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Periodical volume 9. Juni1883, Nr. 37

Full text: Der Bär Issue 9.1883

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Der Chevalier bedankte sich in heiterster Weise, und der 
Major konnte nicht umhin, mit anzustoßen, obwohl man ihm 
den Zwang gut genug ansah. 
Ich will mich bemühen, sagte Herr von Clement darauf. 
Ihnen so wenig Last zu verursachen, als ich es vermag, und 
bitte nur, daß Sie, hochwürdigster Herr, und Sie, lieb- 
wertheste Mademoiselle, keinerlei Umstände machen, sondern 
mich als einen unterthänigen Hausgenossen betrachten, den 
nach nichts so sehr verlangt, als nach Ihrer Zufriedenheit 
mit ihm. 
Mein Onkel war so erfreut über diese Bescheidenheit, 
tvelche von den liebenswürdigsten Geberden begleitet wurde, 
daß er dem schönen Gaste die Hand, über den Tisch weg, 
schüttelte und ihm zärtliche Worte sagte. 
Glauben Sie auch nicht, gnädigster Herr von Clement, 
Onkel, daß er noch in dieser Nacht nach Potsdam reiten 
werde, dem Könige Meldung zu machen, und verließ das 
Zimmer, ohne nach seiner steifen Verbeugung noch einen Blick 
ans mich zu werfen. 
Eine Bangigkeit überfiel mich nun plötzlich so angstvoll, 
daß ich ihm gern nachgelaufen wäre und ihn gefragt hätte, 
warum er so böse und so trotzig sei. Was hatte ich ihm 
denn gethan? Hatte er mich nicht zuerst beleidigt, tmd hatte 
er mich nicht heute wiederum beleidigt? Was wollte denn 
dieser übermüthige Herr, der mich nicht einmal ansah, nach 
dem er mir so garstige, höhnende Abschiedswünsche zuge 
worfen hatte? — Als mir dies einfiel, fing ich heimlich an 
zu lachen, denn es flüsterte mir Jemand etwas leise ins Ohr, 
worüber ich mich freute, und dies bewirkte, daß ineine Bangig 
keit verging und ich anscheinend sehr aufmerksam und theil- 
Orr Tiefbau im Heinitzbruche des Rüdrrsdorfer Muschelkalkes (100 Fuß unter der früheren Abbausohle). 
Originalzeichnung von Ernst Hosang. (S. Seite 447.) 
setzte ich hinzu, daß es in dieser Stadt nur Mensche» giebt, 
deren einziges Vergnügen Trinkeit, Rauchen, Spielen uiib 
Fluchen ist. Es giebt, wie ich hoffe, gar Manche, welche noch 
einige andere Genüffe liebelt, die freilich bei Weitem nicht mit 
einem geistreichen Kartenspiel oder einem vollen Punschnapf 
zu vergleichen sind. 
Bei dieser Spötterei stand der Major auf, denn es war 
ihm zu viel geworden. Schade, daß es schon so spät ist 
und ich Sie verlassen muß, Jungfer Charlotte, ries er höhnisch, 
somit von allen diesen schönen Genüssen nichts mehr profi- 
tireit sann und sie dem Hern, von Clement zu erproben über 
lassen muß. 
Ei, sagte ich, seine Verbetigung erwidernd, so werden 
wir morgen einen andern Tag dafür haben. 
Ich fürchte, gab er zurück, daß ich niemals Zeit dazu 
finden werde, allein ich wünsche Ihnen viel Glück zur ange 
nehmen Divertirung. 
Damit empfahl er sich in stolzer Haltung, sagte meinem 
nehmend den Gesprächen meines Onkels mit dem Herrn von 
Clement zuhörte, welche noch sehr lange dauerten. 
(Fortsetzung folgt.) 
Kalkt,erge - Rüdersdorf. 
Von Dr. Felix .Ulnfinsrsiaffp in Berlin. 
(Mit der Illustration Seite 447.) 
Wer den drei Meilen östlich von den Thoren Berlins gele 
genen Nüdersdorser Kalkbergen einen Besuch abstatten will, hat 
zwischen zwei Eisenbahnlinien die Wahl. Je nachdem er den 
nördlichen Weg auf der Ostbahn oder den südlichen auf der Frank 
furter Bahn zurücklegt, bietet sich seinem Auge ein anderes land 
schaftliches Bild, eine Erscheinung, die mit dem verschiedenen geo- 
gnostischen Aufbau der durcheilten Gebiete im engsten Zusammen 
hange steht. Während der Fahrt auf der Ostbahn, bei welcher 
man nachher die von Fredersdorf sich abzweigende Sekundärbahn 
bis zu dem bei Tasdorf gelegenen Bahnhöfe Rüdersdorf benutzt, 
befindet man sich auf der ganzen Strecke, sobald man die Frank-
        
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