsberg, 
in dessen Nähe er hochbetagt starb. — 
Dr. Th. Unruh. 
Ein Brief Friedrichs des Großen an den General von Tauenzien, 
zwei Jahre vor dem Tode des großen Königs geschrieben, dürfte für viele 
Leser von Interesse sein. Er zeigt, daß der alte Fritz noch in seinem 
späten Alter mit Eifer und Strenge daraus bedacht ist, seine Armee auf 
der Höhe der Vollkommenheit zu erhalten. „Mein lieber General von 
Tauenzien! Schon bey meiner Anwesenheit in Schlesien erwähnte ich 
gegen euch und ietzt will ich/s schriftlich wiederholen, daß meine armöe 
nie so schlecht gewesen als ietzt. Wenn ich Schuster und Schneider zu 
Generals machte, könnten die Regimenter nicht schlechter seyn. Das Thad- 
densche Regiment gleicht nicht dem unbedeutendsten Landbataillon einer 
preußischen Armee. Rothkirch und Schwartz taugen auch nicht viel. 
Zaremba ist in einer solchen Unordnung, daß ich einen Offizier von 
meinem Regiment nach dem diesjährigen Herbstmanövrc werde hin 
schicken müssen, um es wieder in Ordnung zu bringen. Bey Erlach sind 
die Bursche durch das Kontrebandiren so verwöhnt, daß sie keinen 
Soldaten mehr ähnlich sehen. Keller gleicht einem Haufen ungezogener 
Bauern. Hager hat einen elenden Kommandeur und euer Regiment ist 
sehr mittelmäßig. Nur mit Graf Anhalt, Wendeßen und Markgraf 
Heinrich kann ich zufrieden seyn. Seht so sind die Regimenter en detail. 
Nun will ich euch das maneuvre beschreiben. Schwartz machte den un 
verzeihlichen Fehler, bey Neiße die Anhöhen auf dem linken Flügel nicht 
genugsam zu besetzen. Wäre es Ernst gewesen, so war die hat»nie ver 
loren. Erlach bei Breslau, statt die Armee durch Besetzung der An 
höhen zu decken, marchirte mit seiner Division wie Kraut und Rüben 
ins ckeülöc, daß wenn es Ernst war, die feindliche Cavalieri« die Infan 
terie niederhieb und das Treffen verloren ging. Ich bi» nicht Willens 
durch die Dachet meiner Generale Schlachten zu verlieren, weshalb ich 
hiermit festsetze, daß ihr über ein Jahr, wenn ich noch lebe, die Armee 
zwischen Breslau und Olau bey Marchnitz ins Lager sührt und 4 Tage 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur; Emil Dominik in Berlin W. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. — 
Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei in Berlin L. — Nachdruck ohne eingeholte Erlaubniß ist untersagt.
	        
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