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Volume 1. Oktober 1882, Nr. 1

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue9.1883 (Public Domain)

(Eine Chronik für's Haus. 
Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Buchhandlungen, Zeitungsspeditionen und Postanstalten für 2 Mark 
1ahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Im Postzcitungs-Latalog eingetragen unter Nr. 2198. j,en 1. © 
Nr. 1. Herausgegeben von Emil Dominik. Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. 1882 
ImigintisKr Georg und seine Lülhe. 
Eine Erzählung aus dem Jnnungsleben des 17. Jahrhunderts. 
Von Hermann LeianlK. 
Nackdruck verboten. 
Gesetz v. II. VI. 70. 
Erstes Kapitel. 
Jnnungsleiden. 
Das Jahr 1632 brachte der Schuhmacher-Innung in der 
kleinen Veste Peitz viel Aergerniß und Aufregung. Mcht etwa, 
als ob sich die schlimmen 
Wirkungen des großen Re 
ligionskrieges, der in Prag 
seinen Anfang genommen 
hatte und nun schon seit 
14 Jahren die deutschen 
Lande verwüstete, bereits 
in diesem abgelegenen Theile 
der Mark fühlbar gemacht 
hätten. Nein, die Leiden 
der Schuhmacher - Innung 
hatten geringere Ursachen, 
waren deshalb aber nicht 
lvcniger schmerzlich. Von 
allen Seiten angegriffen, in 
ihrem Erwerbe gestört, in 
ihrem Ehrgefühl gekränkt, 
mußten die ehrsamen Meister 
alle Kräfte einsetzen, sich 
ihrer Haut zu wehren und 
ihre Rechte 51t wahren. Da 
waren cs zunächst die Hand 
werksgenossen in der Rach 
barstadt Cottbus, die ihnen 
ohne Rücksicht aus Hand- 
wcrksgcwohnheit und ver 
briefte Privilegien mancher 
lei Tort anthaten. Denn 
nicht allein verkauften die 
dreisten Cottbuser ihre Waaren in allen zu dem Städtchen 
Peitz gehörigen Dörfern, lvodurch sie den bestehenden Jnnungs- 
gcsetzen offen zulviderhandelten und das Einkoimnen der Peitzcr 
Professor Fritz Schaprr. 
Der Schöpfer deS „Göthe-DenkmalS" im Berliner Thiergarten. 
Originalzcichnung nach einer Photographie aus dem Kunstverlag von 
Sülls. Fechner, Berlin. (S. Seit« 10.) 
Schuhmacher schmälerten, sondern sie erlaubten sich sogar, in 
Großlieskow, einem Dorfe bei Peitz, einen freien und öffent 
lichen Markt abzuhalten. Die Peitzer Meister, welche davon 
Kunde erhalten hatten, forderten ihre Nachbarn in strengem 
Tone zur Rechenschaft. Da 
es ihnen aber nicht möglich 
war, jene pflichtvergeffcnen 
Meister namentlich anzu 
führen, wie sie überhaupt 
genaue Angaben über den 
bcregten Vorfall nicht zu 
machen im Stande waren, 
so hatte ihre Beschwerde 
keinen andern Erfolg, als 
daß die Cottbuser ihr Ver 
gehen beharrlich leugneten 
und den weiteren Schritten 
der Peitzer Schuhmacher so 
wie deren Drohungen mit 
offenem Hohne begegneten. 
Das war für die armen 
Schuhmacher in der Veste 
Peitz eine recht mißliche 
Lage. 
Noch einschi'cidender 
aber waren die Mißstündc, 
welche in der Veste selbst 
überhand genommen hatten 
und an dem Erwerbe der 
ehrbaren Meister herum- 
schmarotzten. Schon lange 
hatten diese mit Unwillen 
dem heimlichen Treiben der 
in der Festung stationirten Schuheknechte zugesehen, die 
neben ihrem ehrlichen Berufe, für die Besatzung das nöthige 
Schuhzcug zu liefern, auch noch das unehrliche aber um so
	        
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