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Periodical volume 26. Mai 1883, Nr. 35

Full text: Der Bär Issue 9.1883

(Eine Chronik für's Haus 
Erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch alle Luchstandlungen, Zeitung-speditionen und Postanstalten für 2 Mark 
IX. Jahrgang. vierteljährlich zu beziehen. - Jm Postzeitung--Latalog eingetragen unter Nr. 2278. den 26. Mai 
Nr. 3Z. Herausgegeben von Emil Dominik. Verlag von Gebrüder Paetcl in Berlin W. 1883. 
Das Testament des Onkels. 
Novelle von ft. ». Smfen. (Fortsetzung.) 
Nachdruck verboten. 
Gesetz v. 11. VI. 70. 
Die beiden Freunde begaben sich auch bald ans ihre Zim 
mer. Dort angekommen, brach August in ein homerisches Ge 
lächter ans: „Nein Rudolph, Du hättest nur hören und sehen 
sollen, wie mir die alte Hanckc den Hos machte, als ich ihr 
Elmenhof schilderte, die 
Revenuen hab ich ihr 
ans circa 20,000 Thlr. 
angegeben — aus eine 
Hand voll Noten kommt's 
ja nicht an — und als 
ich ihr erzählte, daß der 
alte Rosen cs zur Bedin 
gung gestellt, daß sein 
Erbe hcirathcn müßte" — 
„Was, das 
auch erzählt?" 
dolph dazlvischen, „das 
ist mir aber im höchsten 
Grade unangenehm!" 
„Dir unangenehm?" 
fragte August lachend, 
„was geht Dich denn die 
ganze Sache an, Herr 
v. Schalter? ich, als zeit 
weiliger Besitzer von 
Elmenhof, habe doch das 
Recht, auch Nutzen aus 
meiner kurzen Negierungs 
zeit zu ziehen und cs 
macht mir höllischen 
Spaß, wie die Alte um 
mich wirbt, hoffentlich fängt die Kleine auch an, mich zu bc- 
kuren, von der ließ ich mir's noch lieber gefallen!" 
„Da wirst Du Dich wohl verrechnet haben, alter Freund", 
bemerkte fast triumphircnd Rudolph, „sie wies Deinen Wunsch, 
sie singen zu hören, nicht eben höflich zurück!" 
Die neuen Fillcrbauten der ßcrlincr Städtischen Wasserwerke in Leget. 
Originalzeichnnng »ach einer photogr. Aufnahme. (S. Seite 423.) 
„Da wußte sie noch nicht, daß ich ein Rittergut zu 
Hanse habe", lachte Gustel, „morgen sprechen wir uns wie 
der, da wollen wir ja sehen!" 
„Ja, da wollen wir sehen", wiederholte Rudolph nach 
denklich, und cs stimmte 
ihn der Gedanke beinahe 
traurig, das liebliche Ge- 
schöpfchcn könnte sein, 
wie die Andern! — 
Am nächsten Mor 
gen erwachte Rudolph 
schon sehr früh, er war 
cs jetzt so gewohnt, zeitig 
aufs Feld zu reiten, daß 
es ihn nicht im Zimmer 
ließ. — 
Während sein Freund 
noch friedlich schlummerte, 
kleidete er sich an und 
trat hinaus vor die 
Thür. — 
Bor ihm lag ein 
iveitcr, klarer Sec, da 
hinter zogen die blauen 
Harzberge, sich scharf 
gegen den klaren Morgen- 
himmel abhebend: Kühe 
weideten mit ihren abge 
stimmten Glocken auf den 
Triften und das sanft 
melodische Geläut mischte 
sich mit dem schmetternden Gesang der Lerche» hoch oben im 
blauen Aether. — 
Rudolph schaute entzückt in die Ferne und als er endlich 
das Auge wieder seiner nächsten Umgebung zuwandte, bemerkte 
er erst, daß dicht neben ihm in der schattigen Laube Hertha
        
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